Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 22/2022 - 15.03.2022
DGB Berlin-Brandenburg startet Berufsschultour durch Brandenburg

Mehr und bessere Berufsausbildung wirkt gegen Fachkräftemangel

„Brandenburg steuert in den kommenden Jahrzehnten auf einen eklatanten Fachkräftemangel zu – sowohl in den zukunftsträchtigen Industrieberufen als auch im Dienstleistungssektor. Dem muss mit einer qualitativ hochwertigen Ausbildungsoffensive begegnet werden“, betont Nele Techen, stellvertretende Vorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin-Brandenburg, zum Start der Berufsschultour der Gewerkschaften. 

Techen begrüßt, dass die Betriebe in Brandenburg offenbar die Zeichen der Zeit erkannt hätten und die Zahl der Ausbildungsplätze und auch der abgeschlossenen Ausbildungsgänge während der Corona-Pandemie nicht gesunken seien. Doch müsse deutlich mehr geschehen, um die duale Ausbildung für junge Menschen im Land Brandenburg attraktiv zu machen.

„Das A und O einer guten Ausbildung sind natürlich die Rahmenbedingungen: kompetente Ausbildende im Betrieb, gute Ausgestaltung und Absicherung durch Tarifverträge, starke Mitbestimmungsstrukturen und verlässliche Perspektiven nach Abschluss der Ausbildung“, stellt Nele Techen klar. „Die Betriebe haben ein Interesse daran, die von ihnen ausgebildeten Fachkräfte auch zu halten, um für die Zukunft gut aufgestellt zu sein. Bei der Gestaltung guter Arbeitsbedingungen haben sie mit dem DGB und seinen Mitgliedsgewerkschaften engagierte Partner an ihrer Seite.“

Das gilt auch für das Land Berlin, wo sich jedoch ganz andere Herausforderungen stellen. Anders als in Brandenburg liegt hier die Zahl der freien Ausbildungsstellen deutlich unter der Zahl der Ausbildungssuchenden. „Berlin bleibt bundesweit Schlusslicht in Sachen Ausbildung“, kritisiert Techen. Nur 12 Prozent der Betriebe bieten hier Ausbildungsplätze an – weit unter dem Bundesdurchschnitt von 20 Prozent. Die Agentur für Arbeit spricht von 120 Bewerber*innen je 100 Ausbildungsplätze.

„Berlin kann die Verantwortung dafür nicht mit dem Verweis auf freie Ausbildungsplätze in Brandenburg abschieben“, stellt Techen klar. Die im Berliner Koalitionsvertrag beschlossene Ausbildungsumlage müsse ebenso kommen wie die Ausbildungsgarantie. Sie begrüßt, dass die Landesregierungen der Metropolregion inzwischen ihre Kooperation in einigen Bereichen voranbringen, insbesondere bei den Berufsschulen, doch müsse sich Brandenburg viel stärker etwa bei der Ausbildung von Berufsschullehrer*innen engagieren. 

Insgesamt müsse neben der Qualität des schulischen Ausbildungsteils auch in die Infrastruktur und die Mobilität investiert werden, damit Auszubildende im Flächenland Brandenburg nicht mehr stundenlange Fahrwege zur Berufsschule in Kauf nehmen müssen. Digitale Unterrichtsangebote seien zwar schön, können die wichtigen sozialen Kontakte, die der Präsenzbetrieb der Berufsschule auch hinsichtlich fachlichen Austauschs und Vernetzung bietet, nicht ersetzen.

Nele Techen begrüßt den Aufruf von Brandenburgs Bildungsministerin Britta Ernst und Wirtschaftsminister Jörg Steinbach, sich in der Berufsorientierung zu engagieren. Der DGB Berlin-Brandenburg tut dies seit vielen Jahren und ist auch in diesem Jahr wieder mit einer Berufsschultour in Berlin und Brandenburg vor Ort, um junge Menschen in Ausbildung zu begleiten, zu informieren und Fragen rund um gute Arbeit, Perspektiven und Mitbestimmung zu beantworten. Die Tour startet am 16. März am Oberstufenzentrum Teltow-Fläming in Ludwigsfelde und läuft bis zum 31. Mai.

Weitere Informationen zum Thema Ausbildung in Berlin und Brandenburg, darunter auch der Corona-Ausbildungsreport.


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