Mehrere zehntausend Menschen demonstrieren in Berlin & Brandenburg am Tag der Arbeit

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Ordnungsnummer PM 16

Dachzeile „Erst unsere Jobs, dann eure Profite!“

Berlin/Potsdam, 1. Mai 2026 – Am heutigen Tag der Arbeit, 1. Mai 2026, beteiligten sich heute 39.800 Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter an mehr als 15 Orten in Berlin und Brandenburg an Demonstrationen und Kundgebungen des Deutschen Gewerkschaftsbundes. In Berlin gingen 12.000 Menschen auf die Straße. Unter dem Motto „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“ demonstrierten sie gegen Stellenabbau, Sozialkürzungen und Angriffe auf Beschäftigtenrechte.

In vielen Branchen verstärken derzeit die energie- und geopolitischen Krisen die Effekte der wirtschafts- und strukturpolitischen Versäumnisse der vergangenen Jahre auf Konjunktur und Arbeitsmarkt. Gleichzeitig gehen die aktuellen Reformdebatten in Teilen von Politik und Wirtschaft zulasten von Beschäftigten und ihrer hart erkämpften Rechte. Dagegen richtete sich heute lauter Protest der Demonstrierenden. 

Katja Karger, Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin-Brandenburg, unterstrich in ihrer Rede auf der Mai-Kundgebung in Berlin: „Angriffe auf den 8-Stunden-Tag, Rentenkürzungen, Arbeitsplatzabbau: Wir Beschäftigte zahlen nicht die Zeche für Versäumnisse der Politik und Fehlentscheidungen der Wirtschaft. Millionen unbezahlte Überstunden, in denen Kolleg*innen die Gewinne der Konzerne erarbeitet haben, sprechen eine deutliche Sprache: In Deutschland wird mehr als genug gearbeitet! Doch viel zu häufig wird diese Arbeit nicht fair bezahlt. Schluss mit Tarifflucht, Lohndumping und miesen Arbeitsbedingungen! Dafür müssen unsere Landesregierungen und auch die Bundesregierung wirksame Rahmenbedingungen schaffen. Wer öffentliche Aufträge und Fördermittel will, muss Tarif zahlen – ab dem ersten Euro Auftragswert.“

Robert Feiger, Bundesvorsitzender der IG BAU, unterstrich dies ebenfalls in seiner Rede und kritisierte zudem die Dauerdebatten über den gesetzlichen Mindestlohn: „Das ist eine absolute Untergrenze der Entlohnung! Viel zu viele Menschen schuften für zu wenig Geld, hängen in prekären Jobs und endlosen Subunternehmerketten fest.“ Beschäftigte würden gegeneinander ausgespielt, um Löhne zu drücken. Feiger stellte klar: „Wir lassen uns nicht spalten nach Herkunft, Pass oder Religion. Wir sagen: gleiche Arbeit, gleicher Lohn!“ Genauso müsse das Versprechen der gesetzlichen Rente gelten: „Wer von den Menschen verlangt, bis 67 oder länger zu arbeiten, hat keine Ahnung von der Realität. Über 40 Jahre Arbeit auf dem Bau, das ist ein Knochenjob! Wer die gesetzliche Rente kleinredet, stellt die Lebensleistung von Millionen Beschäftigten in Frage – auch das lassen wir nicht zu. Hört endlich auf, Politik über die Köpfe der Menschen hinweg zu machen.“ Zudem sprach Feiger über das Problem explodierender Mieten: „Wohnen ist kein Luxus, Wohnen ist ein Grundrecht. 33 Euro Kaltmiete an der Seestraße in Berlin-Wedding, das ist eigentlich eine Straftat.“ Feiger machte sich stark für einen wirksamen Mietendeckel, mehr bezahlbaren Wohnungsneubau und mehr Gemeinnützigkeit.“

Jan Willem Goudriaan, Generalsekretär des Europäischen Gewerkschaftsverbands für den öffentlichen Dienst (EGÖD), kritisierte in seiner Rede in Berlin die teils massiven Kürzungen in den öffentlichen Haushalten in vielen Ländern Europas: „Der öffentliche Dienst ist in Not. In ganz Europa stehen die Beschäftigten auf – für höhere Löhne, mehr Personal und öffentliche Investitionen. Zu Recht, denn wer eine prosperierende Wirtschaft und eine demokratische und gerechte Gesellschaft will, braucht dafür einen starken öffentlichen Dienst und eine verlässliche Daseinsvorsorge. In Zeiten wirtschaftlicher Krisen sind Sparmaßnahmen in öffentlichen Haushalten kein smarter Zug. Die Regierungen müssen investieren und dafür ihre Einnahmen stärken. Dafür sollten wir endlich gemeinsam in Europa die Finanzierung unseres Gemeinwesens gerecht organisieren: Wer große Vermögen besitzt und in Krisen hohe Gewinne macht, muss deutlich mehr beitragen als Menschen mit kleinen und mittleren Einkommen. Wir brauchen deshalb eine Vermögensteuer – europäisch koordiniert und ohne Schlupflöcher. Krisengewinner müssen wir konsequent zur Kasse bitten: mit einer Finanztransaktionssteuer, die kurzfristige Spekulationsgewinne eindämmt, und einer Übergewinnsteuer, damit sich Konzerne nicht in Krisen auf unsere Kosten bereichern können. Wir brauchen gerechte öffentliche Finanzen für die Gestaltung einer gerechten Gesellschaft.“

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