Deutscher Gewerkschaftsbund

11.06.2020
Infektionsschutzgesetz

Lohnersatz für Eltern in der Corona-Pandemie - gewusst wie

Lohnersatz für Eltern in Corona-Zeiten: Wer durch die Schließung von Kitas und Schulen nicht oder nur tagesweise arbeiten kann, hat ein Recht auf Entschädigung des Verdienstausfalls.

Wie beantrage ich das Geld?

Die Entschädigungsleistung für abhängig Beschäftigte zahlt der Arbeitgeber aus, der auch den Antrag stellt. Selbständige beantragen und erhalten sie direkt von der zuständigen Behörde.

- in Berlin:

In Berlin kann die Entschädigung inzwischen auch online beantragt werden.
Information zur Entschädigungsleistung
Antrag für Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber
Antrag für Selbständige

- in Brandenburg:

Information und Antragsstellung über das zentrale Infoportal "Entschädigung nach dem Infektionsschutzgesetz".

 

Wer hat Anrecht auf Entschädigung?

Einen Entschädigungsanspruch haben Sorgeberechtigte mit Kindern unter 12 Jahren - für Kinder, die wegen einer Behinderung betreuungs- oder pflegebedürftig sind, gilt keine Altersgrenze. Voraussetzung ist, dass die Eltern wegen der behördlich angeordneten Schließung von Kitas, Schulen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung ihr(e) Kind(er) selbst betreuen müssen und keine andere zumutbare Betreuungsmöglichkeit haben.
Beschäftigte, die von zu Hause aus arbeiten können, haben leider keinen Anspruch - der DGB hat das kritisiert, weil nach unserer Auffassung die Arbeit im Homeoffice keine "zumutbare Betreuungsmöglichkeit" ist.


Wie lange wird die Entschädigung gezahlt?

Die Entschädigung wird für höchstens zehn volle Wochen gezahlt - pro Elternteil. Dies hat der Bundestag Ende Mai neu geregelt - nachdem anfangs eine Befristung auf sechs Wochen galt. Alleinerziehende haben einen Anspruch auf Entschädigung für die Dauer von bis zu 20 Wochen.
Neu geregelt wurde auch, dass die Entschädigung tageweise (aber nicht stundenweise) in Anspruch genommen werden kann. Wird der Verdienstausfall nicht für volle Wochen beantragt, verlängert sich die mögliche Bezugsdauer entsprechend.


Wie hoch ist die Entschädigungsleistung?

Die Entschädigung beträgt 67 Prozent des entstandenen Verdienstausfalls, höchstens aber 2016 Euro pro Monat.

 

Was fordert der DGB?

Wie beim Kurzarbeitergeld gilt für die Entschädigung bei Betreuungsausfall: 67 Prozent vom letzten Netto sind zu wenig, vor allem für Beschäftigte mit niedrigen Einkommen.
Der DGB fordert darum:

  • Die Entschädigung muss als Familiensoforthilfe in Höhe von mindestens 80 Prozent vom Nettoeinkommen gezahlt werden.
  • Auch pflegende Angehörige brauchen Lohnersatz, wenn sie wegen Schließung von Pflegeheim/Tagesbetreuungseinrichtung ihre nahen Angehörigen jetzt zu Hause pflegen.
  • Zusätzlich zur Entschädigung ist ein klarer Freistellungsanspruch gegenüber dem Arbeitgeber nötig - und ein Sonderkündigungsschutz, wie ihn Beschäftigte in Elternzeit haben.
  • Homeoffice ist keine zumutbare Betreuung für Kinder unter 12 Jahren und darf die Entschädigung nicht ausschließen.
  • Die Entschädigung muss für die gesamte Dauer des Betreuungsausfalls gezahlt werden.

 

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