Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 10/17 - 17.03.2017
Lohngerechtigkeit

DGB fordert zum Equal Pay Day Bezahlung nach Tarif und Aufwertung frauendominierter Berufe

„Wir brauchen gute und gerechte Bezahlung, gleiche Berufschancen und sichere Renten für Frauen“, sagt die DGB-Vorsitzende Berlin-Brandenburg, Doro Zinke, anlässlich des Equal Pay Day am 18. März. „Im Schnitt verdienen Frauen immer noch 21 Prozent weniger pro Stunde als Männer, und das seit Jahren fast unverändert“, kritisiert Zinke.

Ein Grund für die geschlechtsspezifische Entgeltlücke sei die unterschiedliche Bezahlung in männer- und frauendominierten Branchen und Berufen. „Wenn Arbeit an Maschinen besser bezahlt wird als Arbeit mit Menschen, hat es keinen Sinn, das einfach herauszurechnen“, sagt Zinke. Auch niedrigere Stundenlöhne bei Teilzeit, der ungleiche Zugang zu Führungspositionen und die ungenügende Würdigung vermeintlicher Frauenarbeit und seien diskriminierend. „Dass mehrheitlich von Frauen ausgeübte Tätigkeiten etwa in der Pflege schlechter bezahlt werden, ist ein gesellschaftlicher Skandal und ein handfestes Problem für die Beschäftigten, die mit kleinen Einkommen über die Runden kommen müssen.“

Niedrige Einkommen führen auch zu niedrigen Renten. Davon sind in der Region vor allem Frauen betroffen. 43 Prozent der Rentnerinnen in Berlin (West) bekommen weniger als 750 Euro Rente im Monat, in Berlin (Ost) betrifft das rund 26 Prozent der Frauen, in Brandenburg 33 Prozent. „Altersarmut ist jetzt schon weiblich“, warnt Zinke.

Bei dem im Vergleich zu Westdeutschland geringeren Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen in Berlin (14 Prozent) und Brandenburg (4 Prozent) müsse man auf die absoluten Zahlen schauen: In Berlin betrage der Bruttostundenlohn durchschnittlich 17,18 Euro bei Frauen und 20,03 Euro bei Männern, in Brandenburg seien es nur 15,09 (Frauen) und 15,59 Euro (Männer). „Auch viele Männer in der Region verdienen schlecht, das ist keine gute Nachricht, sagt Zinke. „Wir brauchen darum dringend mehr Bezahlung nach Tarifvertrag, dann sind die Gehälter besser und die Lohnlücke nimmt ab.“ In Berlin sind nur 20 Prozent der Betriebe an einen Haus- oder Branchentarifvertrag gebunden, in Brandenburg sind es 23 Prozent.


Hintergrund:
Der Equal Pay Day symbolisiert den Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um rechnerisch auf das durchschnittliche Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. In diesem Jahr ist das der 18. März.

Quellen:
zu Tarifbindung und Gender Pay Gap: Tarif verringert den Lohnrückstand, in: Böckler Impuls 4/2016 v. 22.09.2016, https://www.boeckler.de/Impuls_2016_14_1.pdf.
zu Tarifbindung in Berlin und Brandenburg: IAB-Betriebspanel 20. Welle Brandenburg (http://www.masgf.brandenburg.de/cms/detail.php/bb1.c.459743.de/bbo_products_list_product) und Berlin (http://www.berlin.de/sen/arbeit/_assets/weiteres/downloads/betriebspanel_berlin_2015.pdf)
zu Niedrigrenten von Frauen: DGB-Rentenreport Berlin-Brandenburg 2015, http://berlin-brandenburg.dgb.de/themen/++co++74893aaa-69ae-11e5-868b-52540023ef1a, S. 19


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