Viele Schülerinnen und Schüler in Berlin erhalten seit Beginn des Schuljahres kein Mittagessen. Der beauftragte Caterer kommt seiner Lieferverpflichtung nicht oder nur unzureichend nach. Der DGB Berlin-Brandenburg kritisiert seit Jahren die Ausschreibungspraxis und wirft Senat und Verwaltung Versäumnisse und mangelnde Kenntnis der Marktakteure vor.
Katja Karger, Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, erklärt: „Mit leerem Magen lernt es sich schlecht – insbesondere im Ganztagsbetrieb. Für viele Schülerinnen und Schüler ist zudem das Mittagessen in der Schule die einzige warme Mahlzeit am Tag. Dass gerade jetzt zum Start des Schuljahres tausende Kinder und Jugendliche in den Schulkantinen vor leeren Tellern sitzen, ist eine Katastrophe. So weit hätte es nicht kommen dürfen und auch nicht kommen müssen.“
Auch die Beschäftigten seien Leidtragende dieses Dramas, sagt Katja Karger: „Offenbar haben die zuständigen Vergabestellen blind darauf vertraut, dass der Caterer, der - offenbar auch zu seiner eigenen Überraschung - sehr viel mehr Aufträge bekommen hat als erwartet, die notwendigen Kapazitäten aufbauen kann. Die jetzige Notlage führt einerseits zu massivem Arbeitsdruck bei den Beschäftigten des Caterers, der liefern muss. Gleichzeitig sind zahlreiche Beschäftigte bei etablierten Caterern von Entlassung bedroht oder haben bereits ihren Job verloren. Das hätte der Senat vermeiden können und müssen. Mit Betriebsübergängen des Personals nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch (§ 613 a BGB) hätten Jobs gesichert und Fachkräfte gehalten werden können. Auch das ist offenbar nicht geregelt worden.“
Die zuständige Gewerkschaft Nahrung Genuss Gaststätten (NGG) hat dem Senat immer wieder ihre Unterstützung angeboten. Karger moniert: „Offenkundig haben die für die Ausschreibung und Vergabe zuständigen Stellen wenig Kenntnis über die Marktakteure. Die NGG kennt die Betriebe. Es ist kaum zu verstehen, dass die Verwaltung auch diesmal dieses Angebot bei der Vorbereitung der Vergaben nicht genutzt hat.“
Katja Karger appelliert an Senat und Verwaltung: „Zwei Dingen muss in unserer Gesellschaft wieder gleichermaßen mehr Bedeutung beigemessen werden: zum einen dem Wohlergehen unserer Kinder, deren Bildungserfolge, Teilhabe und Schutz vor Armut und Ausgrenzung wir als Gesellschaft ausnahmslos sicherstellen müssen; zum anderen dem Wert Guter Arbeit, die gut entlohnt, unbefristet, mitbestimmt und sozial gut abgesichert ist. Wir Gewerkschaften kennen uns genau damit bestens aus und stehen mit unserer Expertise bereit. Man muss uns nur einbeziehen.“