Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 76/2020 - 08.12.2020

Ausbildungsreport 2020: 80 Prozent der Auszubildenden beklagen hohe Mieten

Das Thema bezahlbares Wohnen brennt Auszubildenden in Berlin und Brandenburg unter den Nägeln. Das berichtet der 15. Ausbildungsreport Berlin-Brandenburg, den die DGB-Jugend am Dienstag vorgestellt hat. 80 Prozent der Befragten nennen günstigere Mieten als wichtigen Wunsch zur Wohnsituation. Bezahlbarer Wohnraum wird nicht nur in Berlin, sondern auch in den wachsenden Gemeinden Brandenburgs knapp. Das stellt vor allem Geringverdienende vor Probleme – unter ihnen Azubis. Nur knapp die Hälfte der alleine lebenden Auszubildenden kann die eigene Wohnung ohne Hilfe von Staat oder Eltern bezahlen, hat der Ausbildungsreport ermittelt. Von der Ausbildungsvergütung kann über die Hälfte der jungen Leute nicht gut leben.

Die Mietpreise wirken sich auch auf die Fahrzeiten aus: Auszubildende in Berlin und Brandenburg sind im Durchschnitt länger zum Betrieb unterwegs als bundesweit. Während Berufsschulen und Betriebe in Berlin überwiegend gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen sind, klagen in Brandenburg 32 Prozent über schlechte Anbindung des Betriebs an den ÖPNV.

Carolin Hasenpusch, Bezirksjugendsekretärin: „Auszubildende im Jahr 2020 haben überwiegend eine andere Lebenssituation, als es vor zehn und 20 Jahren üblich war – schon alleine, weil Azubis heute durchschnittlich älter sind. Ein eigenständiges Leben in einer eigenen Wohnung ist Teil des Erwachsenwerdens. 65 Prozent der Auszubildenden würde gerne von zu Hause ausziehen – die wenigsten können sich das aber aus eigener Tasche leisten. Es muss dringend mehr bezahlbarer Wohnraum für Auszubildende geschaffen werden.“

Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg: „Ausbildung darf in der Corona-Krise nicht unter die Räder kommen. Gleichzeitig muss an den strukturellen Schwächen gearbeitet werden – denn Fachkräfte kann man nicht backen. Der DGB-Ausbildungsreport belegt einmal mehr den dringenden Handlungsbedarf, Wohnheime für Azubis zu errichten. Der DGB fordert deshalb Landesprogramme für Azubi-Wohnheime in Berlin und Brandenburg. Besonders im ländlichen Raum Brandenburgs bleibt die Mobilität die zweite große Hürde, wenn für duale Ausbildung überzeugend geworben werden soll.

Bei der Digitalisierung müssen schon lange fällige Fortschritte kommen. Die Berufsschulen müssen endlich flächendeckend mit Breitbandanschlüssen versorgt werden, die Betriebe müssen die Jugendlichen gezielter auf die Nutzung digitaler Technologien vorbereiten. Die Sofortmaßnahmen zur Stützung der Ausbildung in der Pandemie begrüßen und unterstützen wir. Dabei sollten die Ausbildungsprämien für Unternehmen, die ihr Ausbildungsangebot aufrechterhalten oder aufstocken noch einfacher zugänglich werden, damit sie auch abgerufen werden. Wichtig ist, dass Landespolitik und Sozialpartner den Mut auch zu strukturellen Lösungen haben, wie beim neuen Ausbildungshotel in Berlin, das jetzt zur rechten Zeit kommt.“

Dokumente:
DGB-Ausbildungsreport Factsheet 2020
DGB-Ausbildungsreport 2020
                  


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Nina Lepsius

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