Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 12/2020 - 13.03.2020
Corona-Pandemie in Berlin

DGB zu Senatsentscheidungen für den Umgang mit der Corona-Pandemie

Zu den Entscheidungen des Berliner Senats für den Umgang mit der Corona-Pandemie sagt Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg:

„Klare Entscheidungen und klare Kommunikation zum Abbremsen der Infektionen sind wichtig – dabei sind wir ganz auf der Seite des Berliner Senats. Die Gewerkschaften unterstützen eine gute und gerechte Umsetzung der Maßnahmen in den betroffenen Bereichen. Betriebs- und Personalräte sind zentrale Ansprechpartner, Mitbestimmung hat sich im Management verschiedener Krisensituationen bewährt.

Vordringlich ist, dass die kritische Infrastruktur etwa des Gesundheitssektors, der Polizei und Feuerwehr, funktionsfähig bleibt. Dafür sind die heute angekündigten Notfallbetreuungen für Kinder von Beschäftigten aus den betroffenen Berufsgruppen wichtig. Diese Kinderbetreuung sollte freiwillig von gesunden und belastbaren Erzieherinnen und Erziehern übernommen werden. Wir möchten an alle Arbeitgeber appellieren, nach Kräften mitzuziehen. Wenn etwa die Mutter eines Kindes als Ärztin unabkömmlich ist und der Vater nicht in einem systemrelevanten Bereich arbeitet: Ermöglichen Sie, dass Ihr Mitarbeiter sein Kind betreut und damit das Funktionieren unserer Gesundheitsversorgung unterstützt.

Die Schließung der Berliner Schulen ab nächster Woche stellt darüber hinaus alle Beschäftigten mit Kindern vor große Herausforderungen. Ersatzbetreuung durch Großeltern, auch da wo sie vor Ort leben, ist keine Option. Unternehmen sollten deshalb Eltern faire Lösungen anbieten, damit die Corona-Welle nicht zu existenziellen Nöten führt. In vielen Bereichen der Berliner Wirtschaft ist Home-Office organisatorisch möglich. Wo das nicht geht, können gemeinsam mit Interessenvertretungen andere Wege gefunden werden.

Die gesundheitliche Krise hat bereits heftige Folgen für die Arbeitsmarkt- und Wirtschaftsentwicklung. Hierzu sind die auf der Bundesebene getroffenen Verabredungen hinsichtlich Kurzarbeitergeld, Investitionen und Liquiditätshilfen sinnvoll. Für die regionale Berliner Situation muss berücksichtigt werden, dass bisher besonders solche Branchen betroffen sind, die sich durch niedrige Löhne und schlecht ausgeprägte Sozialpartnerschaft auszeichnen. Hier werden sehr viele Minijobberinnen und Minijobber, Teilzeitbeschäftigte, Mindestlohn-Beschäftigte und erst recht Soloselbständige binnen kürzester Zeit in soziale Notlagen geraten. Ämter müssen auf steigende Fallzahlen vorbereitet sein, Unterstützungsangebote gerade für diese Gruppen müssen bereitgehalten werden.“


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