Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 27/17 - 20.09.2017

DGB: IHK diskriminiert junge Menschen – Jugendliche nicht schuld an Ausbildungsmisere

„Es ist völlig inakzeptabel, dass die Unternehmen die Schuld für die zurückgehende Zahl an Ausbildungsverträgen bei den Jugendlichen abladen“ kritisiert Doro Zinke, Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg. Der Gewerkschaftsbund widerspricht damit den Äußerungen der IHK Berlin in ihrem gestern erschienenen „Bildungspolitik aktuell“, dass die Lehrstellenlücke nur auf dem Papier existiere. Die IHK behauptet, sie hätte alle 6.264 Jugendliche eingeladen, die im August 2017 als unversorgte Bewerber/innen galten, aber 81 Prozent dieser Jugendlichen seien nicht zur Last Minute Börse erscheinen.

Dazu erklärt Doro Zinke, Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg:

„Die Unternehmen versuchen sich mit billigen Tricks aus ihrer Verantwortung zu stehlen. Statt einer zukunftsorientierten Beschäftigungspolitik mit Ausbildungsoffensive wird versucht, die vorhandenen Probleme wegzudiskutieren. Viele Jugendliche schreiben 40 und mehr Bewerbungen, sie besuchen mehr als sechs Ausbildungsmessen und erhalten trotzdem keinen Ausbildungsplatz. Allein im letzten Jahr fehlten mehrere tausend Ausbildungsstellen in Berlin.“

Zinke kritisiert die IHK: „Unsere Frage richtet sich daher an die IHK: wie ist es möglich, dass auf dem Papier zwar eine höhere Anzahl an Ausbildungsplätzen existiert, die Zahl der geschlossenen Ausbildungsverträge jedoch zurückgeht? Wo sind diese zusätzlichen Ausbildungsplätze? Da sich viele Jugendliche bei der Agentur nicht Ausbildungsplatz suchend melden, könnte die Lehrstellenlücke sogar noch größer sein als vermutet. Zudem ist bekannt, dass sich viele Firmen erst im September entscheiden, welchen Auszubildenden sie einstellen.

Wir ärgern uns über die kurzsichtige Politik der IHK. Wenn die Unternehmen in Zukunft qualifizierte Fachkräfte einstellen wollen, müssen sie sich heute darum bemühen junge Menschen für eine Ausbildung zu gewinnen. Anstatt diese Unterstützung anzunehmen und in die Zukunft zu investierten, nörgeln die Unternehmen an den jungen Menschen herum. Es existiert eine Vielzahl an staatlichen Hilfen, um weniger qualifizierten Jugendlichen die Absolvierung einer betrieblichen Ausbildung zu ermöglichen. Das Berliner Handwerk ist ein positives Beispiel dafür, wie dies funktionieren kann. Wir fordern die IHK auf, einen konstruktiven Beitrag dazu zu leisten, das Vertrauen in die duale Ausbildung zu stärken.“


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Nina Lepsius

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