Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 65/18 - 03.12.2018
Ausbildungsreport Berlin-Brandenburg 2018

Überstunden in der Ausbildung nehmen zu / DGB fordert Azubi-Ticket und Wohnheime

Ein Drittel der Auszubildenden leistet regelmäßig Überstunden, für 40 Prozent gehört Schichtarbeit zum Alltag. Das hat der 13. Ausbildungsreport Berlin-Brandenburg ermittelt, den die DGB-Jugend am Mittwoch vorgestellt hat. Schwerpunkt des aktuellen Reports, für den 2083 junge Leute zu ihrer Ausbildung befragt wurden, war das Thema Arbeitszeit.

Die Belastung mit Überstunden hat nach dem Report der DGB-Jugend sogar zugenommen: In den Befragungen des Vorjahres hatten 28 Prozent der Auszubildenden angegeben, regelmäßig Mehrarbeit zu leisten, jetzt sind es 33 Prozent. Weniger als die Hälfte der Befragten gibt an, sich nach der Ausbildung in der Freizeit in der Regel gut erholen zu können. Lange Arbeitszeiten über 40 Wochenstunden leisten vor allem Köche und Köchinnen, Fachkräfte Schutz und Sicherheit sowie Hotel- und Restaurantfachleute.

Zum Ausbildungsmarkt in Berlin und Brandenburg sagt Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg: „Obwohl viele Betriebe Nachwuchs suchen, sind dieses Jahr in Berlin wieder 3445 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz geblieben. Die Ausbildungslosigkeit bei Jugendlichen ist ein gesellschaftlicher Sprengstoff. Auch in Brandenburg suchen jedes Jahr einige Tausend Jugendliche vergeblich einen Ausbildungsplatz, während gleichzeitig etliche Lehrstellen unbesetzt bleiben. Die freien Plätze gibt es oft dort, wo Ausbildungsbedingungen und Vergütung schlecht sind, wo kein Tarifvertrag gilt. Wir brauchen deutlich mehr Tarifbindung, um die Attraktivität der dualen Ausbildung zu steigern. Auch die Ausbildungsbeteiligung der Betriebe ist viel zu niedrig. In Berlin bildet nicht einmal jeder achte Betrieb aus. Außerdem fehlen wichtige Rahmenbedingungen: In Brandenburg brauchen wir eine Mobilitätsoffensive, damit junge Leute nicht abwandern. Betriebe und Berufsschulen müssen gut ans Verkehrsnetz angebunden sein und die Monatskarten für Bus und Bahn bezahlbar, ein günstiges Azubi-Ticket wäre ein gutes Modell. In Berlin ist die Wohnungskrise ein Problem: Hier ist eine Offensive für Azubi-Wohnheime nötig.“

DGB-Bezirksjugendsekretärin Christin Richter erläutert: „Unterm Strich kann man sagen: Die Berufe, in denen ständige Überstunden, Erreichbarkeit und Schichtarbeit für die Azubis alltäglich sind, sind dieselben, die auch bei der Gesamtbewertung der Ausbildungsqualität schlecht abschneiden. Fachkräftemangel und Vertragslösungen in diesen Bereichen sind hausgebacken. Jede dritte Ausbildung in der Region wird vorzeitig abgebrochen. Sehr schnell ertönt dann das alte Klagelied vom nicht ausbildungsreifen Jugendlichen. Statt einer pauschalen Vorverurteilung über die junge Generation, müssen die Betriebe in eine nachhaltige Qualitätsoffensive investieren. Deshalb fordern wir zur Stärkung und positiven Bewerbung der dualen Ausbildung die seit Jahren bekannten Mängel anzugehen. Ein hilfreicher Meilenstein auf dem Weg dahin, wäre die Etablierung einer unabhängigen Beschwerdestelle, an die sich Auszubildende wenden können. Ein Konzept dafür gibt es schon lange, wie das erfolgreiche Beispiel des Azuro-Beratungsbüros in München zeigt.“

 


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