Deutscher Gewerkschaftsbund

14.09.2012
Brandenburgkonferenz 2012

Jobmaschine BER produziert vorwiegend prekäre Arbeit

Auch die Jobmaschine am skandalumwitterten Großflughafen stottert: Für zahlreiche Beschäftigte charakterisieren Outsourcing, Lohndumping und Schwarzarbeit ihr Arbeitsverhältnis; hinter den Glitzerfassaden herrschen Tariflosigkeit und ein Klima der Angst. Doro Zinke, Vorsitzende des DGB, Bezirk Berlin-Brandenburg, verlangte heute auf der Brandenburgkonferenz des DGB unter dem Motto „Fair Play für Gute Arbeit“, soziale und tarifliche Mindeststandards zu gewährleisten. Die anvisierten 40.000 neuen Arbeitsverhältnisse entpuppten sich bei Licht besehen als vorwiegend prekäre Jobs. Das Lohnniveau in Brandenburg liege ohnehin bereits 28 Prozent unter dem des Westens der Republik. Viele Flughafenbeschäftigte seien auf Zweitjobs bzw. auf Aufstockung ihrer kargen Löhne angewiesen.

MP Platzeck begrüßte die Teilnehmer der Brandenburgkonferenz in Schönefeld und appellierte an die Unternehmer im Lande, mit besserer Bezahlung könne etwas gegen den Fachkräftemangel getan werden.

DGB | hp

MP Platzeck begrüßte die Teilnehmer der Brandenburgkonferenz in Schönefeld und appellierte an die Unternehmer im Lande, mit besserer Bezahlung könne etwas gegen den Fachkräftemangel getan werden.

DGB | hp

MP Platzeck begrüßte die Teilnehmer der Brandenburgkonferenz in Schönefeld und appellierte an die Unternehmer im Lande, mit besserer Bezahlung könne etwas gegen den Fachkräftemangel getan werden. Doro Zinke und IG Metall-Bezirksleiter Olivier Höbel rahmen Matthias Platzeck ein.

Möglichkeiten zur Kinderbetreuung, ein gutes Schulangebot, angemessene medizinische Versorgung, eine ordentliche Verkehrsinfrastruktur und die Gewährleistung innerer Sicherheit gebe es nicht zum Nulltarif, so die DGB-Chefin. Auf der Konferenz wurde darüber debattiert, wie die Arbeitsbedingungen von Polizei und Feuerwehr aussehen. Angesichts der ohnehin hohen Belastungen für die Beschäftigten und des enormen Krankenstandes sei eine Pension mit 67 kontraproduktiv, sagte Zinke. Zudem führe das 67-Modell zu erheblichen finanziellen Mehrbelastungen für das Land. Augenscheinlich gehe es hier nur um Prinzipienreiterei. Die bundesweit schärfsten Pläne von Brandenburgs Innenminister sehen vor, dass hoch belastete Berufsgruppen wie Polizistinnen und Feuerwehrleute sieben Jahre länger arbeiten sollen. "Wir müssen dafür sorgen, dass die Bürger nicht plötzlich vor verschlossenen Türen stehen oder gar überarbeitete Helfer in den Einsatz geschickt werden", so Zinke. Wegen des Stellenabbaus sei der Altersschnitt in den letzten Jahren drastisch gestiegen, demnächst würden viele Beschäftigte in Pension gehen. Die Gewerkschaften fordern daher gesunde, alternsgerechte Arbeits-bedingungen und mehr Nachwuchskräfte.

Mangelnde Ausbildungsbereitschaft und die massive Abwanderung qualifizierter Kräfte bilden Hemmschuhe für eine innovative Brandenburger Wirtschaft. Nur mit „Guter Arbeit“ und Qualifikationsangeboten ließen sich attraktive Jobs kreieren: Doch die Betriebe böten vor allem qualifizierten Beschäftigten eine Weiterbildung an; das verarbeitende Gewerbe melde eine Weiterbildungsquote von lediglich 25 Prozent. Abschreckend wirke auf viele Arbeitnehmer auch, dass bereits jedes dritte Arbeitsverhältnis atypisch sei, also aus Leiharbeit, Teilzeitbeschäftigung oder Mini-Jobs bestehe. „Mit geringem Lohn sowie flexibler und atypischer Arbeit lässt sich der Kampf um die Köpfe bei der Fachkräftesicherung nicht gewinnen“, prophezeit die DGB-Vorsitzende Zinke.


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Porträt Annika Klose, Bild: DGB/Nina Lepsius

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