Deutscher Gewerkschaftsbund

25.06.2012

Krönender Abschluss der DGB-Aktivitäten für LSBTI im Juni

Die rechte Seitenansicht DGB-Busses beim CSD mit vielen Passanten.

Foto: Klaus Timm

DGB beim CSD Berlin

Mit einem aussagekräftig gestalteten Stadttours-Bus haben sich der DGB und seine Einzelgewerkschaften beim Berliner Christopher Street Day (CSD) am 23. Juni den geschätzten 700.000 Teilnehmenden präsentieren können. Der CSD war damit der Höhepunkt verschiedener Aktivitäten des DGB Berlin-Brandenburg in diesem Monat, bei denen die Rechte von Lesben, Schwulen, Transgendern, Bi- und Intersexuellen (LSBTI) im Mittelpunkt standen.

Eine umfangreiche Fotogalerie über den CSD ist auf der DGB-Webseite eingestellt - hier

Der Saal des DGB-Hauses mit Publikum vor der Filmvorführung.

Foto: Klaus Timm

  •  Rosa von Praunheim im DGB-Haus

Am 5. Juni wurde im großen Saal des Berliner DGB-Hauses Rosa von Praunheim’s Film „Der Einstein des Sex“ gezeigt, der die Geschichte von Dr. Magnus Hirschfeld thematisiert, dem weltberühmten Berliner Sexualreformer und Mitbegründer der ersten homosexuellen Emanzipationsbewegung. Die Veranstaltung, in der Rosa von Praunheimwieder persönlich erschien (wie bereits am 08.09.2011 anlässlich des Papstbesuchs – s. Beitrag hier) und hier die einführenden Erläuterungen zum Film vortrug, wurde vom DGB Berlin-Brandenburg in Kooperation mit der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld und dem LSVD im Rahmen der „Hirschfeld-Tage“ organisiert.

Der gewerkschaftliche Infostand bei der MILK-Messe.

Foto: Klaus Timm

  •  MILK-Karrieremesse

Am 9. Juni beteiligte sich der DGB im Rahmen des ver.di-Infostandes an der MILK-Karrieremesse, der von zahlreichen Unternehmen und Institutionen ausgestalteten „Europas größte Job- und Karrieremesse für Schwule, Lesben und Heteros“. Zu der Messe kamen über 1.600 Job-Suchende, die von zahlreichen Unternehmen angesprochen wurden, die mit ihrer besonders gegenüber Lesben und Schwulen positiv eingestellten Firmenpolitik zu Stellenbewerbungen bei sich ermunterten.

Am Gewerkschaftsstand konnten sich die Besucher/innen darüber informieren, wie hilfreich es sein kann, sich bei der Anstellung in „homo-freundlichen“ aber auch bei den übrigen Arbeitgebern über die eigenen Rechte rechtzeitig Klarheit zu verschaffen, um als Lesbe, Schwuler oder Transgender bei der Einstellung und im beruflichen Werdegang akzeptiert und nicht benachteiligt zu werden.

Ein Bericht über den gewerkschaftlichen Infostand bei der MILK-Messe ist auf der Webseite bei ver.di eingestellt - hier

Die Installation in Form eines großen roten Herzens auf einem Pult, darunter eine schriftliche Erlauterung zur Installation auf roter Folie gedruckt.

Foto: Klaus Timm

  •  Installation „Es gibt Liebe, warum hasst du?“

Mit einer Begrüßung eröffnete die DGB-Bezirksvorsitzende Doro Zinke am 12. Juni im großen Saal des Berliner DGB-Hauses eine Tanz-Performance zur Installation „Es gibt Liebe, warum hasst du? Ein Herz reist durch Berlin“ (vgl. Beitrag hier). Die von Gerhard Hoffmann (Co-Organisator des schwul-lesbischen Stadtfestes Berlin) ins Leben gerufene Installation, die Hass und Gewalt gegen Menschen wegen ihrer Religion, ihrer ethnischen Herkunft oder ihrer Sexualität thematisiert, kann noch bis zum 9. August im westlichen Eingangsbereich des DGB-Hauses besichtigt werden.

  • Farbe bekennen - Flagge zeigen

Im wörtlichen Sinne von „Farbe bekennen - Flagge zeigen“ hatten sowohl DGB wie auch ver.di anlässlich des CSD vor ihren Häusern die Regenbogenfahne gehisst und diese „Demonstration“ in Pressemeldungen unterstrichen. Dazu betonte die DGB-Bezirksvorsitzende Doro Zinke, dass die sprichwörtliche Weltoffenheit und Toleranz Berlins nicht nur beschworen werden dürfe, sondern täglich vorgelebt werden müsse. Sie warb dafür, die Vielfalt der Lebensentwürfe zu akzeptieren und sagte jeglicher Form von Diskriminierung den Kampf an. (Pressemeldung s. hier)

Der ver.di-Stand mit Publikum beim Straßenfest.

Foto: Klaus Timm

  •  Schwul-lesbisches Motzstraßenfest

Am Wochenende des 16./17. Juni besuchten viele der weit über eine viertel Million Besucher/innen des schwul-lesbischen Motzstraßenfestes auch die Gewerkschaftsinfostände von ver.di und GEW, bei denen ebenfalls über die LSBT-Aktivitäten des DGB informiert wurde. Noch druckfrisch konnte hier das DGB-Faltblatt zu LSBT verteilt werden, wie u. a. das neue „queer_Format“, das von der ver.di-Bundesverwaltung herausgegebene „Gewerkschaftsmagazin für Lesben, Schwule, Transgender, Bi- und Intersexuelle“ (s. unten Downloads). Die „AG Schwule Lehrer“ der GEW informierte über die Situation von Lesben und Schwulen im Schuldienst und lud darüber hinaus Kinder und ihre Eltern in einem kleinen „Klassenraum“ zum Unterricht ein, in dem spielerisch und thematisch passend auf die Vielfalt der Lebensweisen eingegangen wurde. Mit sichtlichen Erfolgen.

Auf dem Oberdeck des DGB-Busses.

Foto: Monika Wienbeck

  •  Christopher Street Day

Bei bestem Wetter startete der DGB-Bus bei der CSD-Parade am 23. Juni um 12.30 Uhr mit der vorteilhaft platzierten Wagen-Nr. 9 von Kreuzberg aus zum Zielpunkt Reichstag. Das CSD-Motto „Wissen schafft Akzeptanz“ wurde plakativ erweitert um die vom DGB eingeforderte „Akzeptanz der sexuellen Vielfalt in Schule, Ausbildung und Beruf“ und ergänzt von Bannern, Transparenten und Fahnen von ver.di, GEW, IG BCE, IG BAU und IG Metall. Dass Diskriminierung, Intoleranz und Unwissenheit gegenüber LSBTI gerade in der Arbeitswelt noch immer ein wichtiges Thema ist, zeigen sowohl Berichte von Kolleginnen und Kollegen als auch vorliegende Studien. Gerade deshalb ist es wichtig, dass Gewerkschaften und betriebliche Interessenvertretungen im Arbeitsalltag offensiv und sachkundig gegensteuern und deutlich Farbe bekennen, auch beim CSD.

Beteiligte auf dem DGB-Bus.

Bild (v.l.n.r.): ver.di-Landesbezirksvorstandsvorsitzender Rolf Wiegand, SPD-Landesvorsitzender Jan Stöß, ver.di-Landesbezirksleiterin Susanne Stumpenhusen, ver.di-Bezirksleiter Roland Tremper.
Foto: Monika Wienbeck

Auf und neben dem DGB-Wagen beteiligten sich bei bester Stimmung zahlreiche Mitglieder von Betriebs- und Personalräten, Aktive der gewerkschaftlichen LSBTI-Gruppen sowie haupt- und ehrenamtliche Gewerkschaftler/innen, so auch die Bezirks- bzw. Landesbezirksvorsitzenden von DGB, GEW und ver.di. Der neue SPD-Landesvorsitzende Stöß begleitete den DGB-Wagen ein Stück der Paradestrecke, ebenso ein Aufnahmeteam der „Berliner Abendschau“ (rbb) und ein Privat-TV-Sender. Mit dabei war auch der IG-BAU-Kollege Carsten Wirth, ein Mitinitiator der im August geplanten Gründung der Gewerkschaftsgruppe „IGay BAU“, zu der noch interessierte Mitglieder zur Mitarbeit gesucht werden (beachte Artikel in der Mitgliederzeitung „Grundstein“ - s. Download).

GEW-Kollege wirft Flyer vom Bus in die untenstehende Menschenmenge.

Foto: Stefan Exner

Dass der CSD sich nicht auf karnevalistische Effekte reduzieren lässt, sondern klare politische Botschaften im Vordergrund stehen, bestätigte auch die deutlich zustimmende Resonanz der meisten Passanten auf die Gewerkschaftspräsenz in der Parade. Die GEW-Kollegen warfen auch nicht Kamellen vom Oberdeck, sondern vielmehr reichlich kleine Flyer, auf denen Homophobie im Schulalltag angesprochen wurde. Die den Bus begleitend verteilten DGB-Faltblätter zum CSD-Thema („Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender im DGB Berlin Brandenburg“) stießen ebenfalls auf großes Interesse, insbesondere bei auffallend vielen, die sich offen als Gewerkschaftsmitglieder „outeten“.

Rundum war die DGB-Beteiligung am CSD aus Sicht der Beteiligten „ein toller Erfolg“, was auch schon einen positiven Ausblick auf den CSD 2013 zulassen kann. Herzlichen Dank an alle, die sich daran beteiligt haben, insbesondere an Nele Hess und Daniel Behnke für die sehr umfangreiche und so hervorragend gelungene Organisationsarbeit beim DGB!

Der DGB-Wagen vor dem Reichstagsgebäude.

Um 16 Uhr vor dem Reichstagsgebäude am Ziel. - Foto: Klaus Timm

Downloads:

Faltblatt des DGB-Arbeitskreises LSBT

 

LSBTI-Gewerkschaftsmagazin „queer_Format“ (Nr. 25/12)

 

IGay BAU - Artikel in „Grundstein“ Juni 2012

 

Heteros bleiben Norm im Schulalltag (GEW-Zeitung E & W - Juni 2012)


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