Die Forderung des Regierenden Bürgermeister und IHK Berlin, den Schwellenwert für Direktaufträge analog zu Brandenburg auf 100.000,00 Euro anzuheben, ist aus Sicht des DGB inakzeptabel. Die Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Katja Karger, kritisiert: „Diese Form der Entlastung für Unternehmen wird zur Belastung für Berliner Arbeitnehmer*innen. Für zahlreiche Unternehmen würde der Vergabemindestlohn und die Tariftreue nicht mehr gelten.“
Ein großer Teil öffentlicher Aufträge würde bei einem solch hohen Schwellenwert vergeben, ohne dass die beauftragten Unternehmen verpflichtet wären, Vergabemindestlohn oder Tariflohn zu bezahlen. „Im Koalitionsvertrag von CDU und SPD steht klipp und klar: »An der Tariftreue im Berliner Ausschreibungs- und Vergabegesetz halten wir fest«. Ich würde es sehr bedauern, wenn die Senatskoalition diese Zusage über die Anhebung des Schwellenwerts de facto einkassiert“, kritisierte Karger. „Notwendig sind zielgerichtete Investitionen und keine Steuergeschenke an Unternehmen, die mit der Gießkanne ausgeschüttet werden – vor allem nicht, wenn Dritte die Zeche bezahlen sollen. Das gilt für die Bundesländer, die sich zurecht über die Einnahmenverluste beklagen, und genauso für die Beschäftigten, die am Ende des Monats ihre Miete bezahlen müssen. Wir sollten sehr aufpassen, dass bei all dem Aktivismus von Seiten der Wirtschaftslobbyisten nicht die Beschäftigten unter die Räder geraten.“