Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 45/18 - 04.07.2018

DGB Berlin-Brandenburg zum Berliner Betriebspanel 2017: Berliner Betriebe müssen endlich für verlässliche Beschäftigung sorgen!

Anlässlich der Veröffentlichung des Berliner Betriebspanels 2017 erklärt Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg:

„Das Betriebspanel 2017 zeigt mit aller Deutlichkeit die Widersprüche der wirtschaftlichen Entwicklung Berlins. Während die Zahl sozialversicherungspflichtig Beschäftigter überdurchschnittlich wächst, bleiben Fortschritte in den Zukunftsfragen des Arbeitsmarktes aus.

Die Entwicklung der Tarifbindung in Berlin ist besorgniserregend. Nur 46 Prozent der Berliner Beschäftigten arbeiten noch in einem tarifgebundenen Betrieb. Dieser Wert liegt deutlich unterhalb des Bundesdurchschnitts. Landes- und Bundesregierung müssen dringend Maßnahmen ergreifen, um diesen Negativtrend zu stoppen. Eine starke Tarifbindung ist in wirtschaftlichen Krisenzeiten der wichtigste Stabilitätsanker auf dem Arbeitsmarkt. Dies gilt es zu beachten – denn der aktuelle Boom wird nicht ewig anhalten. Konkret sind Tariftreueregeln für das Ausschreibungs- und Vergabegesetz sowie für die Wirtschaftsförderung geboten. Auf der Bundesebene muss die Union ihre kurzsichtige Blockadehaltung gegen die Allgemeinverbindlichkeitserklärung von Tarifverträgen endlich beenden. Wir fordern die Berliner und Brandenburger CDU auf, sich hierfür im Interesse unserer Region stark zu machen.

Die Ergebnisse des Berliner Betriebspanels 2017 unterstreichen, dass der Schlüssel für eine gelingende Fachkräftesicherung in den Betrieben selbst liegt. Sie müssen endlich für verlässliche Beschäftigung sorgen. Dazu gehört eine ordentliche Bezahlung nach Tarif ebenso wie die Gestaltung der Arbeit der Zukunft gemeinsam mit den Beschäftigten.

Der Anteil befristeter Arbeitsverhältnisse steigt in Berlin seit 2015 enorm an. 54 Prozent der Neueinstellungen erfolgten 2017 befristet, davon 49 Prozent ohne Sachgrund. Diese Entwicklung ist hochproblematisch. Eine befristete Anstellung bedeutet große persönliche Unsicherheit für die Beschäftigten und ist eine Hemmschwelle für ein selbstbewusstes Eintreten für die eigenen Rechte am Arbeitsplatz. Wir begrüßen daher den gestern im Senat beschlossenen Verzicht auf sachgrundlose Befristungen im öffentlichen Dienst und in den landeseigenen Betrieben. Die privaten Unternehmen sollten sich daran ein Beispiel nehmen.“

 


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