Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 04/12 - 23.01.2012

Ausbeutung auf der Flughafenbaustelle Schönefeld

Mehrere ungarische Bauarbeiter kamen kurz vor Weihnachten 2011 ins DGB-Haus zur gewerkschaftlichen Beratung für entsandte Beschäftigte [ www.postedwork.dgb.de ]. Der Grund: Sie waren um den größten  Teil ihres Lohnes geprellt worden. Monatelang hatten sie auf der Baustelle des neuen Berliner Flughafens BER als Beschäftigte eines Metallbaubetriebes geschuftet. Ihr Arbeitgeber, die Glamini Ausbau GmbH mit Sitz im bayerischen Bad Reichenhall, ist ein ungarisch-österreichisches Unternehmen, das am Flughafen als Unterauftragnehmer agierte.

Außer leeren Versprechen, dass die Löhne bald ausgezahlt würden, hatte der Arbeitgeber den ungarischen Arbeitern nichts zu bieten. Deshalb wandten sie sich an das Beratungsbüro. Ohne einen Cent in der Tasche hätten sie nicht einmal zu Weihnachten nach Hause fahren können. Gemeinsam setzten die DGB-Beraterinnen und die ungarische Botschaft immerhin eine Abschlagszahlung von 300 Euro pro Arbeiter durch.

Doch alle weiteren Versuche nach den Feiertagen, den Arbeitgeber zu einer gütlichen Einigung zu bewegen, endeten ergebnislos. Das Unternehmen weigert sich nach wie vor, die ausstehenden Löhne in Höhe mehrerer Tausend Euro zu bezahlen. Stattdessen hat es den ungarischen Arbeitern fristlos gekündigt.

Ein Großteil der Arbeiter ist inzwischen Mitglied der IG Metall geworden, so dass sie auch gewerkschaftlichen Rechtsschutz in Anspruch nehmen können. Damit gibt es für sie die Möglichkeit, gegen die Kündigungen rechtlich vorzugehen und die ausstehenden Lohnansprüche durchsetzen zu lassen. „Es ist eine Sauerei, wie hier ausgerechnet auf der Flughafen-Baustelle mit den ungarischen Beschäftigten umgegangen wurde“, sagte Hermann von Schuckmann, Leiter der für Schönefeld zuständigen Verwaltungsstelle der IG Metall in Ludwigsfelde. „Mit der Unterstützung der Kollegen wollen wir ein klares Signal setzen: Der DGB und seine Mitgliedsgewerkschaften sind für ausländische Arbeitnehmer da, auch wenn sie nur vorübergehend in der Region arbeiten. Das ist im Übrigen auch im Interesse unserer hiesigen Kollegen. Wenn Lohnbetrug gegenüber scheinbar wehrlosen Wanderarbeitern nicht geahndet wird, wird daraus ganz schnell ein ‚Geschäftsmodell’.“

„Leider sind solche Fälle in unserer Region kein Einzelfall“, sagte die DGB-Bezirksvorsitzende, Doro Zinke. Immer wieder gäbe es Probleme mit nicht oder nur teilweise gezahlten Löhnen. Leider wissen viele nicht, wie sie sich dagegen wehren können und fahren oft ohne Lohn wieder in ihre Heimat. „In diesem Fall hat die ungarische Botschaft die Arbeitnehmer an unser Beratungsbüro [www.postedwork.dgb.de] verwiesen, was für die hohe Akzeptanz der Beraterinnen spricht, die nicht erst in diesem Fall schnell helfen konnten.“

Neben der rechtlichen Unterstützung der Kollegen müsse der Fall allerdings auch politisch aufgearbeitet werden. „Die ungarischen Kollegen haben berichtet, dass auf der Flughafenbaustelle viele weitere Arbeiter aus Mittel- und Osteuropa arbeiteten, die ähnlich schlechte Erfahrungen machen, sich aber nicht trauen würden, dagegen vorzugehen. Wir werden von der Flughafengesellschaft und den Landesregierungen Berlins und Brandenburgs Aufklärung verlangen. Bis zur großen Eröffnung des Willy-Brandt-Flughafens im Juni ist noch viel zu tun. Das gilt offensichtlich auch für den Umgang mit den Beschäftigten“, mahnte Zinke.


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