Deutscher Gewerkschaftsbund

20.01.2018
DGB-Bezirkskonferenz 2018

Neu gewählte Führungsspitze des DGB Berlin-Brandenburg fordert Landesstrategien für bessere Einkommen

Bezirkskonferenz wählt neue Führungsspitze

Am heutigen Sonnabend, den 20. Januar 2018, wählten die 100 Delegierten der Bezirkskonferenz des Deutschen Gewerkschaftsbund Berlin-Brandenburg ihre neue Führungsspitze für die nächsten vier Jahre. Die seit 2010 amtierende Vorsitzende Doro Zinke war aus Altersgründen nicht wieder zur Wahl angetreten. Der neu gewählte Bezirksvorsitzende Christian Hoßbach wurde im ersten Wahlgang mit 80,7 Prozent der Stimmen gewählt. Hoßbach war bisher stellvertretender Bezirksvorsitzender. Zur neuen stellvertretenden DGB Bezirksvorsitzenden wurde Sonja Staack mit 96,6 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang gewählt. Staack war einige Jahre Mitglied im Vorstand von ver.di Berlin und arbeitete zuletzt für den GEW-Hauptvorstand.

In seiner Antrittsrede bot Hoßbach den Landesregierungen von Berlin und Brandenburg eine gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit für eine soziale Politik an. Er forderte von den Regierungen entschlossenes Eintreten für Gute Arbeit in Berlin und Brandenburg. Wörtlich sagte er in seiner Bewerbungsrede:

„Die wirtschaftliche Entwicklung in Berlin und Brandenburg ist deutlich verbessert, aber die Einkommen liegen immer noch unter dem Bundesdurchschnitt. Das muss sich ändern – durch gute Tarifabschlüsse und bessere Tarifbindung, aber auch durch eine entschlossene Politik für Gute Arbeit. Die  Landesregierungen müssen eine übergreifende und für alle Ressorts verbindliche Strategie für eine Stärkung von Arbeit und Einkommen entwickeln.“

Das gelte erst recht mit Blick auf die Veränderungen durch die Digitalisierung: „Digitalisierung wird viel zu oft auf technische Veränderungen und entsprechenden Beratungsbedarf der Unternehmen reduziert. Aber die Veränderungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer werden grundlegend – und sie sind gestaltbar. Darauf müssen sich Politik und Wissenschaft besser einstellen– die Veränderungen der Arbeitswelt sind kein Nebenthema.“

Von den Unternehmen in Berlin und Brandenburg forderte Hoßbach eine Verstärkung der Ausbildung. „In Sonntagsreden über fehlende Fachkräfte klagen, aber von Montag bis Freitag die eigene Ausbildungsleistung zurückfahren, das passt nicht zusammen,“ sagte Hoßbach.

Die neu gewählte stellvertretende Vorsitzende Sonja Staack ergänzte mit Blick auf den Öffentlichen Dienst:

„Der öffentliche Dienst muss zu einem Vorbild für gute Arbeit werden. Dazu gehört es, die Einkommenslücken zu anderen Bundesländern zu schließen, durch eine Ausbildungsoffensive und neues Personal die Überstundenberge abzubauen und auf sachgrundlose Befristung konsequent zu verzichten. Wir werden außerdem dafür streiten, dass aus öffentlichen Mitteln keine prekäre Arbeit finanziert wird. Nur so können wir eine funktionierende Verwaltung und verlässliche öffentliche Leistungen schaffen, die die Menschen in Berlin und Brandenburg zu recht erwarten.“

Zum Hintergrund:

Die alle vier Jahre stattfindende Bezirkskonferenz mit 100 Delegierten aus den Acht DGB-Mitgliedsgewerkschaften steht in diesem Jahr unter dem Motto „Wir gestalten Solidarität“. Sie dient zur personellen und inhaltlichen Weichenstellung für die kommenden vier Jahre. Der DGB Berlin-Brandenburg vertritt rund 356.000 Gewerkschaftsmitglieder in der Region.

Schwerpunkte der am Nachmittag stattfindenden Antragsberatung sind unter anderem die Themenkomplexe Wirtschaftspolitik, Stärkung sozialversicherungspflichtiger Beschäftigung in Berlin und Brandenburg, Ausbildung und Weltoffenheit. Am Vormittag hielten der DGB-Bundesvorsitzende Rainer Hoffmann, der Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke sowie die Berliner Bürgermeisterin Ramona Pop ihre Grußworte.

Christian Hoßbach, stellvertretender Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg

Christian Hoßbach Lilli Zylka

Christian Hoßbach wurde 1963 in Berlin (West) geboren und ist seit 1985 Mitglied in DGB-Gewerkschaften. Der 54-jährige Diplom-Volkswirt ist seit 2010 stellvertretender Vorsitzender des DGB-Bezirks. In dieser Funktion ist er für Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik politisch verantwortlich. Bereits während seines Studiums engagierte er sich in der Jugendbildungsarbeit der IG Metall. Hoßbach war 1990 Sprecher des Magistrats von Berlin (Ost). 1991 wechselte er zur Treuhandanstalt. Er arbeitete von 1997 bis Anfang 2010 im Berliner Büro des IG Metall-Vorstandes, das für Kontakte zu Bundestag, Bundesregierung und Parteien zuständig ist. Seit 2009 war er Leiter des Büros. Sonja Staack (40) arbeitet seit 2013 für den GEW-Hauptvorstand als Referentin im Vorstandsbereich des stellvertretenden Vorsitzenden. Sie verantwortet dort das Themenfeld Hochschule und Forschung und hat in den vergangenen Jahren unter anderem die Kampagne für eine Reform des Befristungsrechts in der Wissenschaft mitgeprägt. Von 2006 bis 2012 war sie Mitglied im Vorstand von ver.di Berlin sowie 2010 bis 2012 stellvertretende Vorsitzende des ver.di-Bezirks. 2011 und 2012 vertrat sie den Landesbezirk Berlin-Brandenburg im Gewerkschaftsrat von ver.di. Sonja Staack ist Mitglied der Gewerkschaften ver.di und GEW sowie im Vorstand des Annedore-Leber- Berufsbildungswerks in Berlin-Britz.

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