Wer Fachkräfte haben will, muss ausbilden.
Berliner Appell für eine Ausbildungsumlage
Mit einer Ausbildungsumlage sichern wir Fachkräfte, schaffen Perspektiven und faire Chancen für alle.
Wir müssen die Zahl und die Qualität von Ausbildungsplätzen in Berlin erhöhen!
In keinem anderen Bundesland suchen so viele Jugendliche erfolglos einen Ausbildungsplatz. In keinem anderen Bundesland ist die Zahl der ausbildenden Betriebe so gering wie in Berlin. Unternehmen und ihre Verbände machen es sich zu leicht, wenn sie darauf verweisen, keine geeigneten Bewerber*innen zu finden und die Schuld auf Schulen, Eltern und letztlich die Jugendlichen selbst schieben. 9 von 10 Berliner Betrieben bilden überhaupt nicht aus. Jahr für Jahr gehen tausende Jugendliche in Berlin ohne Ausbildungsplatz leer aus. Das muss sich endlich ändern!
Wer Fachkräfte haben will, muss ausbilden. Und nur eine gute Ausbildung ist attraktiv.
Wir wollen, dass jeder junge Mensch in Berlin die Möglichkeit hat, den individuellen Stärken und Interessen entsprechend bestmöglich ausgebildet zu werden. Dass diese Vision Wirklichkeit wird, geht uns alle an: Gute Ausbildungsangebote schaffen nicht nur attraktive Zukunftsperspektiven für junge Menschen, sondern sind auch eine zentrale Voraussetzung zur Bewältigung des Arbeits- und Fachkräftemangels.
Wir fordern die Ausbildungsumlage - für mehr und bessere Ausbildungsplätze in Berlin!
Betriebe, die durch gute Ausbildung jungen Menschen eine Perspektive bieten, verdienen für ihren Einsatz Anerkennung und bei Bedarf Unterstützung. Die Einführung eines umlagefinanzierten Zukunftsfonds für Ausbildung (“Ausbildungsumlage”) ist ein wirksames Instrument, das dazu beitragen kann, Ausbildungsquote und Ausbildungsqualität zu erhöhen. Viele Branchenverbände und Innungen haben dies längst erkannt und gemeinsam mit den Gewerkschaften Ausbildungsumlagen auf Basis allgemeinverbindlicher Tarifverträge eingeführt. Sowohl diese tariflichen Umlagen als auch die 2020 eingeführte gesetzliche Ausbildungsumlage im Pflegebereich zeigen deutlich: Die Umlage ist kein Allheilmittel, aber sie wirkt! Sie belohnt ausbildende Betriebe und schafft mehr Ausbildungsplätze, um den Fachkräftebedarf zu sichern. Sie eröffnet neue Möglichkeiten zur Förderung der Ausbildungsqualität. Und sie schafft mehr und bessere Perspektiven für junge Menschen, die eine duale Ausbildung anstreben.
Wir brauchen mehr attraktive Ausbildungsplätze für junge Menschen für einen gelungenen Einstieg ins Berufsleben! Wir brauchen mehr qualitativ gute Ausbildung zur Sicherung des Fachkräftebedarfs! Wir brauchen eine Ausbildungsumlage, für Berlin & die Berliner*innen!
Zum Hintergrund:
Die “Ausbildungsumlage” ist ein solidarisches Finanzierungssystem: Unternehmen zahlen einen vorher festgelegten Betrag in einen gemeinsamen Fonds ein, unabhängig davon, ob sie ausbilden oder nicht. Aus diesem Fonds werden ausbildenden Betrieben die Kosten der Berufsausbildung erstattet und bei Bedarf übergreifende Unterstützungsmaßnahmen zur Verbesserung von Ausbildungsquote und -qualität finanziert. Auf Grundlage des Koalitionsvertrags zwischen CDU und SPD wurde im Bündnis für Ausbildung vereinbart, dass in Berlin eine solche Ausbildungsumlage eingeführt wird, wenn im Zeitraum vom 31.12.2023 bis zum 31.12.2025 keine 2.000 zusätzlichen betrieblichen Ausbildungsverträge abgeschlossen werden. Da diese Zahl absehbar nicht erreicht wird, hat die IHK Berlin jüngst ihre Mitgliedsunternehmen aufgefordert, Ausbildungsplätze zu schaffen, um die Einführung einer Ausbildungsumlage zu verhindern. Dieses Vorgehen zeugt von mangelndem Problembewusstsein und ist kein Beitrag zur nachhaltigen Stabilisierung der betrieblichen Ausbildung.
ErstunterzeichnerInnen -
- des Berliner Appells Ausbildungsumlage:
Name, Vorname – Funktion/Organisation
Bülow, Julia – Jugend- und Auszubildendenvertreter (JAV), ver.di
DeGroot, Mailin – Bezirksjugendsekretärin, DGB
Fröhlich, Florens – Landesjugendleiter, EVG
Fuhrmann, Patrick – Betriebsrat, IG Metall
Gagel, Isabelle – Landesjugendsekretärin, ver.di
Hannemann, Hartmut – Berufliche Bildung in Berlin e.V.
Harenberg, Hermann – Betriebsratsvorsitzender, ver.di
Heidenreich, Jakob – Jugendsekretär, IG Metall
Heydrich, Christine
Ingenschay, Cosima – Stellvertretende Bundesvorsitzende, EVG
Jaretzke, David – Betriebsratsvorsitzender, IG BAU
Karabulut, Özge – Jugend- und Auszubildendenvertreterin (JAV), IG Metall
König, Sasha – Hauptjugend- und Auszubildendenvertretung (HJAV), ver.di
Krüger, Stanley – Jugend- und Auszubildendenvertreter (JAV), ver.di
Koop, Jan Niklas – Jugend- und Auszubildendenvertreter (JAV), ver.di
Krauß, Frieder – Jugend- und Auszubildendenvertreter (JAV), ver.di
Marien, Stefan – Berufliche Bildung in Berlin e.V.
Tim Meißner – Jugend- und Auszubildendenvertreter (JAV), ver.di
Niedermeyer, Elen – Bezirksjugendvorstand, ver.di
Probst, Fredrik – Jugendbildungsreferent, Gemeinschaft Jugend, Erholung und Weiterbildung e. V. (GJEW e. V.)
Rahmig, Ronald – Berufliche Bildung in Berlin e.V.
Röglin, Jonathan – Jugend- und Auszubildendenvertreterin (JAV), IG BAU
Rulff, Pit – Berufliche Bildung in Berlin e.V.
Sauer, Olaf – Betriebsratsvorsitzender, IG Metall
Schmidt, Vivien – Jugend- und Auszubildendenvertreterin (JAV), IG BAU
Schütz, Devin – Bezirksjugendvorstand, ver.di
Seifert, Robert – Betriebsrat, EVG
Thönnes, Joel – Jugend- und Auszubildendenvertreter (JAV), ver.di
Witzel, Carolin – Jugendsekretärin, NGG
Zamalloa-Eckert, Mary – Betriebsratsvorsitzende, NGG
Ausbildungsumlage Berlin: Dichtung und Wahrheit
In den letzten Monaten sind in der Öffentlichkeit zahlreiche Mythen und Schreckensszenarien über die Auswirkungen einer Berliner Ausbildungsumlage verbreitet worden.
Zeit also, Mythen einmal kritisch zu hinterfragen und zu entkräften:
Fakten statt Mythen
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UMLAGE JETZT: Fakten statt Mythen Dichtung und Wahrheit: In den letzten Monaten sind in der Öffentlichkeit zahlreiche Mythen und Schreckensszenarien über die Auswirkungen einer Berliner Ausbildungsumlage verbreitet worden. Zeit also, Mythen einmal kritisch zu hinterfragen und zu entkräften: Download PDF
Berliner Ausbildungsumlage - Gesetzgebungsverfahren
CDU und SPD bringen Gesetzentwurf für eine Berliner Ausbildungsumlage ein
In der öffentlichen Diskussion und Berichterstattung über die Berliner Ausbildungsumlage kursieren mittlerweile zahlreiche Mythen und Mutmaßungen, die mit den tatsächlichen Planungen und dem vorliegenden Gesetzentwurf nur wenig zu tun haben. Die für Arbeit zuständige Senatsverwaltung (SenASGIVA) hat daher ein umfangreiches Faktenblatt Ausbildungsplatzumlage und eine Liste mit oft gestellten Fragen FAQ Ausbildungsplatzumlage veröffentlicht, siehe auch Berlin.de - Berliner Ausbildungsplatzumlage
Auf ihrer gemeinsamen Klausur im Juni hatten sich die Berliner Koalitionsparteien, CDU und SPD, verständigt, einen Gesetzentwurf zur Schaffung einer Berliner Ausbildungsumlage ins Gesetzgebungsverfahren einzubringen. Gemäß der Vereinbarung im Koalitionsvertrag, soll das Gesetz inkrafttreten, wenn es nicht gelingt, im Zeitraum 31.12.2023–31.12.2025 zweitausend zusätzliche Ausbildungsverträge zu schaffen. Seit dem 2.Juli ist der der Gesetzesentwurf öffentlich.
Der DGB begrüßt diesen Schritt ausdrücklich, da die kontroverse Debatte nun endlich auf einer konkreten inhaltlichen Grundlage geführt werden kann.
► Stellungnahme/Beurteilung des DGB zum Berliner Umlagegesetz Gesetz zu Errichtung eines Ausbildungsförderungsfonds im Land Berlin. - Stellungnahme des DGB Bezirk Berlin-Brandenburg - Ausschuss Arbeit und Soziales, 13.11.2025 - Beurteilung des Gesetzentwurfs, einzelne Paragrafen |
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► Präsentation Stellungnahme DGB Ausbildungsumlage Gesetz zu Errichtung eines Ausbildungsförderungsfonds im Land Berlin. Stellungnahme des DGB Bezirk Berlin-Brandenburg - Ausschuss Arbeit und Soziales, 13.11.2025 |
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► Entwurf 02.07.2025; Ausbildungsförderungsfondsgesetz Berlin – AusbFFG BE Antrag der Fraktion der CDU und der Fraktion der SPD Gesetz zur Errichtung eines Ausbildungsförderungsfonds im Land Berlin Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen: Gesetz zur Errichtung eines Ausbildungsförderungsfonds im Land Berlin (Ausbildungsförderungsfondsgesetz Berlin – AusbFFG BE) |
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16.03.2026: Änderungsantrag der Fraktionen der CDU und der SPD
zum Antrag der Fraktionen der CDU und der SPD, Drucksache 19/2552, Gesetz zur Errichtung eines Ausbildungsförderungsfonds im Land Berlin.
Berichterstattung über die Umlage
- 13.11.2025: DGB Berlin-Brandenburg fordert Verantwortung für duale Ausbildung und die solidarische Ausbildungsplatzumlage
09.10.2025: Berliner Abgeordnetenhaus: Die Umlage ist auf dem Weg | taz.de
Brandmauer in Sachen Umlage hält – in der 1. Lesung zum Gesetzentwurf zur „Errichtung eines Ausbildungsförderungsfonds im Land Berlin“ hat nur die AfD-Fraktion gegen die Ausbildungsumlage gesprochen. Für die CDU-Fraktion wies der Abgeordnete Martin Pätzold zurecht auf Parallelen zur Mindestlohndebatte hin. Die Warnungen aus der Wirtschaft hätten sich nicht bestätigt.
- 07.10.2025: IG Metall Berlin fordert Ausbildungsplatzumlage für mehr und bessere Ausbildung!
- 07.10.2025: DGB - Endlich über Fakten reden!
- 22.05.2025: DGB übergibt Arbeitssenatorin Appell für mehr Ausbildungsplätze in Berlin
- 24.04.2025: DGB begrüßt Gesetzentwurf zur Ausbildungsumlage
- 23.04.2025: ver.di begrüßt Gesetzentwurf zur Ausbildungsplatzumlage & fordert schnelle Umsetzung
- 24.04.2025: Ausbildung stärken: IG Metall Berlin begrüßt Gesetzentwurf zur Ausbildungsplatzumlage
- 26.06.2025: Ausbildungsumlage soll kommen - EVG
10 Gründe für die Ausbildungsumlage
Die Wirtschaft braucht Fachkräfte, und diese Fachkräfte müssen ausgebildet werden. Das kostet Geld.
Bisher werden diese Kosten allein von den Betrieben geschultert, die sich für die Ausbildung junger Menschen engagieren.
Von dem ausgebildeten Nachwuchs profitieren aber alle Arbeitgeber.
Eine Ausbildungsumlage setzt deshalb auf die gemeinschaftliche Finanzierung. In Kurzform funktioniert das so: Alle Arbeitgeber zahlen etwas in einen öffentlich-rechtlich verwalteten Fonds ein. Wer ausbildet, bekommt einen Teil seiner Kosten aus dem Fonds erstattet, wer nicht ausbildet, beteiligt sich durch seine Abgabe zumindest finanziell an der Ausbildungsleistung der anderen. Das schafft einen gerechten Ausgleich zwischen ausbildenden und nicht ausbildenden Betrieben.
Doch das ist nicht der einzige Vorteil einer Ausbildungsumlage.
Es gibt noch viele mehr:
Chancengleichheit
Die Ausbildungsumlage trägt dazu bei, dass alle Jugendlichen, unabhängig von ihrer sozialen oder wirtschaftlichen Herkunft, Zugang zu einer fundierten Ausbildung erhalten. Dadurch wird sichergestellt, dass jeder die gleichen Möglichkeiten hat, seine Fähigkeiten zu entwickeln und einen erfolgreichen Start ins Berufsleben zu finden.
Entlastung kleiner Unternehmen
Die finanzielle Belastung durch die Ausbildung kann für kleine und mittelständische Unternehmen erheblich sein. Eine Ausbildungsumlage sorgt dafür, dass die Kosten über alle Unternehmen solidarisch verteilt werden, was insbesondere den kleineren Betrieben hilft, gleichwertige Ausbildungsangebote ohne finanzielle Überforderung bereitzustellen.
Steigerung der Zahl der Ausbildungsplätze
Durch die Einführung der Ausbildungsumlage werden Anreize geschaffen und finanzielle Mittel bereitgestellt, die dazu beitragen, mehr Ausbildungsplätze zu schaffen. Dies führt zu einem wettbewerbsfähigen Ausbildungsmarkt, der sowohl den Bedarf an Fachkräften deckt als auch Jugendlichen mehr Möglichkeiten bietet.
Verbesserung der Ausbildungsqualität
Die Mittel, die durch die Umlage generiert werden, können auch gezielt in Programme und Initiativen investiert werden, die die Qualität der Ausbildung verbessern. Dadurch wird sichergestellt, dass die Ausbildungsinhalte aktuell, praxisnah und auf die Bedürfnisse des Arbeitsmarktes abgestimmt sind.
Sicherung des Fachkräftenachwuchses
Die Ausbildungsumlage sorgt dafür, dass Unternehmen auch in Zukunft über die notwendigen Fachkräfte verfügen können. Indem mehr junge Menschen in relevanten Berufen ausgebildet werden, wird die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen gesichert und der Fachkräftemangel in verschiedenen Branchen aktiv bekämpft.
Reduzierung von Jugendarbeitslosigkeit
Durch die Schaffung zusätzlicher Ausbildungsplätze wird die Jugendarbeitslosigkeit signifikant gesenkt. Junge Menschen erhalten bessere Perspektiven und Chancen auf dem Arbeitsmarkt, was zu einer stabileren sozialen und wirtschaftlichen Lage in der Gesellschaft führt.
Transparente Finanzierung
Eine Ausbildungsumlage schafft eine klare und nachvollziehbare Finanzierung von Ausbildungsplätzen. Dies erhöht das Vertrauen aller Stakeholder – von Jugendlichen über Unternehmen bis hin zu Bildungseinrichtungen – in das Ausbildungssystem und seine Fairness.
Stärkung der sozialen Verantwortung
Betriebe, die zur Ausbildung beitragen, zeigen Engagement und soziale Verantwortung. Sie erkennen die Bedeutung der Förderung junger Talente und leisten aktiv einen Beitrag der Zukunftsfähigkeit unserer Wirtschaft und zum gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Bessere Vernetzung von Unternehmen und Schulen
Die Einführung der Umlage kann genutzt werden, um die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen und Bildungseinrichtungen weiter fördern. Dies ermöglicht praxisnahe Ausbildung und bereitet die Schüler*innen auf die Anforderungen des Arbeitsmarktes vor.
Langfristige Gesellschaftsinvestition
Die Finanzierung der Ausbildung ist eine nachhaltige Investition in die Zukunft der Gesellschaft und der Wirtschaft. Durch die Förderung einer gut ausgebildeten Jugend wird ein stabiler und prosperierender Arbeitsmarkt geschaffen, der den Herausforderungen der Zukunft gewachsen ist.
Umfrage zur Ausbildung aus Sicht von Jugendlichen und Auszubildenden gestartet
Die Umfrage richtet sich sowohl an aktuelle Bewerber*innen (Schüler*innen, Altbewerber*innen, etc.) als auch an Auszubildende und ihre Erfahrungen aus dem Bewerbungsprozess und wird von gks-consult durchgeführt, siehe dazu die dazugehörige Info-Seite*.
*Die Umfrage zur Ausbildung aus Sicht von Jugendlichen und Auszubildenden ist inzwischen durchgeführt worden und wird ausgewertet.
Die Ergebnisse werden im Rahmen einer Presekonferenz am 29.08.2025 vorgestellt.
„In der politischen Diskussion um die Ausbildungsumlage wird bisher vor allem über Zahlen, Kosten und Interessen der Unternehmen gesprochen – aber fast nie mit den Jugendlichen selbst. Diese Lücke schließen wir jetzt.“, erklärt die stellvertretende DGB-Bezirksvorsitzende, Nele Techen, den Anlass der Umfrage.
Besser mit Tarifvertrag, auch in der Ausbildung
Einmal im Jahr veröffentlicht das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung Zahlen zur Entwicklung tariflicher Ausbildungsvergütungen in ausgewählten Branchen.
Die Bilanz für 2024 ist erfreulich, nach einer erneut kräftigen Erhöhung der tarifvertraglichen Ausbildungsvergütungen im Ausbildungsjahr 2024/25 gibt es nur noch sehr wenige Branchen, in denen Auszubildende im ersten Jahr laut Tarifvertrag weniger als 1.000 Euro im Monat erhalten.
Voraussetzung ist allerdings, dass der Ausbildungsbetrieb tarifgebunden ist … Pressemeldung: Tarifvertragliche Ausbildungsvergütungen - Hans-Böckler-Stiftung
Mismatch, Ghosting, Absagen
Jugendliche erleben Frust bei Ausbildungssuche
Berlin, 29. August 2025 – Die Suche nach einem Ausbildungsplatz in Berlin ist für viele Jugendliche mit Barrieren, Unsicherheiten und Frust verbunden. In einer aktuellen Umfrage im Auftrag des DGB Berlin-Brandenburg berichten 58 Prozent der Teilnehmenden, dass sie auf Bewerbungen überhaupt keine Rückmeldung erhalten haben. 41 Prozent schildern Diskriminierungserfahrungen in Auswahl- und Bewerbungsverfahren. Zudem bemängeln die Befragten ein unzureichendes Angebot an qualitativ guten Ausbildungsplätzen. Eine solidarisch finanzierte Ausbildungsumlage wird daher von einer breiten Mehrheit der rund 500 befragten jungen Menschen unterstützt. Der DGB appelliert an Politik und Wirtschaft, die Stimmen junger Menschen ernst zu nehmen: Es brauche nicht nur mehr Ausbildungsplätze, sondern bessere Bedingungen und faire Chancen auf eine gute Ausbildung für alle.
Für den DGB ist klar: „Diese Umfrage zeigt: Der Mismatch bei der Ausbildungsplatzvergabe ist ein strukturelles Problem. Viel zu wenig Betriebe engagieren sich in der betrieblichen Ausbildung. Nur jedes zehnte Unternehmen bildet aus, neunzig Prozent ziehen sich aus ihrer Verantwortung zurück und überlassen es den Mitbewerbern, für die Fachkräfte von morgen zu sorgen. Das muss sich ändern. Ausbildung ist eine gemeinsame Aufgabe der gesamten Wirtschaft, die hier Verantwortung übernehmen muss. Die solidarische Ausbildungsumlage – ob als tarifliche, branchenspezifische Lösung oder aber als gesetzliche Umlage für alle übrigen – ist dafür das geeignetste Instrument, das die Kosten der Ausbildung gerecht verteilt“, erklärt Nele Techen, stellvertretende Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg.
Die Unternehmen haben aber auch noch in einem weiteren Bereich Verantwortung, unterstreicht Studienautorin Gwendolyn Stilling: „Wer sucht, findet oft keine passende Ausbildung und wer findet, fühlt sich nicht immer willkommen. Junge Menschen wollen in Ausbildung, aber zu viele Betriebe lassen sie einfach abblitzen. Das ist respektlos und verschärft den Fachkräftemangel. Wenn Unternehmen klagen, dass sie keine geeigneten Bewerber*innen finden, liegt das mitunter auch am Umgang mit den potenziellen Auszubildenden“, sagt Gwendolyn Stilling, Autorin der Studie (GKS Consult - Gesellschaft für Kommunikation und Soziales). Hier seien die Unternehmen gefragt, ihre Bewerbungsprozesse kritisch zu überprüfen und neu auszurichten.
Auch die Jugendlichen selbst haben eine klare Botschaft: "Trotz großen Interesses vieler Jugendlicher, nach der Schule eine Ausbildung zu beginnen, werden wir oft alleine gelassen und fühlen uns in unseren Bedürfnissen nicht ernst genommen. Gerade in der Zeit des Fachkräftemangels kann es nicht sein, dass wir auf dem Weg von der Suche bis hin zur Ausbildung großen Hürden ausgesetzt sind. Nur wenn wir gemeinsam an einem Strang ziehen und unsere Stimme gehört wird, kann der Mangel an Fachkräften wirksam bewältigt werden. Es braucht eine Ausbildungsumlage", sagt Orcun Ilter, Vorsitzender des Landesschülerausschusses Berlin.
Die Online-Umfrage wurde von GKS Consult - Gesellschaft für Kommunikation und Soziales im Auftrag des DGB Berlin-Brandenburg im Zeitraum 30. Juni bis 31. Juli 2025 durchgeführt. Insgesamt haben fast 500 Jugendliche und junge Erwachsene teilgenommen. Die Umfrage wurde durch qualitative Interviews ergänzt.
Weitere Informationen erhalten Sie auch unter Berliner Ausbildungsumlage | DGB Bezirk Berlin-Brandenburg.
Der vollständige Ergebnisbericht steht hier als PDF zum Download bereit: GKS_Ergebnisbericht-DGB-Umfrage.pdf
Kontaktpersonen für Nachfragen:
Nicole-Babett Heroven, Pressesprecherin | Gwendolyn K. Stilling, Studienautorin
| Orcun Ilter, Landesschülersprecher Berlin |
Hintergrund zur DGB-Schüler*innen-Umfrage in Berlin:
„Ausbildungssuche – was Jugendliche wirklich erleben“
Simone M. Neumann
wird bisher vor allem über Zahlen, Kosten und Interessen der Unternehmen gesprochen – aber fast nie über die Jugendlichen selbst. Diese Lücke schließen wir jetzt.
Worum geht’s?
Der DGB Berlin-Brandenburg startete am 30.06.2025 eine Online-Umfrage unter Berliner Schüler*innen und Auszubildenden zur Ausbildungssuche. Es ging darum, wie Jugendliche ihre Ausbildungssuche erleben – und was sie sich von Politik, Schulen und Unternehmen erwarten. Ziel war es, die Erfahrungen und Perspektiven junger Menschen in die politische Debatte zur Ausbildungsförderung – insbesondere zur Ausbildungsumlage – einzubringen.
Warum jetzt?
- Die Diskussion um die Ausbildungsumlage wird bislang einseitig aus Unternehmenssicht geführt.
- Die IHK Berlin kritisiert die Umlage als bürokratisch und ineffizient.
- Die Betroffenen – junge Menschen auf Ausbildungssuche – kommen kaum zu Wort.
- Der DGB will diese Leerstelle sichtbar machen und fordert eine gerechte, solidarische Perspektive.
Was wird gefragt?
- Welche Wünsche und Anforderungen haben junge Menschen an eine gute, attraktive Ausbildung?
- Welche Erfahrungen machen sie mit der Berufsorientierung und bei der Ausbildungssuche?
- Wo sehen sie Hindernisse – und welche Unterstützung wünschen sie sich?
Die Umfrage richtete sich an Schüler*innen ab Klassenstufe 9 an Berliner Schulen und Berliner Auszubildende.
Was passiert mit den Ergebnissen?
- Auswertung und Veröffentlichung der Ergebnisse im Spätsommer 2025
- Fließt in die politische Arbeit des DGB auf Landesebene ein