Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 14/09 - 24.02.2009

Armut in Berlin - die Kinder dürfen nicht die Opfer sein

Der DGB vermisst eine konzentrierte Politik zur Armutsbekämpfung in der Stadt, die hier vor allem die Kinder im Mittelpunkt sehen muss:

Bereits 180.000 junge Menschen lebten in Hartz-Familien; rund 700.000 Berlinerinnen und Berliner erhielten staatliche Sozialleistungen. Armut präge immer stärker das Gesicht der Hauptstadt.

Anlässlich der 2. Berliner Armutskonferenz der Evangelischen Kirche forderte die stellv. Vorsitzende des DGB, Bezirk Berlin-Brandenburg, Doro Zinke, eine „armutsfeste Kindergrundsicherung“, die bereits im Vorfeld Hartz-IV-Bedürftigkeit verhindern müsse.

Ein spezifischer Kinderwarenkorb (Schuhe, Spielsachen, Schulartikel etc.) müsse den kindlichen Bedürfnissen Rechnung tragen. Wer lediglich zwei Euro pro Tag für Essen ausgeben könne, der müsse sich jedes Buch, jeden Kinobesuch vom Munde absparen. Diese Ausgrenzung aus dem kulturellen Leben sei einer Gesellschaft unwürdig.

Die DGB-Vize erklärte, um das Armutsrisiko zu verringern, müsse natürlich auch ein Mindestlohn eingeführt werden. Gerade Alleinerziehende litten unter Armutslöhnen:

Jede vierte Frau in Ostdeutschland verdiene weniger als 7 Euro pro Stunde. Doro Zinke verwies darauf, dass allein in Berlin 400.000 Menschen pro Monat mit weniger als 900 Euro auskommen müssten.

Allein für die 100.000 Aufstocker in der Stadt (Niedriglohnempfänger mit Hartz-IV-Zuschuss) müsse der Steuerzahler pro Monat 16 Mio. Euro zuschießen, weil Unternehmer ihre Beschäftigten mit Hungerlöhnen abspeisten.

Auch dies gehöre zum Skandal namens Armut in einem Land, das laut OECD (Organisation für ökonomische Zusammenarbeit und Entwicklung) die fünfthöchste Armutsquote aufweise.


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