Tariftreue endlich auch im Bund – Berlin und Brandenburg müssen weiter vorangehen
Pressemitteilung26. Februar 2026
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Gute Löhne.
Gutes Leben in Brandenburg.
Brandenburg hat eine der niedrigsten Tarifbindungen in Deutschland. In nur 17 Prozent der Betriebe im Land – das entspricht 47 Prozent der Beschäftigten – gelten Tarifverträge.
Fehlende Tarifbindung hat massive Auswirkungen: auf die Einkommen der Beschäftigten, aber auch auf die Höhe der Steuereinnahmen und die der Sozialversicherungen.
Ob Löhne, Urlaubstage oder Arbeitszeiten – staatliche Gesetze regeln meist nur eine unterste Haltelinie. Alles darüber hinaus ist Verhandlungssache. Aber allein lässt es sich mit dem Chef oder der Chefin schwer verhandeln. Deshalb schließen sich Beschäftigte in Gewerkschaften zusammen:
Gewerkschafter*innen handeln mit der Arbeitgeberseite neue Regeln für das Unternehmen oder ganze Branchen aus. Um ihre Forderungen in diesen Tarifverhandlungen durchzusetzen, können Beschäftigte auch streiken. In Tarifverträgen wird festgeschrieben, wieviel Lohn die Beschäftigten bekommen, wieviel Urlaub ihnen zusteht und vieles mehr.
Die Regelungen sind meistens weit besser als die gesetzlichen Mindeststandards.
Das stärkt Rechtspopulisten und Demokratiefeinde. Arbeitgeber und Politik stehen hier gleichermaßen in der Pflicht. Gute Einkommen und Arbeitsbedingungen, wirtschaftliche Sicherheit und Perspektiven sind der Kitt, der unsere Gesellschaft zusammenhält.
Tarifverträge stellen genau das her. Sie sind gelebte Demokratie, sie sind Gesellschaftsverträge.
Angesichts galoppierender Lebenshaltungskosten sind reelle Einkommenssteigerungen absolut notwendig. Auch deshalb brauchen wir mehr davon, besonders in Berlin und Brandenburg, wo die Tarifbindung von Unternehmen bundesweit am niedrigsten ist.
Tarifflucht kommt uns teuer zu stehen, nicht nur den Beschäftigten, Sozialkassen und der öffentlichen Hand sondern auch den Unternehmen selbst.
Unternehmen ohne Tarifbindung können im Werben um Fachkräfte viel schlechter punkten als tarifgebundene. Und auch in Sachen Beschäftigungssicherung, Entgeltgerechtigkeit und der erfolgreichen Gestaltung von Transformation haben Tarifgebundene die Nase vorn. Doch damit nicht genug: Höhere Löhne steigern die Kaufkraft, stärken den Konsum und damit die Wirtschaftsleistung unseres Landes.
Da die Wirtschaft hier offenkundig Handlungshilfen braucht, sollte Brandenburg zügig mindestens die Tariftreue im Vergabegesetz umsetzen, analog zum Vorbild aus Berlin. Beide Länder haben als große Auftrag- und Arbeitgeber Verantwortung und Vorbildcharakter, wenn es um Gute Arbeit geht. Brandenburg muss jetzt liefern, und auch in Berlin ist in dieser Hinsicht noch viel Luft nach oben.
Ende der 1990er Jahre profitierten 73 Prozent der Beschäftigten von einem Tarifvertrag, heute sind es nur noch rund 50 Prozent.
Ein Grund: Viele Unternehmen weigern sich, Tarifverträge abzuschließen. Die politischen Rahmenbedingungen haben ihnen das enorm erleichtert. Arbeitgeberverbände lassen sogar Mitgliedsunternehmen ohne Tarifbindung in ihren Reihen zu.
Aber zusammen können wir das Ruder herumreißen und die #Tarifwende schaffen:
Je mehr Beschäftigte ihr Recht auf gute tarifvertragliche Arbeitsbedingungen einfordern und je lauter sie das tun, desto größer wird der Druck auf Arbeitgeber*innen und Politik.
In nur 15 Prozent der Brandenburger Firmen gelten Branchentarifverträge.
Wir machen uns für eine Trendwende stark und wollen mehr Tarifschutz für die Beschäftigten.
Volkswirtschaftlicher Schaden | Mindereinnahmen | Mindereinnahmen | Netto-Plus | Gesamteffekt | Jährliches Netto-Plus |
| (Mio €) | (Mio €) | (Mio €) | (Mio €) | (€) |
Brandenburg | 1.573 | 929 | 2.292 | 4.794 | 4.584 |
Ostdeutschland (inkl. Berlin) | 10.325 | 6.419 | 14.415 | 31.160 | 3.915 |
Gesamtdeutschland | 43.083 | 26.990 | 60.080 | 130.152 | 3.022 |
In Brandenburg verdienen Beschäftigte ohne Tarifvertrag im Jahr durchschnittlich 4.584 Euro weniger Geld als diejenigen mit Tarifvertrag. Die Folge ist eine geringere Kaufkraft. Zusätzlich kommt die Tarifflucht von Firmen die Allgemeinheit teuer zu stehen. Das belegen neue Berechnungen des DGB auf Datenbasis des Statistischen Bundesamtes. Der Schaden, der allein durch Tarifflucht und Lohndumping der Arbeitgeber in Brandenburg entsteht, summiert sich bei den Sozialversicherungen (Rente, Pflege, Krankenkassen, Arbeitslosigkeit) jährlich auf 1,57 Milliarden Euro. 929 Millionen Euro gehen dem Land bei der Einkommensteuer verloren. Hätten die Beschäftigten in Brandenburg alle einen Tarifvertrag, blieben ihnen rund 2,29 Milliarden Euro mehr pro Jahr in der Tasche.
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