72 Tage umsonst arbeiten: Lohnlücke zwischen Ost und West weiterhin bei fast 20 Prozent
Berlin/Potsdam, 29.09.2026 – Vor dem Tag der deutschen Einheit weist der Deutsche Gewerkschaftsbund erneut auf die nach wie vor gravierenden Lohnunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland hin und fordert entschlossene Maßnahmen der Politik, um die Tarifbindung wieder zu steigern. Vollzeitbeschäftigte im Osten verdienen im Schnitt 12.415 Euro brutto weniger im Jahr als ihre Kolleg*innen im Westen. Das entspricht einer Entgeltlücke von fast 20 Prozent. Im Vergleich zu den westdeutschen Ländern arbeiten die Beschäftigten in Ostdeutschland – statistisch betrachtet - im Schnitt fast 72 Tage umsonst.
Katja Karger, Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, nimmt die Brandenburger Landesregierung in die Pflicht:
„Dass auch 36 Jahre nach dem Mauerfall die Lohnmauer zwischen Ost und West in Deutschland weiter besteht, ist ein Skandal. Die Brandenburger Landesregierung scheint immer noch auf Niedriglöhne als Standortvorteil zu setzen. Sie tut viel zu wenig dafür, die schwache Tarifbindung der Unternehmen in Brandenburg zu steigern und Unternehmen im Land ernsthaft in die Pflicht zu nehmen bei fairen Löhnen, Tarifverträgen und Mitbestimmung.“
Dort, wo Tarifverträge angewendet werden, ist die Lohnlücke kleiner. „Deshalb muss sich die rot-schwarze Koalition in Potsdam stärker für eine höhere Tarifbindung engagieren“, moniert Karger und warnt, das Vergaberecht noch weiter zu liberalisieren: „Die Landesregierung hat den Vergabemindestlohns bereits zahnlos gemacht und plant, das Vergabegesetz in Brandenburg ganz abzuschaffen. Falsche Richtung aus unserer Sicht: Brandenburg braucht ein klares Bekenntnis zu Guter Arbeit – tarifgebunden, mitbestimmt und mit klarer Zukunftsperspektive. Eine wirkungsvolle Tariftreueregelung bei öffentlichen Aufträgen und landeseigene Fördergelder nur an Unternehmen, die nach Tarif bezahlen, sind das Gebot der Stunde. Zudem müssen Tarifverträge leichter für ganze Branchen allgemeinverbindlich erklärt werden können – auch auf Landesebene.“
Der Ost-West-Unterschied wird besonders deutlich bei der Tarifbindung: Nur 45 Prozent der Beschäftigten in Ostdeutschland arbeiten in tarifgebundenen Betrieben, im Westen sind es 50 Prozent. Die geringere Tarifbindung im Osten wirkt sich auch auf mögliche Sonderzahlungen aus wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld, die meist tariflich vereinbart sind und somit den ostdeutschen Beschäftigten seltener oder im geringeren Umfang ausgezahlt werden.
Ein Tarifvertrag bringt spürbare Vorteile: In Brandenburg verdienen Beschäftigte mit Tarifvertrag im Schnitt 13.049,00 Euro mehr als ohne Tarifvertrag.