Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 47/12 - 31.08.2012

Viel Arbeit, wenig Lohn: Ausbildung kein Zuckerschlecken

Ausbildungsfremde Tätigkeiten, karge Entlohnung, des öfteren Überstunden: Ausbildung ist auch in diesen Zeiten des angeblichen Fachkräftemangels kein Zuckerschlecken. Zumindest für den Berliner Ausbildungsmarkt kann derzeit noch keine Entspannung gegeben werden. Nimmt man die Altnachfrager, junge Leute aus Kursen der Arbeitsagentur und solche, die sich nach der Schule weitergebildet haben, dann drängen immer noch Tausende auf den Ausbildungsmarkt. Eine Lücke öffnet sich vor allem bei zukunftsorientierten Ausbildungsplätzen, von denen in einigen Regionen Brandenburgs zu wenige existieren. Zum Start des neuen Ausbildungsjahres appellierte Doro Zinke, Vorsitzende des DGB, Bezirk Berlin-Brandenburg deshalb an die Unternehmen, Vorsorge zu tragen und sich rechtzeitig um qualifizierten Nachwuchs zu kümmern, um so der drohenden Abwanderung einen Riegel vorzuschieben. In Brandenburg verlassen immerhin rd. 13.000 junge Arbeitskräfte pro Jahr das Land.

Sorge bereitet dem DGB, dass nur ein Viertel der Auszubildenden in der Region eine Übernahme in den Beruf erwarten kann; nur jeder vierte Betrieb bildet derzeit noch aus. Bei einer durchschnittlichen Ausbildungsvergütung von 533 Euro im Monat erscheint es nahezu ausgeschlossen, ohne Nebenjob über die Runden zu kommen. In der außerbetrieblichen Ausbildung verdient ein Drittel sogar weniger als 250 Euro, so das Ergebnis einer DGB-Untersuchung.

Zinke kreidet in diesem Zusammenhang auch Verstöße gegen das Berufsbildungs- und das Jugendarbeitsschutzgesetz an, die keine Kavaliersdelikte darstellten. Wer ständig Überstunden machen müsse oder wem der Berufsschulunterricht verweigert werde, könne nicht qualifiziert ausgebildet werden. Ohnehin beklagt ein Viertel der jungen Menschen, dass sie keinen Ausbildungsplan in ihrem Betrieb hätten.

Gravierende Mängel sieht die DGB-Vorsitzende bei den Ausbildungsbedingungen im Hotel- und Gaststättenbereich, der ja eine entscheidende Rolle bei einem attraktiven Tourismus spiele: Wenn ständig Überstunden gemacht werden müssten, Wochenendarbeit die Regel werde, keine Freistellung für die Berufschule erfolge, würden die Jugendlichen eher abgeschreckt, hier eine Lehre zu beginnen. Kein Wunder, wenn die Branche händeringend junge Menschen suche. Mit der Qualität der Ausbildung wachse auch die Identifizierung mit dem Beruf und schaffe so motivierte Beschäftigte, sagte die DGB-Vorsitzende.


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