Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 03/2020 - 30.01.2020
Sozialpolitik

DGB-Rentenreport 2020: Neurenten für Männer sinken

Rückgang im Osten Berlins besonders stark

Männer, die aktuell in Rente gehen, erhalten eine spürbar niedrigere Rente als ältere Rentner. Besonders stark ist der Rückgang im Osten Berlins. Hier liegen die Neurenten für Männer im Monat gut 200 Euro unter den Bestandsrenten. Dies ist ein Ergebnis des Rentenreports, den der DGB Berlin-Brandenburg am Donnerstag vorgestellt hat. Darin beleuchtet der gewerkschaftliche Dachverband auf Grundlage von Daten der Deutschen Rentenversicherung die Entwicklung der Renten in Berlin und Brandenburg.

„Unsere wichtigste Botschaft ist eine sehr grundsätzliche“, sagte der DGB-Bezirksvorsitzende Christian Hoßbach, „die rentenpolitischen Rückschritte der Nullerjahre und der gewachsene Niedriglohnsektor schlagen sich jetzt bei den Rentenzugängen nieder. Es ist hohe Zeit, niedrige Renten zu stärken und für die Zukunft umzusteuern, sonst droht vielen in unserer Region Altersarmut.“

Die Zahl der Rentenversicherten, die im Alter von Armut bedroht sind ist weiter gestiegen, berichtet der DGB. Dasselbe gelte für die Zahl der Fürsorgeempfänger. Inzwischen seien bereits mehr als 100.000 Menschen in unserer Region auf Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung angewiesen. Vor allem Erwerbsminderungsrentner können oftmals nicht von ihrer Rente leben. Hier besteht laut DGB trotz der erfolgten gesetzlichen Verbesserungen Handlungsbedarf.

„Dass so viele auf Fürsorgeleistungen der öffentlichen Hand angewiesen sind, muss als Weckruf verstanden werden. Die Rentenversicherung muss wieder ihren Hauptzweck erfüllen und mit einem den Lebensstandard sichern. Die Versicherten brauchen Sicherheit, dass sie vor dem finanziellen Abstieg geschützt sind. Damit wenigstens langjährig Versicherte vor dem Gang zum Sozialamt bewahrt werden, muss die zwischen SPD und Union verabredete Grundrente zügig und ohne Verwässerung verabschiedet werden“, fordert der DGB-Vorsitzende Hoßbach.

Für Berlin und Brandenburg ist die Entwicklung der gesetzlichen Rente besonders wichtig, denn die Alterseinkommen bestehen in der Region fast ausschließlich aus der gesetzlichen Rente. Betriebsrenten und andere Alterseinkünfte sind in Ostdeutschland deutlich seltener. Das gesunkene Rentenniveau, häufige Arbeitslosigkeit und verbreitete Niedriglöhne haben aber die Rentenansprüche von vielen Menschen schwer beschädigt. Der DGB fordert Entscheidungen, um die Rente zukunftsfest zu gestalten. Hoßbach: „Das Rentenniveau muss dauerhaft gesichert werden. Gleichzeitig muss tarifgebundene Arbeit wieder der Normalfall in unserer Region werden. Denn gute Löhne sorgen für ausreichend Rentenbeiträge. Und statt später Niedrigrenten aufzustocken, müssen Berlin und Brandenburg jetzt von ihren Auftragnehmern Tariftreue verlangen.“

Von niedrigen Rentenzahlungen sind insbesondere Frauen betroffen. Sechzig Prozent der neuen Altersrenten für Frauen liegen unter oder nur knapp über der statistischen Armutsschwelle. Diese beträgt für einen Einpersonenhaushalt 1035 Euro. Aber auch 51 Prozent der männlichen Neurentner in unserer Region erhalten eine gesetzliche Altersrente nur in dieser Höhe. In der Folge steigen die Zahlen derjenigen, die nach dem Renteneintrittsalter weiterhin arbeiten gehen, weil sie ihre Rente aufbessern müssen.

Niedrige Renten haben ihre Ursache regelmäßig auf dem Arbeitsmarkt. Etwa 40 Prozent der Beschäftigten arbeiten in Teilzeit, in Minijobs oder in befristeten Arbeitsverhältnissen. Diese prekären Arbeitsformen mit häufig niedrigen Löhnen und geringen Beiträgen zur Rente vergrößern das Risiko von Altersarmut. „Der Niedriglohnsektor muss deshalb dringend eingedämmt werden“, fordert Christian Hoßbach.

Ähnlich ist die Lage bei den Soloselbständigen, von denen es nirgends in Deutschland so viele gibt wie in Berlin. Ihr mittleres Einkommen liegt etwa 500 Euro unter dem der abhängig Beschäftigten. Viele können sich die bislang freiwillige Absicherung für das Alter nicht leisten. Deshalb drohen bei vielen Kleinstselbständigen finanzielle Lücken im Rentenkonto. Der DGB fordert, dass auch sie in den Schutz der gesetzlichen Rentenversicherung einbezogen werden müssen.

Damit alle Beschäftigten bis zum Rentenalter gesund und in Arbeit durchhalten können, mahnt der Gewerkschaftsbund zugleich einen besseren Gesundheitsschutz in den Betrieben an. Insbesondere wachsender Stress und hoher Zeitdruck auf Arbeit gefährden immer stärker die Gesundheit der Arbeitnehmer. So sind psychische Erkrankungen inzwischen der Hauptgrund, warum Menschen krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten können und eine Erwerbsminderungsrente beantragen müssen. Hier sieht der DGB die Arbeitgeber in der Pflicht, ihrer Fürsorgepflicht gegenüber den Beschäftigten konsequent nachzukommen. 


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