Deutscher Gewerkschaftsbund

03.02.2017
Berufs- und Studienorientierung

DGB-Konzept: Bessere Berufschancen für Jugendliche aus armen Familien

Schülerinnen und Schüler in Berlin sollen systematisch an die Arbeitswelt herangeführt werden. Zusätzlich zum Berliner Landeskonzept für Berufs- und Studienorientierung fordert der DGB nun ein Ergänzungsprogramm für Schulen mit besonderem Bedarf: Dort, wo drei Viertel der Schüler aus Armutsverhältnissen kommen oder nicht deutscher Herkunftssprache sind, sollen die Berufschancen der Jugendlichen durch professionelle Unterstützung deutlich erhöht werden.

 

Mädchen beim Girls' Day bei der BVG

DGB/Simone M. Neumann

Schulen mit besonderem Bedarf an Berufsorientierung

Das neue Landeskonzept für Berufs- und Studienorientierung (LaKo BSO) schafft eine einheitliche Grundlage für die systematische Heranführung von Schülern/innen an die Arbeitswelt. Das Herzstück bildet die Qualifizierte Vierstufigkeit, wonach Betriebsbegegnungen ab Klassenstufe 7 als aufeinander aufbauende „Module“ gestaltet werden und die Vor- und Nachbereitung eine Querschnittsaufgabe der „ganzen Schule“ ist.

Schulen mit einem hohen Anteil an Schülern/innen mit Migrationshintergrund haben sich laut Landeskonzept an der „Vorgehensweise entsprechend Berlin braucht dich!“ zu orientieren. Dies bedeutet, dass hochwertige Ausbildung gezielt für Jugendliche mit Migrationshintergrund zu öffnen ist. Mit diesem Ziel arbeiten seit Jahren Schulen und Betriebe in dem „Berlin braucht dich!“-Konsortium zusammen. Als Brücke in die Ausbildung werden attraktive Betriebsbegegnungen von der Klasse 7-10 nach dem Modell der Qualifizierten Vierstufigkeit aufgebaut – ein Lösungsansatz, der nun also Programm in Berlin ist, aber bei Weitem noch nicht Realität.

Daher fordert der DGB Berlin Brandenburg ein Ergänzungsprogramm für Schulen mit besonde-rem Bedarf an Berufsorientierung
Die Qualifizierte Vierstufigkeit und das zur Flankierung nötige Bündel von Maßnahmen (Akquise guter Praktika in einem ausreichend breiten Berufsspektrum, individuelle Beratung, interkulturelle Ausrichtung, etc.) sollten in einem ersten Schritt bei den Schule mit einen besonderen Bedarf an Berufsorientierung, den sogenannten „BO-Bedarfsschulen“, etabliert werden, d.h. Schulen mit

  • geringen Übergängen: 10% der Schulabgänger/innen und weniger münden in schulische oder betriebliche Ausbildung,
  • einem Anteil von Schüler/innen aus Armutsverhältnissen, deren Familien ihr Einkommen aus SGB II bestreiten und von der Zuzahlung zu den Lernmitteln befreit sind (lmb) von über 75%,
  • einem hohen Anteil nichtdeutscher Herkunftssprache (ndH) von über 75%.


16 Berliner Sekundarschulen aus drei Berliner Bezirken entsprechen diesen Kriterien. An den identifizierten „BO-Bedarfsschulen“ sollen Voraussetzungen geschaffen werden, die beruflichen Perspektiven ihrer Schü-ler/innen durch eine professionelle Unterstützung merklich zu verbessern. Erforderlich sind das Commitment der Schulleitungen und die Bereitschaft des Kollegiums zur Bildung eines BO-Schwerpunktes an ihrer Schule.

Ziel soll sein, die Berufswahlkompetenz ihrer Schüler/innen gemeinsam mit Ausbildungsbetrieben zu verbessern und die Einmündungen in Ausbildung deutlich zu erhöhen.

Diese Schulen sollen in den nächsten zwei Jahren personelle Unterstützung erhalten, um sicherzustellen, dass ein Berufsorientierungsangebot von hoher Qualität systematisch entfaltet und erprobt werden kann, und zwar nach den Anforderungen des Landeskonzepts.
 


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