Die Lohnunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland bleiben gravierend: Vollzeitbeschäftigte im Osten verdienen im Schnitt 13.374 Euro brutto weniger im Jahr als ihre Kolleg*innen im Westen. Das entspricht einer Entgeltlücke von fast 21 Prozent. Symbolisch heißt das: Ab dem 16. Oktober bis zum Jahresende arbeiten Beschäftigte im Osten rechnerisch umsonst.
Nele Techen, stellvertretende DGB-Bezirksvorsitzende, unterstreicht: „Die Lohnlücke zwischen Ost und West zu schließen, bleibt ein offenes Versprechen der Deutschen Einheit. Jetzt ist die Politik gefragt: Mit einem Bundestariftreuegesetz kann die Bundesregierung endlich zeigen, dass sie es ernst meint mit fairen Löhnen.“
Der Unterschied macht sich besonders deutlich bei der Tarifbindung: Nur 42 Prozent der Beschäftigten in Ostdeutschland arbeiten in tarifgebundenen Betrieben, im Westen sind es 50 Prozent. Die geringere Tarifbindung im Osten wirkt sich auch auf mögliche Sonderzahlungen, wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, aus, die meist tariflich vereinbart sind und somit den ostdeutschen Beschäftigten seltener oder im geringeren Umfang ausgezahlt werden.
Ein Tarifvertrag bringt spürbare Vorteile: In Brandenburg verdienen Beschäftigte mit Tarifvertrag im Schnitt 680 Euro mehr im Monat als ohne Tarifvertrag.
„Öffentliche Aufträge dürfen künftig nur noch an Unternehmen vergeben werden, die Tariflöhne zahlen. Um das durchzusetzen, brauchen wir starke Tariftreuegesetze des Bundes und der Länder. Sie sind entscheidende Hebel, um Lohndumping zu stoppen, die Tarifbindung zu stärken und die Lücke endlich zu schließen“, so Nele Techen.