Deutscher Gewerkschaftsbund

24.06.2021
Transformation der Industrie in der Stadt:

Ökonomisch und sozial-ökologisch gestalten

Steuerungskreis Industriepolitik gibt Impulse auf Tagung in Berlin

Am Donnerstag traf sich der „Steuerungskreis Industriepolitik des Regierenden Bürgermeisters“ (SKIP) zum letzten Mal vor der Wahl am 26. September im Roten Rathaus. Der Senat hat vor zehn Jahren dazu Gewerkschaften, Unternehmerverbände und politische Akteure an einen Tisch geholt. Die systematische Arbeit trägt Früchte:

Energie, Mobilität und Pharma- sowie Gesundheitsindustrie sind laut einer Studie „Industrie in der Stadt“ im Auftrag des SKIP die zukunftsträchtigsten Industriefelder in Berlin. Der SKIP hat die Erkenntnisse und die daraus abgeleiteten Handlungsempfehlungen der Beratungsfirma Sustain Consult als Rahmen für die weitere Berliner Industriepolitik empfohlen.

Im Zentrum der Diskussion stand, wie die besonderen Potenziale Berlins als Wissenschafts- und Forschungsstandort sowie als StartUp- und Digitalisierungsmetropole optimiert werden können. Stichworte hierzu waren die bessere Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft sowie das Thema Fachkräfte und Aus- und Weiterbildung.

Der Regierende Bürgermeister von Berlin, Michael Müller (SPD), regte eine Fortsetzung der industriepolitischen Strategiearbeit auch nach der Abgeordnetenhauswahl an. Denn er sieht Berlin in einer starken Ausgangslage für die Transformation. „Wissenschaft, Forschung und unser starker Start Up- und Digitalisierungsstandort machen Berlin zum ThinkTank für neue Industrie und zukunftsträchtige Innovationen. Diese Chance müssen wir nutzen, um Berlin als Innovations- und Industriemotor für Deutschland weiter zu etablieren. Davon wird besonders auch der ostdeutsche Wirtschaftsstandort profitieren.“ Ziel sei, den Standort und vor allem die Arbeitsplätze mindestens zu sichern, am besten aber auszubauen.

Und was sagen die Gewerkschaften dazu?

Porträt: Christian Hoßbach

DGB

Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB-Bezirks Berlin-Brandenburg: „Der Steuerungskreis Industriepolitik hat ein Jahrzehnt kontinuierlicher Arbeit hinter sich. In dieser Zeit sind konkrete Projekte angestoßen worden. Insbesondere aber ist es gelungen, das Bewusstsein für Industrie in der Stadt zu schärfen. Diese gemeinsame Arbeit mit den verschiedenen Ressorts wird künftig noch wichtiger werden. Klimawandel und digitale Transformation werden die Nachfrage nach Produkten stark verändern. Gleichzeitig wandeln sich Arbeitsorganisation und Qualifikationsprofile in den Betrieben. In diesem Wandel stecken durchaus Chancen für die Berliner Industrie. Sie zu realisieren, dabei auch den Kernbereich der Produktion zu stärken, verlangt den klaren Blick von Politik, Verwaltung und Wirtschaftsförderung auf die konkreten betrieblichen Bedarfe und natürlich die Bereitschaft zur Weiterentwicklung der vorhandenen Strategien und Instrumente. Der Steuerungskreis hat schon Ende 2019 einen Prozess angestoßen, Themen und Strategieempfehlungen für die nächste Etappe der Berliner Industriepolitik zu erarbeiten. Wir haben dazu heute ein Papier diskutiert, das helfen soll, die zwanziger Jahre zu einem Jahrzehnt moderner Industrie in Berlin mit guten Arbeitsplätzen werden zu lassen.“ 

 

Porträt: Stephanie Albrecht-Suliak

Stephen Petrat

Stephanie Albrecht-Suliak, stellvertretende Landesbezirksleiterin der IG BCE Nordost: „Die industrielle Arbeitswelt der Zukunft ist nachhaltig, innovativ und vielfältig. Deshalb ist unsere Erwartungshaltung an die zukünftige Berliner Landesregierung groß. Denn das pulsierende Berlin braucht eine aktive und verantwortungsvolle Industriepolitik im Zeichen von Zukunftstechnologien. Hervorheben möchte ich die Bedeutung der industriellen Gesundheitswirtschaft in Berlin und in der Region sowie die Tatsache, dass wir in diesen Branchen seit Jahren das Ausbildungsniveau hochhalten, um den Fachkräftemangel entgegenzuwirken und der Jugend eine gute Zukunft zu sichern. Damit dies auch nach der Pandemie so bleibt und im Sinne der Beschäftigten sowie der Unternehmen weiterentwickelt werden kann, fordern wir auch zukünftig ein kooperatives und planvolles Zusammenspiel und eine aktive Industriepolitik aller Akteure.“

Porträt: Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin

Christian v. Polentz / transitfoto.de

Jan Otto, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Berlin: „Die Transformation der Berliner Industrie vollzieht sich vor dem Hintergrund des Klimawandels – besonders im Mobilitäts- und Energiesektor sowie in der Medizintechnik. Sie muss nicht nur ökonomisch, sondern vor allem sozial-ökologisch glaubwürdig gestaltet werden. Das ist entscheidend für den Zusammenhalt in unserem Land. Berlin ist Brennglas für zahlreiche Entwicklungen in den Bereichen Mobilität, Energie und Medizintechnik.

Es gilt, grundsätzlich eine höhere Wertschöpfung zu denken sowie die angestrebte Treibhausneutralität mit industriellem Wachstum und guter Arbeit im Sinne der Beschäftigten zu gestalten. Aus Ideen müssen neue industrielle Produkte und Projekte entstehen. Der Bedarf der Betriebe und deren Beschäftigten muss im Fokus stehen. Transformation muss bewirken, dass eine zukunftsgewandte, nachhaltige Industrie mit qualifizierter und gut bezahlter Arbeit entsteht, die letztlich zum Standortvorteil wird. Auch die IG Metall selbst und ihre Akteure müssen sich verändern, um ihre organisationspolitische Kraft auszubauen und so die aktuellen Herausforderungen der Transformation bestmöglich offensiv zu gestalten.“

TRANSFORMATIONSKONFERENZ DER IG METALL BERLIN AM 2- SEPTEMBER

Steuerungskreis Industriepolitik 24.6.2021: Industrie in der Stadt - Zukunftsbranchen in Berlin


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