Deutscher Gewerkschaftsbund

09.03.2016
Bestandaufnahme mit "Berichten aus der Arbeitswelt" vom 19. Januar 2016

DGB-Konferenz "Prekäre Beschäftigung": Dokumentation liegt vor

Prekäre Arbeit prägt die Berliner Arbeitswelt: 39 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer waren im Jahr 2014 atypisch beschäftigt. Dabei hinterlässt atypische Beschäftigung tiefe Spuren in der Erwerbsbiographie: niedriges Einkommen, unfreiwillige Teilzeit, Befristung und sonstige Abweichungen vom Normalarbeitsverhältnis bringen viele Menschen in eine längerfristig prekäre Lage mit schlechter Arbeit sowie mit persönlicher, sozialer und wirtschaftlicher Unsicherheit – das Gegenteil von „Guter Arbeit“. Nicht zuletzt hat prekäre Arbeit die Machtbalance von Kapital und Arbeit in den Unternehmen und Verwaltungen verschoben.

Unter dem Titel „Prekäre Beschäftigung in Berlin“ fand am 19. Januar 2016 eine DGB-Konferenz statt, die den Untertitel „Berichte aus der Arbeitswelt“ trug. Denn es ging nicht um eine abstrakte Auseinandersetzung, sondern um die Sicht der Betroffenen. Deshalb wurden Betriebs- und Personalräte sowie betroffene Arbeitnehmer/innen gebeten, Beispiele prekärer Arbeit darzustellen. Die Konferenzbeiträge sind in einer Dokumentation zusammenfasst wiedergegeben, die nun vorliegt.

Dr. Claudia Weinkopf, stellvertretende Leiterin des Instituts für Arbeit und Qualifikation an der Universität Duisburg, leitete grundlegend zu Stellenwert und Auswirkungen der Prekarisierung ein. Sie wies dabei auf das enorme Wachstum prekärer Beschäftigung in Deutschland in den vergangenen 15 Jahren hin: Die Zahl der atypisch Beschäftigten ist seitdem um über 70 Prozent gestiegen. Dabei ist atypische Arbeit durch überwiegend niedrige Löhne gekennzeichnet.

Die Berichte aus der Berliner Arbeitswelt zeigen eines ganz klar: Strategien zur Verbilligung von Arbeit finden sich in Dienstleistungsberufen wie in der Industrie, in Bauberufen wie in der Gastronomie, sogar im Verantwortungsbereich des Staates. Denn das Land Berlin hat in den langen Jahren kompromissloser Sparpolitik die Möglichkeiten der Lohnkostensenkung z. B. durch zusätzliche Ausgliederungen und Arbeitsbefristungen in großem Umfang genutzt. Das Bild der sozialen Stadt hat dadurch erheblichen Schaden genommen.

Der DGB-Bezirksvorstand hat Vorschläge zur Bekämpfung prekärer Beschäftigung in einer Erklärung beschlossen, die diese Dokumentation abrundet: Wir setzen uns ein für eine Arbeitsmarktreform, die Gute Arbeit als durchgängiges Leitprinzip und als verlässliche Regel für alle abhängig Beschäftigten festigt. Jetzt muss die Herausforderung die atypische Beschäftigung einzudämmen und die Rahmenbedingungen für sichere, ordentlich bezahlte und gute Arbeit zu schaffen von den Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, den Gewerkschaften und den politischen Parteien ernsthaft angepackt werden.

Dokumentation Prekäre Beschäftigung in Berlin - Titelblatt

DGB


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