Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 13/2021 - 09.03.2021
DGB/Frauen/Gleichstellung/Gender Pay Gap

DGB Berlin-Brandenburg: Corona-Rückschlag bei Gleichstellung schnell überwinden – Entgeltlücke zwischen Geschlechtern schließen

„Der Umgang mit der zusätzlichen Sorgearbeit in der Corona-Pandemie war für Frauen in der Bundesrepublik ein gleichstellungspolitischer Rücksturz um Jahrzehnte“, sagte der Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Christian Hoßbach, am Dienstag in Berlin. Eine entscheidende Ursache für diese Fehlentwicklung sei die Entgeltlücke, die erwerbstätige Frauen beim Verdienst benachteiligt. „Die Krise hat seit Jahren vorhandene Defizite verstärkt und endlich ins öffentliche Bewusstsein getragen“, so Hoßbach.

Aufgrund von Kita- und Schulschließungen hätten überwiegend Frauen ihre Arbeitszeit reduziert, um Mehrbelastungen durch Homeschooling, Kinderbetreuung und Haushalt aufzufangen. „Unsere Aufgabe ist es nun, gleichstellungspolitisch schnell ins Jahr 2021 zurückzukehren.“ 

Zwei Drittel der Mütter gaben bereits nach dem ersten Lockdown vor einem Jahr an, die zusätzliche Betreuung der Kinder allein getragen zu haben, „und das ist inzwischen ganz bestimmt nicht besser geworden“, sagte Hoßbach. Lediglich ein Drittel habe diese Aufgaben mit dem Partner geteilt. Hoßbach: „Das überrascht nicht, aber enttäuscht. Arbeitgeber, Politik und Gesellschaft müssen jetzt den Frauen den Rücken stärken, damit sie ihre berufliche Laufbahn fortsetzen und auf ihr ursprüngliches Stundenvolumen zurückkehren können. Langfristig muss es darum gehen, die unbezahlte Sorgearbeit zu Hause und die bezahlte Erwerbsarbeit besser zwischen den Geschlechtern zu verteilen.“ 

Verantwortlich für den „Equal Pay Gap“  ist laut Hoßbach die Tatsache, dass Frauen häufiger in schlechter bezahlten Branchen arbeiten, öfter in Teilzeit tätig sind und seltener Führungspositionen erreichen. Um hier gegenzusteuern sei es notwendig, den Niedriglohnsektor auszutrocknen und die Tarifbindung zu erhöhen. Ansonsten seien niedrige Renten und folglich Altersarmut vorprogrammiert. Wir brauchen daher wieder mehr Betriebe mit Tarifverträgen, die gute Arbeit und eine gute Bezahlung gewährleisten. Zudem müssen Minijobs ab dem ersten Euro sozialversicherungspflichtig werden und der Mindestlohn ist so schnell wie möglich auf mindestens 12 Euro anzuheben“, fordert Hoßbach. Die Lohnlücke sei zwar in Ostdeutschland weniger groß als im Bundesdurchschnitt (Berlin: 10% Unterschied zwischen Männer- und Frauen-Stundenverdiensten, Brandenburg 6% Unterschied, Bundesdurchschnitt: 18% Unterschied). Das hänge mit traditionell höherer Vollzeit-Erwerbstätigkeit der Frauen in Ostdeutschland zusammen. Hier zu beachten sei allerdings das insgesamt niedrigere Einkommensniveau für Frauen und Männer in Ostdeutschland, stellt der DGB abschließend fest.

 

Hintergrund

Der Equal Pay Day markiert den Tag, bis zu dem Frauen in Deutschland über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssten, um rechnerisch auf das durchschnittliche Jahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen – in diesem Jahr ist das der 10. März.


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