Deutscher Gewerkschaftsbund

02.07.2010

Band für Mut und Verständigung 2010

Am heutigen Freitag, den 02. Juli 2010 verlieh das Bündnis der Vernunft gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit das „Band für Mut und Verständigung“ zum 17. Mal. Ausgezeichnet wurden Bürgerinnen und Bürger aus Berlin und Brandenburg, die sich aktiv gegen Rassismus und Rechtsextremismus einsetzten und damit einen Beitrag zu einer offeneren und toleranteren Gesellschaft leisten.Ministerpräsident Platzeck, der seine Teilnahme aufgrund der Vereidigung des neuen Bundespräsidenten leider kurzfristig absagen musste, wurde vertreten durch den Kulturstaatssekretär des Landes Brandenburg, Martin Gorholt.

In seiner Rede wies dieser darauf hin, dass Brandenburg sich verändert habe, offener und toleranter geworden ist. Rechtsradikale seien im Stadtbild seltener, Bekenntnisse zu Gewaltfreiheit und demokratischen Werten häufiger geworden. Und dennoch: „Jeder einzelne rassistische oder radikale Vorfall ist einer zu viel.“

Die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger sind für Gorholt Menschen, „die nicht danach fragen wer zuständig ist. Sie tun selbst etwas. Stellvertretend für viele andere haben sie bewiesen, dass Mut und Verständigung viel bewegen können. Und sie schaffen ein Band, das die Menschen in unserer Region zusammenhält. Die Auszeichnung soll sie bestärken ihren Weg weiterzugehen und andere motivieren mitzumachen.“

Die PreisträgerInnen des „Bandes für Mut und Verständigung 2010“ sind:

Bündnis gegen Rechtsextremismus Wittstock und Umgebung

Wittstock, eine Kleinstadt in Brandenburg, geriet zwischen 1999 und 2001 mehrfach in die Schlagzeilen. Ein Dönerimbiss brannte, Geschäfte von Vietnamesen wurden zum Ziel von Anschlägen und schließlich wurden auch Menschen angegriffen. Eines der Opfer, ein junger Russlanddeutscher, erlag seinen schweren Verletzungen. Im Jahr 2001 gründete sich daraufhin das „Bündnis gegen Rechtsextremismus Wittstock und Umgebung“, welches bis heute durch zahlreiche Aktionen und stetiges Wirken auf sich aufmerksam macht.

Eingebunden in dem Bündnis sind zahlreiche Bürger der Kleinstadt, aber auch viele Organisationen und Institutionen, wie z. B. die Wittstocker Polizeiwache und der Leiter des Truppenübungsplatzes Kulmühle. Ihr Ziel ist es, jegliche Aktivität von Rechtsgesinnten in der Stadt Wittstock zu verhindern, sei es durch gezielte Gegenaktionen oder durch Störungen auf ganz legitime Art. Ein Beispiel hierfür ist die „KEHRAUS“-Aktion des letzten Jahres, als 100 Bürgerinnen und Bürger mit Besen ausgerüstet den Marktplatz von braunem Müll reinigten, nachdem die rechtsextreme Szene einen Aufmarsch zu Ehren Rudolf Heß angekündigt hatte.

Für den Bürgermeister der Stadt Wittstock hat das langjährige, unermüdliche Engagement des Bündnisses ganz entscheidend zu einem positiveren Stadtbild beigetragen. Doch auch weiterhin gibt es viel zu tun, besonders die neue Generation gilt es im Kampf gegen rechtes Gedankengut zu stärken. Das Bündnis gegen Rechtsextremismus Wittstock und Umgebung bleibt deshalb auch in Zukunft ein starker und unerlässlicher Partner.

FC Internationale Berlin 1980 e.V.

Gegründet vor 30 Jahren, aus Frustration über die Art des Spiels und die Zusammensetzung anderer Vereine, stellt der Verein FC Internationale Berlin heute die meisten Teams in Tempelhof-Schöneberg. SpielerInnen aus 38 verschiedenen Nationen und aus allen Altersgruppen trainieren hier zusammen. Die Trainer sind alle ehrenamtlich tätig und auch die Spieler erhalten kein Geld. Amateursport soll so in seiner ursprünglichen Form ausgeübt und gefördert werden.

Sportlich gesehen ist der Verein längst im oberen Berliner Drittel angekommen, Tendenz steigend. Neben dem sportlichen existierte von Anfang an das politische und soziale Engagement des Vereins. So traten die Spieler immer wieder für Frieden und Toleranz sowie gegen Diskriminierung, Rassismus und Gewalt ein. Anstelle von Werbung spielen die Teams mit dem Aufdruck NO RACISM auf den Trikots. Gegenseitiger Respekt und Verständigung sind wichtige Themen der Vereinsarbeit.

Der Name FC Internationale ist hier Programm, wobei sich der Verein insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit durch sein hohes Engagement auszeichnet. Im Laufe der letzten acht Jahre wurden Kooperationen mit sechs Schulen aufgebaut, 2003 wurde der Verein zum Integrationsstützpunkt. Dem Verein ist es ein besonderes Anliegen, Normalität zu vermitteln. „Berlin ist eine multikulturelle Stadt und genau das wollen wir widerspiegeln.“ In allererster Linie geht es dem FC Internationale Berlin aber natürlich darum, Fußball zu spielen und zu gewinnen. Dafür wünschen sich seine Mitglieder mehr Unterstützung von Seiten der Berliner Politik. Nach 30 Jahren engagierter Arbeit für den Bezirk Tempelhof-Schöneberg hat der Verein noch immer keine wirkliche Heimat in Form eines eigenen Sportgeländes gefunden, obwohl bereits vor fünf Jahren diesbezügliche Versprechen von der Stadträtin gemacht wurden. Die Hoffnung haben die Vereinsmitglieder dennoch nicht aufgegeben und falls die eigene Sportanlage endlich kommen sollte, würden sie sich mit mindestens 30 weiteren Jahren engagierter Arbeit für den Bezirk dafür bedanken.

Potsdamer Integrations- und Schulgarten am Schlaatz

Vor 10 Jahren gründeten MigrantInnen mit Unterstützung des Brandenburgischen Kulturbundes unter dem Motto „Wurzeln schlagen in der Fremde“ den Integrations- und Schulgarten am Schlaatz. Das 3000 qm große ehemalige Schulgartengelände wurde seitdem von seinen mittlerweile circa 40 Mitgliedern in ein kleines Paradies mitten in der Stadt verwandelt. Sie sind, wie sie selber sagen, eine „bunte Truppe“. Familien aus 13 verschiedenen Nationen, u. a. aus Litauen, Ungarn, Rumänien, Russland, Kosovo, Afrika und natürlich Deutschland verfügen hier über ihr eigenes kleines Stück Land, auf dem sie ein Stück Heimat pflanzten.

Mit dem Potsdamer Integrations- und Schulgarten ist für die Menschen ein Ort entstanden, wo immer jemand da ist, mit dem man seine Sorgen und Freuden teilen kann. Zusätzlich ist der Garten ein „Schulzimmer für die deutsche Sprache.“ Er ist zum Lebenselixier geworden, ein Ort, an dem sich Deutsch eingängiger vermittelt als auf der Schulbank. Für die Schüler der benachbarten Grundschule sind die interkulturellen Gärtner wiederum Lehrende, unter deren Anleitung sie Blumengärten und Beete anlegen, lernen, wie man sät, pflanzt und erntet. Gleichzeitig erfahren sie ein Stück über die Heimat der Gärtner.

In den letzten drei Jahren ist der Garten mehrfach das Ziel von Brandanschlägen und Vandalismus geworden. Beim letzten Mal hinterließen die Täter Hakenkreuzschmierereien, gefasst wurden sie nie. Die betroffenen Familien, die Schüler und der Kulturbund haben in dieser schweren Zeit viel Unterstützung und Hilfe erhalten. Engagierte Potsdamer Vereine, Institutionen, Betriebe, Einrichtungen und Vertreter der Politik machten Mut und halfen beim Wiederaufbau dieses bedeutsamen Veranstaltungsortes und Treffpunktes für Familien aus verschiedenen Ländern.


Sonderpreisträger/innen „Band für Mut und Verständigung 2010“

Initiative gegen Rechts Friedrichshain

Die Initiative gegen Rechts Friedrichshain gründete sich im Jahr 2006, nachdem öffentlich bekannt wurde, dass laut polizeilicher Statistik die häufigsten Übergriffe mit rechtsextremen Hintergrund in Friedrichshain stattfanden.

Seitdem engagiert sich die Initiative in vielfältiger Weise für ein tolerantes und offenes Zusammenleben und gegen Rassismus und rechte Gewalt in ihrem Bezirk. Sie führt u. a. das Register zur Erfassung rassistisch, antisemitisch und rechtsextrem motivierter Vorfälle in Friedrichshain in Zusammenarbeit der mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (mbr) und der Opferberatungsstelle „ReachOut“.
Im Sommer 2009 machte die Initiative mit einer kreativen Containeraktion mobil gegen die Eröffnung eines „Thor Steinar“ -Ladens in Friedrichshain, indem sie einen „Infocontainer für Vielfalt und Demokratie“ in einer Parkbucht direkt vor dem Laden platzierte. Mit diesem Projekt lenkte die Initiative die öffentliche Aufmerksamkeit auf die Probleme des Bezirks mit Rechtsextremismus und Rassismus. Sie initiierte außerdem zahlreiche Veranstaltungen und Vernetzungsrunden, in denen z. B. Gewerbetreibende über Möglichkeiten des demokratischen Engagements informiert wurden (Broschüre „Service-Wüste für Nazis - Eine Handreichung für Gewerbetreibende.“ wurde erarbeitet, inkl. Aufkleber für Fensterscheiben und Türen des Gewerbes).
Ein weiterer Schwerpunkt der Initiative gegen Rechts Friedrichshain ist die jährlich stattfindende Biermeile auf der Karl-Marx-Allee, bei der es regelmäßig zu rassistisch motivierten Übergriffen kam. Seit 2006 ist sie dort mit einem Infostand vertreten, im letzten Jahr gestaltete sie das Programm auf einer der Bühnen. Mittlerweile hat sich zu dieser Veranstaltung eine feste Arbeitsgruppe gegründet, in der die Initiative u. a. mit dem Veranstalter und der Polizei zusammenarbeitet.


Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“

Die Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“ gründete sich im Januar 2009 mit dem Ziel, rechtsextremen und antisemitischen Tendenzen in der Stadt Zossen und den Aktivitäten der Freien Kräfte Teltow Fläming in der Region zu begegnen.

Im März 2009 initiierte die Bürgerinitiative ein großes Familienfest für Toleranz, an dem mehr als 700 Menschen aus der Region teilnahmen. Danach wurde das Projekt „Haus der Demokratie“ in Angriff genommen, welches von September 2009 bis Januar 2010 zahlreichen Bildungsprojekten und sozialen Initiativen ein Dach über dem Kopf sowie eine geistige Heimat bot. Bereits wenige Tage nach der Eröffnung wurde das Haus von Unbekannten verwüstet. Durch ihre Kampagnen gegen Neonazis erhielten die Mitglieder des Bürgerbündnisses mehrfach Morddrohungen. Im Januar dieses Jahres wurde das „Haus der Demokratie“ Ziel eines Brandanschlages, wobei es vollständig niedergebrannt wurde. Obwohl erst vor einem Jahr gegründet, hat die Bürgerinitiative „Zossen zeigt Gesicht“, trotz mangelnder Unterstützung von Seiten der Stadtpolitik, bereits einiges bewegen können. Das „Haus der Demokratie“ in Zossen soll wieder aufgebaut werden, seit dem Brandanschlag gingen zahlreiche Spenden von Initiativen und Privatleuten ein. Das Engagement der über fünfzig Ehrenamtlichen ist gelebte Demokratie und steht für ein Bürgerengagement wie es für eine Gesellschaft wichtig ist. Die Initiatoren schauten nicht weg und schufen mit dem „Haus der Demokratie“ einen Ort, an dem Menschen jeden Alters offen und gleichberechtigt miteinander diskutieren.


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