Deutscher Gewerkschaftsbund

04.03.2012

Band für Mut und Verständigung: Preisträger 1994 bis 2012

Kurzbiografien der Preisträger

2012

PreisträgerInnen

Aktionsbündnis Cottbuser Aufbruch

Ende der 90er Jahre nahm die fremdenfeindliche Stimmung in Cottbus immer mehr zu, es kam vermehrt zu rassistischen Übergriffen. Engagierte Cottbuser/innen organisierten daraufhin Sparziergänge gegen rechts. Tausende machten mit. Um dauerhaft für Offenheit in den Köpfen der Menschen sorgen, wurde 1999 das Aktionsbündnis Cottbuser Aufbruch gegründet, welches mittlerweile ein wichtiger Akteur in der Stadt ist. Das Bündnis versteht sich als Kommunikationsplattform über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg.

Die Neonazis sind auch heute noch aktiv in Cottbus. Die NPD sitzt im Stadtparlament und versucht gemeinsam mit freien Kameradschaften verstärkt, den öffentlichen Raum zu besetzen. Pöbeleien und Bedrohungen gegenüber ausländischen Student/innen und linken Jugendlichen gehören zum Alltag. Und doch hat sich seit der Gründung des Aktionsbündnisses vieles verändert in Cottbus. Bildungsministerin Martina Münch, eines der Gründungsmitglieder spricht von einem „großen Wandel in der Gesellschaft.“ Die Bürger/innen haben ein neues Bewusstsein entwickelt. Für die meisten von ihnen ist es mittlerweile ein Bedürfnis, sich gegen Nazis zu engagieren. Den Versuchen der Rechten, Angst und Unsicherheit in Cottbus zu verbreiten, treten sie immer entschiedener entgegen. Der Cottbuser Aufbruch spielt hier eine wichtige Rolle, indem er alle gesellschaftlichen Kräfte an einen Tisch bringt. Gemeinsam rufen sie zu Demonstrationen auf, veranstalten Kulturprogramme und leisten Aufklärungsarbeit. Dabei gelingt es den Akteur/innen des Cottbuser Aufbruchs immer wieder zu zeigen, dass Cottbus vielfältig und bunt ist und Nazis hier keinen Platz haben.

Tannaz Bidary und Patrick Kizito

Hennigsdorf im Landkreis Oberhavel sorgte im Juni 2011 für Schlagzeilen. Der Grund: ein Hungerstreik im Hennigsdorfer Asylbewerberheim - Flüchtlinge boykottierten die ihnen ausgehändigten Wertgutscheine. Sie demonstrierten damit gegen eine menschenunwürdige Praxis, deren einzige Wirkung es ist, Menschen systematisch auszugrenzen und ihnen die gesellschaftliche Teilhabe vorzuenthalten. Dass diese Problematik in Hennigsdorf mittlerweile öffentlich wahrgenommen wird, ist besonders Tannaz Bidary und Patrick Kizito* zu verdanken, die den Protesten Gesicht und Stimme verliehen. Gemeinsam organisierten sie die Veranstaltungen, sorgten für den Zusammenhalt der Flüchtlinge untereinander, stellten Kontakte zur Hennigsdorfer Bevölkerung her und schafften es, die öffentliche Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken. Sie versuchten unermüdlich Brücken zu bauen, um deutlich zu machen, dass es um eine gemeinsame Verbesserung der Gesellschaft geht und nicht um einen Kampf gegeneinander. Ihre eigene unsichere Aufenthaltssituation änderte an diesem Engagement nichts.

Neben Oberhavel geben kaum noch Landkreise in Brandenburg Gutscheine an Flüchtlinge aus. Den regierenden Landrat interessiert das wenig. Weder die zwei Kreistags-Entscheidungen, noch ein Runderlass des Potsdamer Sozialministeriums zugunsten der Bargeldregelung konnten daran bisher etwas ändern. Stattdessen beruft sich der Landrat auf geltendes Bundesrecht, nachdem Asylbewerbern vorrangig Sachleistungen zu gewähren sind. Das heißt: monatlich 160 Euro pro Person in Form von Gutscheinen, zusätzlich 40 Euro Bargeld. Eingekauft werden kann nur in bestimmten Läden. Dinge, die es dort nicht gibt, wie Fahrscheine für die Bahn oder Schulsachen müssen von den 40 Euro bezahlt werden.

*Tannaz Bidary flüchtete vor fünf Jahren mit ihrem Mann und den zwei Kindern aus dem Iran nach Deutschland. Seit drei Monaten verfügt die Familie über einen vorläufig befristeten Aufenthaltsstatus. Patrick Kizito kam vor zwei Jahren aus Kenia in die Bundesrepublik. Da er hier nur geduldet ist, muss er auch weiterhin mit Wertgutscheinen einkaufen. Er reichte Klage gegen den Landkreis Oberhavel ein.

Bündnis Neukölln / Neuköllner Falken

In den letzten Jahren nahmen die propagandistischen und teilweise gewalttätigen Aktivitäten einzelner und organisierter Rechtsextremisten in Berlin Neukölln dramatisch zu. Vor allem in Nord-Neukölln werden seit 2009 immer wieder alternative Projekte zum Ziel von Neonazis. Der Tod von Menschen wird dabei billigend in Kauf genommen. So auch im Juni 2011, als auf das Anton-Schmaus-Haus der Falken in Britz ein Brandanschlag verübt wurde. In den Tagen danach wurden weitere Einrichtungen in Nord-Neukölln beschmiert und angegriffen.

Um dieser Entwicklung entgegenzutreten, gründete sich im Sommer 2009 das Bündnis Neukölln: Miteinander für Demokratie, Respekt und Vielfalt. Es versteht sich als Plattform der Information und Aktion gegen Rechtsextremismus und ist ein Zusammenschluss von Organisationen, Unternehmen, privaten und bezirklichen Einrichtungen sowie Einzelpersonen. Gemeinsam mobilisieren sie breite Bevölkerungsschichten, vernetzen Akteur/innen, organisieren Proteste und Sensibilisierungskampagnen und entwickeln öffentliche Aktionsformen gegen rassistische Ideologien. Die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen ist dabei von besonderer Bedeutung. Einen entscheidenden Beitrag leistet hier der Kinder- und Jugendverband Neuköllner Falken, der sich seit vielen Jahren unermüdlich für Toleranz und Verständigung einsetzt und dabei großen Mut beweist. Neben der ehrenamtlichen Betreuung von Kindern und Jugendgruppen, führen die Falken zusammen mit Neuköllner Schulen Projekttage für Toleranz und gegen Rassismus durch und organisieren regelmäßig interkulturelle Begegnungen. Immer wieder wurden sie dafür von Rechtsextremisten bedroht und verleumdet. Im Internet wurde offen zur Gewalt gegen sie aufgerufen. Im Juni 2011 erreichten die Bedrohungen eine neue Dimension, die in dieser brutalen Form niemand erwartet hatte: Rechtsextremisten verübten einen verheerenden Brandanschlag auf das Anton-Schmaus-Haus. Es war reiner Zufall, dass in dieser Nacht keine Kindergruppen dort übernachteten. Am 9. November 2011, kurz vor der bevorstehenden Wiedereröffnung folgte der zweite Brandanschlag auf die Einrichtung. Doch die Neuköllner Falken ließen sich auch dadurch nicht unterkriegen. Mit viel Mut und Energie bauten sie ihr Haus wieder auf und setzen im Bündnis Neukölln gemeinsam mit anderen Akteur/innen ihre Arbeit für Demokratie und Toleranz fort.

 

SonderpreisträgerInnen

Josefine Markarian

Josefine Markarian ist Schülerin der Voltaire-Gesamtschule Potsdam. Während ihrer Schulzeit beschäftigte sie sich im Rahmen des Stolpersteinprojektes mit dem Leben der in Potsdam lebenden jüdischen Mitbürger/innen. Im Ergebnis der Recherche Potsdamer Schüler/innen konnten in Potsdam bisher 22 Stolpersteine verlegt werden. Die Schicksale Potsdamer Einwohner beschäftigten Josefine Markarian auch weiterhin. Neben dem Kontakt, den sie zu den Nachfahren hält, bietet sie seit Herbst 2011 unter dem Titel „Geschichten von Potsdams verlorenen Nachbarn“ Führungen zu den Potsdamer Stolpersteinen an und erzählt dabei die Lebensgeschichte ehemaliger jüdischer Nachbarn. An allererster Stelle stehen dabei die Würdigung und das Gedenken der Schicksale. Josefine Markarian möchte mit den Führungen Verständnis wecken für diese Menschen und die vielen Ängste und Qualen, die sie durchleiden mussten. Anhand von Einzelschicksalen soll die Zeit des Nationalismus so vor den Augen der Teilnehmer/innen wieder lebendig werden.

Die Führungen finden mitterlweile auch über die Grenzen Potsdams hinaus große Beachtung. Es kommen immer mehr Anfragen von Interessent/innen, darunter auch Schülergruppen aus Israel. Als eine weitere Offerte werden die Führungen jetzt auch im Zusammenhang mit der Ausstellung „Synagogen im Land Brandenburg – Eine Spurensuche“ in Zusammenarbeit mit dem Haus der Brandenburg-Preußischen Geschichte durchgeführt.

Jugendband „Hightek Music“

Die Band besteht aus vier Schülern zwischen 20-21 Jahren des Oranienburger Georg-Mendheim OSZ, die sich mit ihrer Musik seit zwei Jahren aktiv gegen Rassismus und Rechtsextremismus und für Demokratie und Integration einsetzen. Im Jahr 2010 haben sie mit Hilfe des OSZ, dem LK Oberhavel, der Nordbahn Gemeinden mit Courage, der Amadeu-Antonio-Stiftung und dem Land Brandenburg eine CD produziert, die den Erhalt und Ausbau demokratischer Strukturen unterstützt und sich gegen Rassismus und politische Unterdrückung ausspricht. Die zehn Songs haben sie selbst komponiert. Die CD diente dem guten Zweck und wurde kostenlos an Berliner und Brandenburger Oberschulen verteilt. Bei einem Konzert im Rathaus Birkenwerder stellten die vier Schüler ihre CD erstmals vor, anwesend war dabei auch Udo Voigt von der NPD. Wenige Tage später bekamen zwei der Schüler unbekannte Drohanrufe aus der rechten Szene. Der Vorfall spitzte sich soweit zu, dass ihnen Polizeischutz angeraten wurde. Davon ließen sie sich jedoch nicht einschüchtern und gaben weiterhin Konzerte. Die Aufklärung der jungen Generation sehen die vier Musiker als eines ihrer wichtigsten Ziele an.

 


2011

PreisträgerInnen

Ursula Nikitenko

ist in Bernau bei Berlin als Brückenbauerin zwischen der einheimischen und der zugewanderten russischsprachigen Bevölkerung sehr bekannt. Die diplomierte, vereidigte Dolmetscherin, die 21 Jahre lang in der damaligen Sowjetunion lebte, spricht fließend russisch. Für viele Zuwanderer, die in den vergangenen Jahren aus Russland und den russischsprachigen Nachbarländern in die Bundesrepublik kamen, stellt die Sprache oft ein wirkliches Integrationshindernis dar, weshalb Frau Nikitenko sie regelmäßig im Bernauer Stadtteilzentrum Süd oder von zu Hause aus bei Übersetzungsproblemen, u. a. bei Arzt- oder Ämterterminen unterstützt. Ein besonderes Anliegen ist ihr, dass die Zuwanderer in Bernau heimisch werden, wobei sie interkulturellen Aktivitäten eine besondere Bedeutung beimisst. So setzt sie sich als aktives Mitglied des Niedernbarnimer Kulturbundes e.V. mit unermüdlicher Energie für die Einbeziehung der russischsprachigen Zuwanderer ein. Geschätzt wird Frau Nikitenko auch im Bernauer Netzwerk für Toleranz und Weltoffenheit, in dem sie sich ebenfalls für ein stärkeres Zusammengehörigkeitsgefühl zwischen Einheimischen und Zugewanderten engagiert.

Aktionsbündnis „Neuruppin bleibt bunt“

Am 1. September 2007, den Weltfriedenstag, planten Neonazis eine Demonstration durch Neuruppin. Viele Einwohner/innen der Stadt wollten das nicht einfach hinnehmen, weshalb sie das Aktionsbündnis „Neuruppin bleibt bunt“ gründeten und innerhalb kürzester Zeit über 1000 Menschen zu einer Gegendemonstration mobilisierten. Seit nunmehr fast vier Jahren tritt das Aktionsbündnis, zu dem rund 20 Personen im Alter von 17 bis 70 Jahren gehören, mit verschiedenen Aktivitäten für Demokratie und Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit und Neofaschismus ein. Die Mitglieder kommen aus Parteien, der kirchlichen Jugend – und Gemeindearbeit, dem autonomen Jugendwohnprojekt „Mittendrin“ oder sind als Einzelpersonen in dem Aktionsbündnis vertreten. Mit ihren Aktivitäten wollen sie u. a. erreichen, dass die Vielfalt im Gemeinwesen erhalten bleibt, öffentliche Aktionen von Rechtsextremisten verhindert werden und die Erinnerungen an die Verbrechen der Nazizeit nicht verloren gehen. Sie sorgen dafür, dass sensible Daten im Jahreslauf nicht mehr von den Rechten, sondern mit antifaschistischen, demokratischen Aktivitäten besetzt werden.

Dirk Stegemann

liegt besonders die Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der deutschen Geschichte am Herzen. Vor vier Jahren sorgte er deshalb dafür, dass der „Zug der Erinnerung“, mit dem auf die Schicksale der Kinder, die von der Deutschen Reichsbahn in Vernichtungslager deportiert worden, auch auf Berliner Bahnhöfen haltmachte. Die Ausstellung im Jahr 2007 besuchten über 50.000 Menschen, es kam zu teilweise sehr bewegenden Momenten.

Der Erfolg dieser Aktion bestärkte Dirk Stegemann in dem Gedanken, dass geschichtliche Aufarbeitung auch wichtig ist, um gegen heutige Ausgrenzungstendenzen vorzugehen. Das ehemalige Arbeitshaus für „Asoziale“ in Rummelsburg ist für ihn deshalb ein besonderer Ort des Gedenkens. Sogenannte „Asoziale“ wurden hier während der Nazizeit gemeinsam mit Sinti und Roma, Homosexuellen und Juden untergebracht und zur Arbeit gezwungen. Da diese Gruppe bis heute kaum in der deutschen Erinnerungsarbeit vorkommt, setzt sich Dirk Stegemann gemeinsam mit anderen Einzelpersonen und Initiativen mit hohem Engagement dafür ein, dass hier ein würdiges Gedenken an diese Menschen möglich wird.

Aus der Geschichte lernen, um aktuelle Entwicklungen zu verstehen, heißt auch, sich mit der Zunahme des Rechtspopulismus in ganz Europa, welcher spätestens mit der Gründung von „Pro Deutschland“ und der aufkommenden Islamismusdebatte auch in der Bundesrepublik an Bedeutung gewann, auseinanderzusetzen. Im Mai 2009 gründete Dirk Stegemann aus diesem Grund zusammen mit verschiedenen Initiativen, Migrantenselbstorganisationen, Gewerkschaften und Einzelpersonen das Berliner Bündnis „Rechtspopulismus stoppen!“, das sich zum Ziel gesetzt hat, über die wirklichen Ziele und Inhalte rechtspopulistischer Parteien und Organisationen aufzuklären und gegen deren Aktivitäten in Berlin zu mobilisieren.

Sonderpreisträger

ASV-Moabit Basketball Club

Der ASV-Moabit Basketball Club existiert seit Januar 2010 und bietet über die sportlichen Erfolge hinaus im Bereich der interkulturellen Jugendarbeit und Gewaltprävention überdurchschnittliches Engagement auf. In Moabit, dem Vereinssitz, sind die sozialen Verhältnisse oftmals von Armut und Perspektivlosigkeit geprägt, wovon besonders Kinder und Jugendliche betroffen sind. Gewalt dient hier häufig als Mittel der Wahl, um Konflikte zu lösen. An dieser Stelle setzt der Basketball-Club an und versucht, seinen jungen Mitgliedern über den Vereinssport und seine sozialen Kontakte eine Alternative aufzuzeigen und nach innen und außen klare Maßstäbe zu setzen. Der Verein zählt 170 Mitglieder aus 50 verschiedenen Nationen. Entscheidend sind neben Teamgeist und Fairness, dass ethnische und religiöse Fragen bezüglich des Umgangs miteinander keine Rolle spielen. Seit 2010 laufen parallel zu den sportlichen Aktivitäten Projektreihen, die diese Haltung verdeutlichen: z. B. „Gib Gewalt einen Korb“. Für 2011 plant der ASV-Moabit Basketball Club die Projektreihe „ASV goes history“. Der gesellschaftlichen Verantwortung der Jugendlichen bewusst, hat der Verein sich entschlossen, mit den Jugendlichen Orte besonders historischer Relevanz, wie z. B. die Gedenkstätte Sachsenhausen zu besuchen.

 


2010

PreisträgerInnen

Bündnis gegen Rechtsextremismus Wittstock und Umgebung

Wittstock geriet zwischen 1999 und 2001 mehrfach in die Schlagzeilen. Ein Dönerimbiss brannte, Geschäfte von Vietnamesen wurden zum Ziel von Anschlägen und schließlich wurden auch Menschen angegriffen. Eines der Opfer erlag seinen schweren Verletzungen. Im Jahr 2001 gründete sich daraufhin das „Bündnis gegen Rechtsextremismus Wittstock und Umgebung“, welches bis heute durch zahlreiche Aktionen und stetiges Wirken auf sich aufmerksam macht.

Eingebunden in dem Bündnis sind zahlreiche Bürger der Kleinstadt, aber auch viele Organisationen und Institutionen, wie z. B. die Wittstocker Polizeiwache und der Leiter des Truppenübungsplatzes Kulmühle. Ihr Ziel ist es, jegliche Aktivität von Rechtsgesinnten in der Stadt Wittstock zu verhindern, sei es durch gezielte Gegenaktionen oder durch Störungen auf ganz legitime Art. Ein Beispiel hierfür ist die „KEHRAUS“-Aktion des letzten Jahres, als 100 Bürgerinnen und Bürger mit Besen ausgerüstet den Marktplatz von braunem Müll reinigten, nachdem die rechtsextreme Szene einen Aufmarsch zu Ehren Rudolf Heß angekündigt hatte.

FC Internationale Berlin 1980 e.V.

Gegründet vor 30 Jahren, stellt der Verein FC Internationale Berlin heute die meisten Teams in Tempelhof-Schöneberg. Spielerinnen und Spieler aus 38 verschiedenen Nationen und aus allen Altersgruppen trainieren hier zusammen. Die Trainer sind alle ehrenamtlich tätig und auch die Spieler erhalten kein Geld. Sportlich gesehen ist der Verein längst im oberen Berliner Drittel angekommen, Tendenz steigend. Neben dem sportlichen existierte von Anfang an das politische und soziale Engagement des Vereins. So traten die Spieler immer wieder für Frieden und Toleranz sowie gegen Diskriminierung, Rassismus und Gewalt ein. Anstelle von Werbung spielen die Teams mit dem Aufdruck NO RACISM auf den Trikots. Gegenseitiger Respekt und Verständigung sind wichtige Themen der Vereinsarbeit.

Der Name FC Internationale ist hier Programm, wobei sich der Verein insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit durch sein hohes Engagement auszeichnet. Im Laufe der letzten acht Jahre wurden Kooperationen mit sechs Schulen aufgebaut, 2003 wurde der Verein zum Integrationsstützpunkt. Dem Verein ist es ein besonderes Anliegen, Normalität zu vermitteln. „Berlin ist eine multikulturelle Stadt und genau das wollen wir widerspiegeln.“

Potsdamer Integrations- und Schulgarten am Schlaatz

Vor 10 Jahren gründeten MigrantInnen mit Unterstützung des Brandenburgischen Kulturbundes unter dem Motto „Wurzeln schlagen in der Fremde“ den Integrations- und Schulgarten am Schlaatz. Das 3000 qm große ehemalige Schulgartengelände wurde seitdem von seinen mittlerweile circa 40 Mitgliedern in ein kleines Paradies mitten in der Stadt verwandelt. Sie sind, wie sie selber sagen, eine „bunte Truppe“. Familien aus 13 verschiedenen Nationen, u. a. aus Litauen, Ungarn, Rumänien, Russland, Kosovo, Afrika und natürlich Deutschland verfügen hier über ihr eigenes kleines Stück Land, auf dem sie ein Stück Heimat pflanzten.

Mit dem Potsdamer Integrations- und Schulgarten ist für die Menschen ein Ort entstanden, wo immer jemand da ist, mit dem man seine Sorgen und Freuden teilen kann. Zusätzlich ist der Garten ein „Schulzimmer für die deutsche Sprache“, ein Ort, an dem sich Deutsch eingängiger vermittelt als auf der Schulbank. Für die Schüler der benachbarten Grundschule sind die interkulturellen Gärtner wiederum Lehrende, unter deren Anleitung sie lernen, wie man sät, pflanzt und erntet. Gleichzeitig erfahren sie ein Stück über die Heimat der Gärtner. In den letzten drei Jahren ist der Garten mehrfach das Ziel von Brandanschlägen und Vandalismus geworden. Beim letzten Mal hinterließen die Täter Hakenkreuzschmierereien, gefasst wurden sie nie.

SonderpreisträgerInnen

Initiative gegen Rechts Friedrichshain

Die Initiative gegen Rechts Friedrichshain gründete sich im Jahr 2006, nachdem öffentlich bekannt wurde, dass laut polizeilicher Statistik die häufigsten Übergriffe mit rechtsextremen Hintergrund in Friedrichshain stattfanden. Seitdem engagiert sich die Initiative in vielfältiger Weise für ein tolerantes und offenes Zusammenleben und gegen Rassismus und rechte Gewalt in ihrem Bezirk. Sie führt u. a. das Register zur Erfassung rassistisch, antisemitisch und rechtsextrem motivierter Vorfälle in Friedrichshain in Zusammenarbeit der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (mbr) und der Opferberatungsstelle „ReachOut“.

Im Sommer 2009 machte die Initiative mit einer kreativen Containeraktion mobil gegen die Eröffnung eines „Thor Steinar“ -Ladens in Friedrichshain, indem sie einen „Infocontainer für Vielfalt und Demokratie“ in einer Parkbucht direkt vor dem Laden platzierte. Sie initiierte außerdem zahlreiche Veranstaltungen und Vernetzungsrunden, in denen z. B. Gewerbetreibende über Möglichkeiten des demokratischen Engagements informiert wurden (Broschüre „Service-Wüste für Nazis - Eine Handreichung für Gewerbetreibende.“ wurde erarbeitet, inkl. Aufkleber für Fensterscheiben und Türen des Gewerbes).

Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“

Die Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“ gründete sich im Januar 2009 mit dem Ziel, rechtsextremen und antisemitischen Tendenzen in der Stadt Zossen und den Aktivitäten der Freien Kräfte Teltow Fläming in der Region zu begegnen. Im März 2009 initiierte die Bürgerinitiative ein großes Familienfest für Toleranz, an dem mehr als 700 Menschen aus der Region teilnahmen. Danach wurde das Projekt „Haus der Demokratie“ in Angriff genommen, welches von September 2009 bis Januar 2010 zahlreichen Bildungsprojekten und sozialen Initiativen ein Dach über dem Kopf sowie eine geistige Heimat bot. Bereits wenige Tage nach der Eröffnung wurde das Haus von Unbekannten verwüstet. Durch ihre Kampagnen gegen Neonazis erhielten die Mitglieder des Bürgerbündnisses mehrfach Morddrohungen. Im Januar dieses Jahres wurde das „Haus der Demokratie“ Ziel eines Brandanschlages, wobei es vollständig niedergebrannt wurde. Obwohl erst vor einem Jahr gegründet, hat die Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“, trotz mangelnder Unterstützung von Seiten der Stadtpolitik, bereits einiges bewegen können. Das „Haus der Demokratie“ in Zossen soll wieder aufgebaut werden, seit dem Brandanschlag gingen zahlreiche Spenden von Initiativen und Privatleuten ein. Das Engagement der über fünfzig Ehrenamtlichen ist gelebte Demokratie und steht für ein Bürgerengagement wie es für eine Gesellschaft wichtig ist.

 


2009

PreisträgerInnen

Bewohnertreff „KaffeeKlatsch e.V.“

Bewohnerinnen der Wohnanlage Pallassstraße / Potsdamer Straße betreiben seit sieben Jahren ehrenamtlich den Treffpunkt „KaffeeKlatsch e.V.“ und leisten damit einen großen Beitrag zur positiven Veränderung eines ehemaligen sozialen Brennpunktes Berlins.

Allein durch ihre Präsenz konnte das Sicherheitsgefühl in dem Quartier erheblich gesteigert werden, wodurch sich auch die Mieter wieder wohler fühlten. Neben dem täglichen Cafébetrieb organisieren die Frauen des „KaffeeKlatsch“ regelmäßige Deutsch-, Näh- und Handarbeitskurse, aber auch Grillabende, Trödelmärkte und Feste.

Sandra Caspers

lebt seit 10 Jahren mit ihrer Familie in Pankow Heinersdorf, das erstmalig vor drei Jahren aufgrund eines geplanten Moscheebaus und der Reaktion der Anwohner darauf in die Schlagzeilen geriet. So gingen die Moscheegegner sehr aggressiv vor und scheuten sich auch nicht, die Unterstützung der Rechten, wie NPD und Republikaner, anzunehmen. Frau Caspers gründete daraufhin gemeinsam mit anderen die Initiative „Heinersdorf öffne dich“, die mit einer öffentlichen Plakataktion, Informationsständen, Dialogangeboten und Workshops trotz persönlicher Angriffe ein positives Zeichen FÜR Heinersdorf setzte. Kurze Zeit später initiierte Sandra Caspers eine Zukunftswerkstatt, im Nov. 2007 dann eine dreitägige Zukunftskonferenz für den Ort. Deren wichtigstes Ergebnis war die Gründung eines Bürgervereins, in dem Frau Caspers Vorstandsvorsitzende ist. Seitdem setzt sie sich mit all ihrer Energie, die ihr neben Beruf und Familie noch bleibt, für die Gestaltung Heinersdorfs und einen vernünftigen Umgang miteinander ein.

F.E.T.E. - Jugendbündnis „Für ein tolerantes Eberswalde“

gründete sich im Oktober 2007. Eine alternative Gegenkultur im politischen und kulturellen Raum sollte aufgebaut und andere Jugendliche, die häufig eher unpolitisch und schwer zu mobilisieren sind, gewonnen werden. Dafür machte F.E.T.E. Aufrufe an Eberswalder Schulen, veranstaltete Videoabende zum Thema Rechtsextremismus mit anschließender Diskussion und organisierte im Vorfeld der Kommunalwahlen Diskussionsrunden mit Kandidaten verschiedener Parteien zu jugendpolitischen Themen. 2008 veranstalteten sie die 1. „F.E.T.E. – Fete“, ein Festival mit Konzerten und Workshops, das sich an die Jugend in Eberswalde und Umgebung richtete. Die circa 12 Mitglieder des Jugendbündnisses treffen sich regelmäßig, tauschen sich über die Aktivitäten und Entwicklungen der Rechten aus und planen neue Aktionen.

SonderpreisträgerInnen

Hennigsdorfer Ausländerbeirat

wurde 1998 gegründet. Er besteht aus fünf Mitgliedern, die aus vier verschiedenen Nationen kommen. Den Schwerpunkt seiner Arbeit bildet die Vertretung der Interessen der Migranten auf der kommunalen Ebene sowie die Förderung eines gleichberechtigten Miteinanders von Einheimischen und Zuwanderern.

Mittlerweile gilt der Ausländerbeirat der Stadt Hennigsdorf als das Bindeglied zwischen der einheimischen und der zugewanderten Bevölkerung und hat durch vielzählige Projekte, Initiativen und Maßnahmen (u. a. Aufbau eines Nachbarschaftstreffs, internationales Fußballturnier, interkulturelles Weihnachtsfest) entscheidend zu einer toleranten Atmosphäre in der Stadt beigetragen.

Die Templiner Jugendinitiative und Pfarrer Ralf-Günter Schein

Templin geriet 2008 durch den von zwei Neonazis verübten Mord an einem Obdachlosen bundesweit in die Schlagzeilen. Während der Bürgermeister Templins nach der Tat feststellte, die Stadt habe kein Problem mit Rechtsextremismus, wendete sich Pfarrer Ralf-Günter Schein ganz klar gegen eine solche Verdrängung des Problem, wofür er teilweise deutliche Kritik aus Gemeinde, Bevölkerung und Stadtpolitik erfuhr. Die drei Jugendlichen Justus Blümel, Patrick Telligmann und Caroline Daun gründeten die „Templiner Jugendinitiative“ und organisierten im September 2008 ein Demokratiefest auf dem Marktplatz der Stadt unter dem Motto „Demokratie stärken – Rechtsextremismus abwehren“, welches in diesem Jahr zum 2. Mal stattfinden wird.


2008

Hauptpreisträgerinnen

Margrit Puls

Frau Puls aus Perleberg, ist seit 1994 als Sozialpädagogin im Jugend- und Migrationsdienst tätig und hilft jungen Migranten in Deutschland anzukommen, ihr Leben zu planen und zu organisieren. Sie macht das hauptberuflich, doch nach Feierabend hört ihre Arbeit nicht einfach auf. Frau Puls gilt in Perleberg als eine Person, die sich durch ein hohes persönliches Engagement für die Verständigung zwischen der zugewanderten und der einheimischen Bevölkerung auszeichnet. So bereitet sie Veranstaltungen mit deutschen und ausländischen Bürgern, wie z.B. die „Interkulturelle Woche“ vor und ist aktiv an deren Durchführung beteiligt. Sie hilft beim Aufbau von Netzwerken und sucht ständig den Kontakt zu anderen Organisationen, um den Migranten und Aussiedlern noch besser und gezielter helfen zu können.

Helga Thomé

Helga Thomé lebt seit 11 Jahren in Eberswalde. Bei der Bürgerstiftung Barnim-Uckermark arbeitet sie in dem Projekt „Kinderrechte“. Frau Thomé setzt sich nicht nur im Rahmen ihrer Arbeit für die Rechte anderer ein, auch privat beweist sie Mut und Zivilcourage, wenn jemand in Not ist und ihre Hilfe braucht. So auch am 3. Dezember 2007, als sie bei einem Angriff von vier Männern aus der rechten Szene auf einen Punk dazwischen ging und die Polizei rief, woraufhin die Täter flüchteten. Später konnten sie gefasst und mittlerweile verurteilt werden. Auch über diese Tat hinaus, ist Fr. Thomé in Eberswalde bekannt für ihr Engagement gegen Rechtsextremismus. So war sie 1998 eines der Gründungsmitglieder des Eberswalder „Netzwerkes gegen Rechts“.

Helga Boehrer

Frau Boehrer wohnt und arbeitet in Berlin-Neukölln. Seit 20 Jahren unterrichtet sie als Lehrerin an zwei Grundschulen mit mehr als 90% Kindern aus Migrantenfamilien, hauptsächlich Deutsch als Zweitsprache. Seit 16 Jahren bildet sie außerdem Lehrkräfte in DaZ-Sprachförderung und interkultureller Pädagogik fort. Mit sehr viel Energie und Ausdauer setzt sich Fr. Boehrer weit über ihre berufliche Tätigkeit hinaus für ihre Schüler, aber auch für völlig fremde Kinder ein, wenn ihre Hilfe gefordert wird. Sie achtet außerdem darauf, dass die vorgesehenen Mittel auch bei den Migrantenkindern ankommen. Das gelang nicht immer und sie machte sich damit nicht nur Freunde. Vor vier Jahren gründete sie mit über 102 Einzelpersonen und verschiedenen Organisationen die Bürgerstiftung Neukölln, in der sie sehr aktiv mitwirkt. Dazu zählt auch die mühsame, ehrenamtliche Organisation einer interkulturellen Jugendbegegnung mit der Partnerstadt Leonberg in Baden-Württemberg, wo sie Neuköllner Jugendliche aus sechs verschiedenen Schulen für eine Woche zu schwäbischen Gastfamilien brachte.

Sonderpreisträger

Netzwerk für lebendige Demokratie Oberhavel

Das Netzwerk für lebendige Demokratie Oberhavel wurde im August 2007 gegründet. Es setzt sich aus mehreren Initiativen, Foren, Kommunen, evangelischen Kirchenkreisen, Parteien, Einzelpersonen sowie der Kreisverwaltung Oberhavel zusammen. Unterstützt wird das Netzwerk vom „Handlungskonzept Tolerantes Brandenburg“ und vom LK Oberhavel. Die Mitglieder haben sich zum Ziel gesetzt, Wahlerfolge von rechtsextremen Parteien und Gruppierungen bei der Kommunalwahl im September 2008 zu verhindern sowie langfristig demokratisches Bewusstsein und Verhalten in der Bevölkerung zu fördern. Dafür wurde ein Aktionsplan erstellt und vielfältige Projekte, wie z.B. ein Schülerzeitungsseminar und ein Internetworkshop ausgearbeitet.

Hans-Rainer Harney

Herr Harney, pensionierter Pfarrer der Stadt Schwedt, war drei Jahre lang als ehrenamtlicher Ausländerbeauftragter der Stadt tätig und ist Mitbegründer des seit vier Jahren bestehenden Schwedter Bündnisses gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt. Hans-Rainer Harney übernahm darin die Funktion des Sprechers. Er ist sehr engagiert, wenn es um die Planung und Organisation der verschiedenen Aktionen des Bündnisses geht. Im Fokus steht dabei die Zusammenarbeit mit Jugendlichen, die direkt an den Schulen stattfindet. Ein neues Ziel ist das verstärkte Einbeziehen der Eltern. Hr. Harney hielt aus diesem Grund mehrmals Vorträge vor Unternehmen, in denen er über die neuen Strategien von Neonazis aufzuklären versuchte. Den derzeitigen Ausländerbeauftragten Schwedts unterstützt Hr. Harney nach all seinen Möglichkeiten.

Serge Marie Kemmo

Herr Kemmo, der aus Kamerun stammt, lebt seit vier Jahren als Asylsuchender im LK Barnim. Er engagiert sich bei Projekten und Begegnungen von zugewanderten und einheimischen Menschen, lässt sich in Kinder- und Jugendgruppen einladen und beteiligt sich seit drei Jahren an Projekten der evangelischen Jugendarbeit. Er möchte damit erreichen, dass die jungen Menschen hier mehr über das Leben in seiner Heimat erfahren, aber auch über die Bedingungen, unter denen er hier in Deutschland lebt. Herr Kemmo hat einen Rechtsanwalt in Potsdam und wurde 2006/2007 dreimal ohne Verlassenserlaubnis an Bahnhöfen in Berlin und Potsdam kontrolliert, dafür angeklagt und mit 120 Tagessätzen (insgesamt 870 Euro) Strafe belegt. Gemeinsam mit der evangelischen Jugendarbeit engagiert er sich seitdem verstärkt gegen die Residenzpflicht für Asylbewerber. Für viele Menschen in seiner Situation ist diese Form von Engagement undenkbar, doch Serge Marie Kemmo gibt sie Hoffnung. Wenn vielleicht auch nicht für seinen speziellen Fall, dann wenigstens für die Zukunft und die Asylbewerber, die nach ihm kommen werden.


2007

Hauptpreisträger

Wera Quoß

ist Mitbegründerin der Bürgerinitiative „Hennigsdorfer Ratschlag“, mit der sie sich aktiv gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit und für die interkulturelle Verständigung zwischen der deutschen Bevölkerung Hennigsdorfs und den dort lebenden Asylbewerbern/innen einsetzt. Des Weiteren tut sie, was in ihren Möglichkeiten steht, um die Lebenssituation der Migranten/innen zu verbessern und engagiert sich dabei besonders für die Kinder des Asylbewerberheimes, für die sie u.a. regelmäßige Ferienlager organisiert.

Brigade 1240,

ein Zusammenschluss verschiedenster junger Menschen aus Fürstenwalde, gründete sich im Jahr 2003 mit dem Ziel, in ihrem Landkreis etwas gegen die Verarmung der alternativen Jugendkultur zu tun und sich rechten Strömungen entgegenzusetzen. Sie gründeten den Subkulturverband für Ostbrandenburg „Bunte Subkultur“, mit dem sie zahlreiche Veranstaltungen organisierten. Im Januar 2007 gründete sich aus dem Kontext der Brigade 1240 die Anlaufstelle für Opfer rechter Gewalt (AOG), die Opfer von Übergriffen z.B. zur Polizei begleitet, Anwaltkontakte vermittelt sowie bei Gerichtsverhandlungen unterstützt.

Kazim Erdogan

engagiert sich seit vielen Jahren für die interkulturelle Verständigung besonders in seinem Heimatbezirk Berlin-Neukölln. So gründete er die „Initiative für ein noch besseres Neukölln“, in der türkische, arabische und deutsche Akademiker sozialschwache Migranten in verschiedenen Bereichen unterstützten. Des Weiteren organisierte er 2006 die „Woche der Sprache und des Lesens in Neukölln“, die mit großem Erfolg (mehr als 200 Veranstaltungen) stattfand. Sein neuestes Projekt ist eine türkische Männergruppe, die sich mit Problemen, wie z.B. häusliche Gewalt, auseinandersetzten wird. Hr. Erdogan versteht sich auch als Brückenbauer zwischen seinem Heimatdorf in der Türkei und seinen ehemaligen Bewohnern, die mittlerweile überall auf der Welt verteilt leben. So sendet er jeden Abend eine Radiosendung live über das Internet, um diese Menschen ein Stück weit zusammenzubringen.

Sonderpreisträger

Christa Schröder,

die, um einen aktiven Beitrag gegen die fremdenfeindliche Stimmung in ihrem Ort nach dem Umzug des Asylbewerberheims nach Bornstedt zu leisten, 2002 in Potsdam-Bornstedt den Singkreis „Taizé gründete. In diesem treffen sich regelmäßig (ehemalige) Bewohner des Heimes sowie Deutsche, um gemeinsam zu singen und Kontakte aufzubauen. Außerdem unterstützt Fr. Schröder die Asylbewerber, indem sie über das Kirchenblatt der Ev. Kirchengemeinden Potsdam Nord die Bevölkerung um materielle und finanzielle Spenden bittet. Auf diesem Wege organisierte sie Näh- und Waschmaschinen, Kinderbekleidung, Fahrräder sowie Gelder für Anwaltskosten, Medikamente und gemeinsame Ausflüge.

Claudia Fortunato,

13. Jahrgangsstufe am Gymnasium auf den Seelower Höhen, initiierte mit Unterstützung von zwei Mitstreitern im Mai 2006 das „Konzert gegen Rechts“. Aufgrund des großen Erfolgs wird die Veranstaltung auch in diesem Jahr wieder stattfinden. Im November letzten Jahres stellte Claudia Fortunato innerhalb von drei Tagen, gemeinsam mit ihren Unterstützern, in Seelow den „Tag der Demokraten“ auf die Beine. Diese Aktion, ein Straßenfest mit Konzerten und Redebeiträgen sowie Straßenblockaden durch die Bürger, war die Antwort auf die Verlegung des Naziaufmarsches von Halbe nach Seelow.

Lothar Priewe,

der sich sich seit vielen Jahren im Landkreis Uckermark gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit, engagiert, wobei sein Schwerpunkt auf der Arbeit mit Jugendlichen liegt. Er arbeitet im Arbeitskreis des Integrationsbeauftragten des LK Uckermark und ist darüber im aktiven Kontakt mit Schulen, aber auch Kitas, wo er Veranstaltungen und Begegnungen organisiert sowie Jugendliche dabei unterstützt, sich gegen Rechts zu engagieren.


 

2006

Hauptpreisträger

Hatun Inçe,

engagiert sich seit Jahren in Projekten und Gremien für eine Kultur der Verständigung, steht außerdem anderen Flüchtlingen als Beraterin und Dolmetscherin zur Verfügung, wirkt aktiv im Ausländerbeirat des Landkreises Barnim, im Netzwerk Integration Bernau, in der Flüchtlingsberatung, bei Nachbarschaftsprojekten sowie bei Projekten der evangelischen Jugendarbeit mit.

Ludwigsfelder Frauenstammtisch e.V.

vernetzt seit 1991 soziale Projekte und integriert in seine umfangreiche Frauenarbeit ganz selbstverständlich Migrantinnen und Aussiedlerinnen. Die Mitglieder organisieren zusammen mit anderen Projekten jedes Jahr eine „Interkulturelle Woche“, eine „Interkulturelle Weihnachts- bzw. Jahresabschlussfeier“ sowie das „Brückenfest“, den multikulturellen Höhepunkt in Ludwigsfelde.

JeP e.V. – Jugend engagiert in Potsdam,

ein Verein, dessen Ziel es ist, rechte Gewalt in Potsdam und Umgebung sichtbar zu machen, Opfern rechter Gewalt zu helfen (z.B. durch Prozessbegleitung) sowie Jugendliche über den Themenkomplex „Gewalt, Rechtsextremismus, Rassismus und Zivilcourage“ aufzuklären.

Sonderpreisträger

Der Sonderpreis wurde 2006 erstmalig verliehen, um besonders das Engagement vor allem junger Menschen im Bereich der interkulturellen Arbeit und der sozialen Verständigung zu würdigen.

Anti-Rassismus-AG der Reinhardswald-Grundschule,

26 Schüler, die sich aktiv für eine „Schule ohne Rassismus“ (SOR) einsetzen. Sie drehten zu diesem Thema auch einen Kurzfilm mit ARA-Berlin.

Sebastian Serafin,

13. Jahrgangsstufe im OSZ 1 Cottbus, wo er Foren gegen Rechts organisiert, ein Israel-Projekt betreibt und Initiator des Cottbuser Projektes „Stolpersteine“ ist. Außerdem engagiert er sich in der Jugendgruppe des „Cottbuser Aufbruchs“, einem Zusammenschluss von Bürgern und Parteien gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Cottbus.

Steve Kenner,

13. Jahrgangsstufe am Gymnasium Werder, initiierte als Schülersprecher im Novem-ber 2005 den „Aktionstag gegen rechte Gewalt“ am o.g. Gymnasium, der zu einem Höhepunkt im Schulleben wurde. Steve Kenner arbeitet außerdem im örtlichen eh-renamtlichen Bündnis „KURAGE“ mit.


2005

Ag Senegal des Gymnasiums auf den Seelower Höhen

wurde im September 2003 gegründet, schloss einen Partnerschaftsvertrag mit dem Gymnasium Lycee Moderne de Rufisque im Senegal. Im März 2004 Besuch einer achtköpfigen Delegation des Partnergymnasiums aus dem Senegal in Brandenburg.

Nicole Lüdeking

und

Jana Böttner

griffen ein, als zwei Männer einen Kenianer, der dabei mit einer Glasscherbe am Hals schwer verletzt wurde, und seinen Landsmann in der Nacht vom 18. 07.04 in Brandenburg an der Havel attackierten. Versuchten verbal auf die beiden Männer schlichtend einzuwirken, als dies nichts nützte, riefen sie die Polizei.



2004
Gerda Backhaus

hatte die Polizei und den Krankenwagen gerufen, als sie erkannte, dass eine Horde rechtsradikaler Jugendlichen Kajrat Batesov und seinen ebenfalls russisch stämmigen Freund vor ihrer Türe schwerst mißhandelten. Der 24 Jahre alte Kajrat Batesov wurde erschlagen. Gerda und Hans-Werner Backhaus hielten es für selbstverständlich, dass sie im Prozeß aussagten.

Horst Martin

setzte sich in einer vollbesetzten Straßenbahn dafür ein, dass Menschen dunkler Hautfarbe unbehelligt bleiben müssen und wurde selbst zusammengeschlagen. Der Fahrer hielt trotz Aufforderung die Straßenbahn nicht an; weder schützten die anderen Fahrgäste Horst Martin noch stellten sie sich der Polizei zur Verfügung. Nach drastischen Aufrufen in der Presse gelang es, die Täter zu finden.

Editha Kindzorra

engagiert sich seit Jahren gegen nazistische und fremdenfeindliche Tendenzen in Pankow. Viele Flüchtlingen und ehemalige Vertragsarbeiter nahm sie zunächst in ihrer Wohnung auf und vermittelte sie dann an Bekannte. Mitbegründerin der Bürgerinitiative 15 e.V. und Bürgerhaus e.V., sie ist in verschiedenen Netzwerken gegen Rechtsextremismus, Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit aktiv.


2003

Michael Kelm

setzte sich am Abend des 17.7.2002 in der Straßenbahn für bedrängte Personen ein und wurde dabei selbst zum Opfer.

Till Buchwald

der Berliner Schüler wurde im Oktober 2000 Zeuge eines Überfalls von zwei Rechtsextremen auf einen Russlanddeutschen und wurde wegen seiner Zeugenaussage im Prozess drangsaliert und verprügelt.

Stephan Neidert

wird für den Verein „Piraten e.V. – gegen Rassismus für Integration durch Toleranz“ ausgezeichnet. Im April 1998 hatten sich in Spremberg rund 20 Jugendliche zusammengefunden, um sich inhaltlich gegen Rassismus und Ausländerfeindlichkeit zu positionieren. Seitdem gab es viele Aktivitäten, u.a. zur Betreuung von Opfern rechtsextremer Gewalt und Lesungen zur Geschichte der Juden und der Sinti und Roma.


 

2002

Matthias Dix

und

Thomas Härtel

wurden Zeugen eines Angriffs von vier deutschen Jugendlichen auf zwei Afrikaner. Sie gingen dazwischen, woraufhin Thomas Härtel selbst angegriffen und verletzt wurde. Dank ihrer Zeugenaussage konnten die Täter kurze Zeit später festgenommen werden.

Pfarrer Olaf Schmidt

ist Mitbegründer des „Flüchtlingshilfskreises Seelow“, welcher sich für die Verbesserung der Lebenssituation der im Landkreis Märkisch Oderland untergebrachten Asylbewerber einsetzt. Zu den weiteren Anliegen der Initiativgruppe gehörten: die Aufklärung der Bürger in der Region zu ausländerpolitischen Fragen, die Unterstützung von Asylbewerber durch politische Aktionen und die Einzelfallunterstützung.

Florian Dieckmann

ist Mitbegründer der Gruppe "jetztWIR-Jugend.Macht.Politik" und Mitglied des "Spandauer Bündnisses gegen Rechts“. Versucht besonders dem Rassismus aus der Mitte der Gesellschaft entgegen zu wirken.


2001

Annett Noack

ist Mitbegründerin des Internationalen Jugendvereins Gubin Guben e.V., den sie seit dem letzten Jahr als Vorsitzende leitet. Sagte im sogenannten Hetzjagdprozess von Guben aus. In der Nacht der Menschenjagd auf Farid Guendoul war sie mit einem afrodeutschen Bekannten unterwegs zu einem Jugendclub. Als zwei Autos neben ihnen hielten und die Insassen ihren Begleiter und sie bedrohten, merkte Annett Noack sich die Nummernschilder. So war sie später in der Lage gegen die Jugendlichen auszusagen, die sich in derselben Nacht an der Jagd auf Farid Guendoul beteiligten. Dieser verlor dabei sein Leben.

Erdmute Orthmann

setzt sich seit etwa 20 Jahren überwiegend ehrenamtlich für Menschen nichtdeutscher Herkunft ein, insbesondere für Flüchtlinge. Vor 10 Jahren gründete sie das "Café Paula" für ausländische Frauen in Zehlendorf. Ein weiterer Schwerpunkt ist ihr Bestreben, die Lebenssituation von Kindern in Flüchtlingsheimen zu verbessern.

Katja Wolff und Lutz Wolff

Katja Wolff arbeitet ehrenamtlich für die Evangelische Kirche, organisiert dort Kultur- und Sozialveranstaltungen. Lutz Wolff, der in Gramzow einen Sportverein betreut, ist bemüht Kinder aus Asylbewerberfamilien einzubeziehen, indem er sie unter anderem auf eigene Kosten zum Training abholt und wieder zurück fährt. Er hat diese Kinder bereits mehrmals vor den Bedrohungen rechtsradikaler Jugendlicher beschützt.

Rainer Maischein

ist Lehrer am Oberlin-Seminar der ev. Landeskirche Berlin-Brandenburg, wo er Erzieherinnen und Erzieher ausbildet. Mit seinen Schülerinnen und Schülern initiiert er Projekte und Begegnungen, deren Ziel es ist, den Bezug zu Flüchtlingen, Asylbewerbern und Migranten herzustellen. Rainer Maischein begreift seine Schule als ein Forum, in dem alle Religionen und Kulturen miteinander in Diskussion treten können.


 

2000

Rainer Wunschansky

ehrenamtlicher kirchlicher Mitarbeiter aus Eisenhüttenstadt, für sein langjähriges ehrenamtliches Engagement gegen Rassismus und für Verständigung zwischen unterschiedlichen Kulturen, für seinen Einsatz beim Aufbau des Begegnungszentrums "Arche" in Eisenhüttenstadt und der Betreuung ausländischer Asylbewerber und Flüchtlinge.

Irina und Marco Ehlert

Ehepaar aus Potsdam, für beherztes und couragiertes Eingreifen in der Potsdamer Straßenbahn, als ein junger Asylbewerber aus Sierra Leone von zwei deutschen Rechtsradikalen beleidigt und bedroht wurde.

Otmar Kagerer

Steinmetz aus Berlin, für seinen schnellen und vorbildlichen Einsatz gemeinsam mit acht weiteren Steinmetzbetrieben zur kostenlosen Widerherstellung der im November 1999 auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee geschändeten Grabsteine und seinen Mut, trotz zahlreicher antisemitischer Bedrohungen und einem Anschlag auf seine Werkstatt, sich nicht einschüchtern zu lassen, sondern das Werk zu vollenden.


 

1999

Andrea Goldberg

Zugbegleiterin der DB, wohnhaft in Gröden (Brandenburg), engagiertes Verhalten bei einem Überfall auf einen russischen Jugendlichen.

Olaf Neumann, Stefan Kuntzagk, Andre Neumann, Steffen Rossius und Robert Peyko

Jugendliche aus Templin (Brandenburg), unterstützten zwei griechische Bürger gegen einen fremdenfeindlichen Angriff.

"Forum gegen Rassismus und rechte Gewalt"

Initiative von Schüler/-innen, Lehrer/-innen, Pfarrern in Oranienburg (Brandenburg), ehrenamtliches Engagement, z.B. Ausstellung zum Thema "Flucht" auf dem Antirassismustag 1998.


 

1998

Ina Berndt und Hans-Jürgen Heese

Zugbegleiterin und Lokführer der DB, wohnhaft in Belzig und Seddin (Brandenburg), engagiertes Verhalten nach einem Überfall auf einen jungen Schwarzen im Zug Berlin-Belzig.

Arne Jaitner

Student aus Berlin, half einem ausländischen jungen Mann in der Abwehr einer Bedrohung durch Jugendliche in Potsdam.

Bernhard Wengerek,

Vorsitzender eines deutsch-polnischen Fußballfanclubs in Frankfurt(Oder), ehrenamtliche Jugendarbeit gegen Rassismus, Intoleranz und Gewalt


1997

Irmela Adusei-Pokuu, (Schramm),
 

Übermalungsaktionen von ausländerfeindlichen Schmierereien.

Georg John,

Bürgermeister von Trebbin (Brandenburg).Ein Überfall auf italienische Bauarbeiter in Trebbin war der Anlaß für antirassistische Initiativen.

Hans-Jürgen Wende,

Vizepräsident beim Oberlandesgericht Brandenburg/Havel, Aufruf zum Schutz der Menschenwürde, Arbeitskreis für Zivilcourage.

 


1996

 

Lars und John Hirschfeld

Zwei 13-jährige Schüler aus Berlin, gründeten eine Initiative ”Gemeinsam für Ausländer” mit gleichaltrigen Schülern.

Dr. Reiner Stemme

Geschäftsführer eines kleinen Unternehmens in Brandenburg, wohnt in Berlin, schützte eine ausländische Frau in der S-Bahn vor einem angetrunkenen rechten Schläger.

 

1995

Mehrangis Montazami und Mohamed Dabui

Ehepaar aus dem Iran in Berlin lebend, 1993 eingebürgert, half Übergriffe von Wachschutzmännern gegen ausländische Bürger aufzuklären.

Traudel und Eberhard Vorbrodt

Ehepaar aus Berlin, langjährige, ehrenamtliche Flüchtlings- und Asylbewerberarbeit.

Initiativgruppe gegen Gewalt und Rassismus Velten (Brandenburg)

Initiativgruppe auf Anregung der ev. Kirchengemeinde und des Runden Tisches Velten Schweigemärsche, Mahnwachen, Jugendwochen.


1994

Alexandra Thiele

Schülerin aus Königs Wusterhausen, Aktion Courage und Rockkonzert für Toleranz und Demokratie.

 

 


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