Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 31/12 - 30.05.2012
Kampagne in Brandenburg

Arbeiten bis zum Umfallen: Leiharbeit und Niedriglohn führen in die Sackgasse

Für viele Beschäftigte in Brandenburg kennzeichnen ungeschützte Arbeitsbedingungen und Löhne unter dem Existenzminimum das Arbeitsleben: Leiharbeit, Teilzeitarbeit und der Niedriglohnsektor insgesamt weiten sich aus. Rund 280.000 sind mittlerweile atypisch beschäftigt. 14 Prozent der Brandenburger müssen mit rd. 700 Euro netto im Monat auskommen; Leiharbeiter verdienen rd. 40 Prozent weniger als ein durchschnittlicher Beschäftigter.

Geringverdiener, so eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), arbeiten vielfach bis zu 50 Stunden die Woche, um überhaupt finanziell über die Runden zu kommen und keine staatliche Unterstützung als Aufstocker in Anspruch nehmen zu müssen.

Gründe genug für den DGB, sich in einer regionalen Kampagne für „Arbeit und Menschenwürde“ stark zu machen und die Problematik mit Straßentheater, Infoständen und Diskussionsveranstaltungen in verschiedene Städte (Ludwigsfelde, Finsterwalde, Cottbus, Eisenhüttenstadt, Eberswalde, Prenzlau, Oranienburg sowie Potsdam und Brandenburg) zu tragen.

Am 4. Juni 2012 findet der Auftakt der sogenannten Sklavenkarawane in Ludwigsfelde statt, die von den regionalen DGB-Kreisen getragen wird.

Zentrale Forderungen dabei sind ein gesetzlicher Mindestlohn von 8 Euro 50 sowie stärkere Mitbestimmungsrechte beim Einsatz von Leiharbeit.

Bei einem Pressegespräch wies die Vorsitzende des DGB, Bezirk Berlin-Brandenburg, Doro Zinke, darauf hin, dass der DGB u. a. mit seiner Broschüre zum „Billiglohngebiet Brandenburg“ vor Jahren das Thema prekäre Beschäftigung und Armutslöhne auf die politische Agenda setzte.

Zinke unterstrich, dass der Niedriglohnsektor nicht nur auf die Löhne allgemein drücke (die Reallöhne liegen wieder auf dem Niveau der 90er Jahre), sondern gerade in Brandenburg viele junge und qualifizierte Menschen abschrecke und aus dem Land treibe. Das sei angesichts des aufkommenden Fachkräftemangels für die regionale Wirtschaft verhängnisvoll.


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