Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 24/12 - 25.04.2012

Ausbeutung am Flughafen geht weiter

Als Einzelfälle kann man kaum bezeichnen, was sich seit Monaten auf der Flughafenbaustelle in Schönefeld abspielt: Einmal mehr meldeten sich jetzt beim Beratungsbüro für entsandte Beschäftigte im DGB-Haus Bauarbeiter, die für ihre Arbeit nicht bezahlt wurden. Die acht polnischen Männer waren zunächst bei einer Firma angestellt und regulär entlohnt worden. Doch im November 2011 wurden sie genötigt, eine Kommanditgesellschaft zu gründen. Aus Angst, ihre Arbeit zu verlieren, stimmten die Männer zu.

Nachdem sich die Bauarbeiter wegen der ausstehenden Zahlungen an das Beratungsbüro gewandt hatten, bekamen sie Druck „von oben“. Der Auftraggeber der Männer, ein Bauunternehmen aus Eisenach, verbot ihnen rundheraus den Kontakt zum Beratungsbüro. 500 Euro sollten sie einmalig erhalten – ein Bruchteil ihrer berechtigten Forderungen – und per Unterschrift auf weitere Ansprüche verzichten. Doch die Männer widerstanden, erhielten dennoch den Abschlag und werden jetzt versuchen, ihre Forderungen auf dem Rechtsweg durchzusetzen.

Für Doro Zinke, die Vorsitzende des DGB-Bezirks Berlin-Brandenburg, reicht es allmählich. „Schon wieder die Flughafenbaustelle! Nach dem Lohnbetrug an ungarischen Bauarbeitern vor Weihnachten, den Rumänen und Bulgaren, die erst vor kurzem in der Beratungsstelle waren, müssen wir feststellen, dass wir es wohl kaum mit Einzelfällen zu tun haben.“ Sie fordert die Flughafengesellschaft und die Landesregierungen von Berlin und Brandenburg auf, endlich aktiv zu werden. „Eine Tariftreueerklärung, wie sie nach Angaben der Flughafengesellschaft von allen Subunternehmen unterzeichnet werden muss, haben die Polen nicht gesehen.“ Die Politik müsse verlässliche Strukturen gegen die Ausbeutung von Wanderarbeiterinnen und Wanderarbeitern schaffen – nicht nur auf öffentlichen Baustellen.

Mit der Forderung des DGB „Gute Arbeit für Europa“ setzen die deutschen Gewerkschaften am 1. Mai ein deutliches Zeichen der Solidarität. Der Lohnbetrug auf der Flughafenbaustelle zeigt, wie bitter notwendig das ist.


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