Diese Woche beginnt für Zehntausende junge Menschen die betriebliche Ausbildung. „Wir wünschen allen Auszubildenden einen guten Start und eine qualitativ hochwertige Ausbildung“, sagt Nele Techen, stellvertretende Vorsitzende des DGB-Bezirks Berlin-Brandenburg. „Gute Ausbildung ist Grundlage sowohl für den individuellen Berufseinstieg als auch für die Fachkräftesicherung. Gute Ausbildung ist aber leider keine Selbstverständlichkeit.“
Laut jüngstem Ausbildungsreport der DGB-Jugend ist die Ausbildungszufriedenheit zum zweiten Mal nach 2019 unter 70 Prozent gesunken. Besonders bedenklich ist, dass sich die Zahl der Befragten, die ihren Ausbildungsbetrieb explizit nicht weiterempfehlen würde, vom ersten Ausbildungsjahr (12,8 Prozent) zum dritten Ausbildungsjahr (27,1 Prozent) mehr als verdoppelt. Die Gründe für Unzufriedenheit und oft auch den Abbruch eines Ausbildungsverhältnisses sind vielfältig – sei es fehlende oder unzureichende Betreuung durch Ausbilder*innen, Überstunden ohne Ausgleich oder zu geringe Bezahlung. Angesichts der Preissteigerungen der letzten Jahre, insbesondere bei den Mieten, ist die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung nicht viel mehr als ein Taschengeld. Die DGB-Jugend fordert daher eine deutliche Erhöhung (136 Euro).
Besser sehe es bei den tariflichen Ausbildungsvergütungen aus, sagt Nele Techen: „In vielen Tarifrunden der letzten Monate konnte die Bezahlung für Auszubildende deutlich verbessert werden. Mindestens 1.000 Euro im ersten Ausbildungsjahr ist schon fast die Regel – zumindest in den tarifgebundenen Unternehmen.“
Nele Techen beklagt, dass viele Jugendliche überhaupt keine Vorstellung von einer angemessenen Bezahlung hätten, wenn sie eine Ausbildungsstelle suchen: „In der Berufsorientierung spielen offenbar Arbeitsbedingungen und Bezahlung keine Rolle. Die DGB-Jugend hat deshalb zum Ausbildungsstart in Brandenburg eine Übersicht erstellt, in welchen Tarifverträgen die 1.000 Euro im ersten Ausbildungsjahr gelten.“ Mit Blick auf die geringe Tarifbindung in Brandenburg fordert sie Bewerber*innen auf, aktiv nachzufragen, ob ein Ausbildungsbetrieb tarifgebunden sei.
Der Folder mit der Übersicht zu tariflichen Ausbildungsvergütungen finden Sie hier.