Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 15/2020 - 17.03.2020
Equal Pay Day am 17. März: Frauen verdienen auch in Berlin immer noch weniger

Sonja Staack (DGB): Berufe im Sozial- und Gesundheitswesen endlich aufwerten - Schlechtere Bezahlung von Erziehung und Pflege skandalös

„Von der seit Jahren in Sonntagsreden bekundeten Hochachtung vor Krankenschwestern ist auf den Gehaltszetteln und bei den Arbeitsbedingungen nichts zu sehen“, sagt Sonja Staack, stellvertretende Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg. Anlässlich des Equal Pay Day kritisiert der DGB die praktisch unverändert hohe Gehaltslücke zwischen Frauen und Männern.  Der Deutsche Gewerkschaftsbund fordert eine deutliche Aufwertung von Berufen, die überwiegend Frauen ausüben – in Gesundheit, Erziehung und sozialer Arbeit. Bundesweit verharrt der geschlechtsspezifische Unterschied in der Bezahlung bei 20 Prozent, auch in Berlin gibt es bei einer Lücke von 14 Prozent keine Verbesserung.

„Dass soziale Berufe sind nach wie vor unterbezahlt sind – auch das ist handfeste Diskriminierung“, sagt Staack. „Gerade in der aktuellen Situation muss den Letzten klar sein, dass es keine Antwort ist, den Frauen die Schuld für ihre niedrigen Verdienste zuzuweisen, weil sie angeblich die falschen Berufe ergreifen. Fachinformatiker und Ingenieurinnen alleine halten die Gesellschaft nicht am Laufen, wenn sich niemand beruflich um die Kinder, die Alten und die Kranken kümmert. Mit dieser Missachtung gegenüber der Arbeit mit Menschen schneiden wir uns ins eigene Fleisch.“

Damit die Entgeltlücke kleiner wird, fordert der DGB deutlich mehr Bindung an Tarifverträge. Diese gelten in Berlin für nur 46 Prozent der Beschäftigten, deutlich unter Bundesdurchschnitt: „Wo Tarifverträge gelten, ist der Lohnabstand zwischen Frauen und Männern deutlich geringer“, erläutert Staack. Außerdem werden mit Tarifvertrag auch absolut höhere Gehälter gezahlt als ohne. „Es müssen sich wieder mehr Arbeitgeber in Verhandlung mit den Gewerkschaften an Tarifverträge binden und sich damit auf klare Regeln für die Bezahlung verpflichten. Davon profitieren besonders Frauen. Auch Krankenhäuser, Kita-Träger und Sozialunternehmen müssen in die Puschen und an den Verhandlungstisch kommen, wenn sie Fachkräfte gewinnen und binden wollen. Es ist einfach nicht rational zu erklären, dass einerseits nach Fachkräften gerufen und andererseits vielfach nichts an Arbeitsbedingungen und Bezahlung verbessert wird.“ Außerdem fordert der DGB, dass Tarifverträge leichter für allgemeinverbindlich erklärt werden können und damit für alle Arbeitgeber der Branche gelten.


Hintergrund:

Der Equal Pay Day markiert den Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um rechnerisch auf das durchschnittliche ihrer männlichen Kollegen zu kommen. In diesem Jahr ist das der 17. März.

Der Gender Pay Gap bezeichnet nach der Definition des Statistischen Bundesamtes „die Differenz des durchschnittlichen Bruttostundenverdienstes der Männer und Frauen im Verhältnis zum Bruttostundenverdienst der Männer“.


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Nina Lepsius

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