Deutscher Gewerkschaftsbund

26.11.2015
Sozialpartnerschaft stärken! Digitaler Wandel braucht aktive Mitbestimmung

5. Brandenburger Betriebsrätekonferenz

Rund 200 Betriebsrätinnen und Betriebsräte aus allen Branchen und Regionen diskutierten in der Staatskanzlei in Potsdam über Arbeitsbedingungen in den Betrieben, Herausforderungen der betrieblichen Mitbestimmung und der Sozialpartnerschaft. Darunter auch zahlreiche Metallerinnen und Metaller aus Brandenburg.

Christian Hoßbach, stellvertretender Vorsitzender DGB Berlin-Brandenburg, sagte: „Was die Digitalisierung der Arbeitswelt für die Menschen bedeutet, hängt davon ab, wie die Veränderungen gestaltet werden. In den Unternehmen entscheidet sich, ob das auf qualifizierter Facharbeit basierende Erfolgsmodell der deutschen Wirtschaft weiterentwickelt wird, oder ob es in der Industrie 4.0 eine tiefe Spaltung des Arbeitsmarkts gibt - mit vielen schlecht bezahlten, unsicher Beschäftigten auf der einen Seite und gesuchten Spezialisten am oberen Ende. Betriebsräte sind deshalb mehr denn je gefragt: Sie können Innovationen anstoßen, gute Arbeitsbedingungen gestalten und Bildung und Fortbildung sichern.“ 

In einem Podium am Morgen ging es um „Gute Arbeit in den Betrieben“. Kollegen berichteten unter anderem aus dem Handwerk, von Amazon und von den Arbeitsbedingungen in einem Call-Center. Bodo Paetzel, Betriebsratsvorsitzender bei Bosch Solar CISTech in Brandenburg berichtete über die Absicht von Bosch, den Standort zu schließen. Der Standort mit derzeit rund 160 Beschäftigten entwickelt seit 2005 Solartechnik ohne Silicium. Schon im März 2013 verkündete Bosch den Ausstieg aus dem Solarbereich. „93 Prozent unserer Kolleginnen und Kollegen wollen bleiben. Wir entwickeln derzeit Szenarien zur Umgestaltung des Werkes. Ich bin heute hier, um Unterstützung zu organisieren“, sagte Bodo Paetzel.  

Am Nachmittag beschäftigte sich das Podium II mit dem Thema „Arbeit 4.0 – Innovation durch Mitbestimmung“. „In Brandenburg - und in Ostdeutschland insgesamt-  müssen betriebliche Innovationsprozesse verstärkt werden – auch im Kontext der Industrie 4.0 - Digitalisierungsprozesse“, sagte Nele Heß, Bezirkssekretärin für Wirtschafts- und Strukturpolitik der IG Metall Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Aus unserer Perspektive ist es dabei notwendig, nicht nur die Technologie in den Fokus zu stellen, sondern auch Fragen der Arbeitsgestaltung, der Mitbestimmung und der Qualifizierung. Erfolgreich wird der Prozess dann, wenn wir „Gute Arbeit 4.0“ bekommen und die Vorteile realisieren, dass beispielsweise alternsgerechte Arbeitsplätze besser gestaltet sind. Das Ergebnis darf nicht sein, dass noch weitere Prozesse ausgelagert und von so genannten Clickworkern bearbeitet werden.“ 

Ministerpräsident Dietmar Woidke und Arbeitsministerin Diana Golze unterzeichneten auf der Betriebsrätekonferenz den Aufruf des DGB Bezirksvorstandes Berlin-Brandenburg „Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter stehen auf für ein offenes, soziales, tolerantes Berlin und Brandenburg“.  

Landesarbeitsministerin Diana Golze unterstützt den DGB-Aufruf: „Brandenburg ist ein Land der Vielfalt. Flüchtlinge und Menschen mit Migrationshintergrund sind hier willkommen. Sie bereichern unsere Gesellschaft und unser Zusammenleben. Davon profitieren auch die Betriebe, nicht nur beim Thema Fachkräftesicherung. Bei der Integration von Flüchtlingen in Arbeit stehen wir aber erst am Anfang. Der Spracherwerb muss noch viel intensiver gefördert werden. Außerdem muss noch schneller ermittelt werden, welche Qualifikationen Flüchtlinge mitbringen. Und auch diejenigen, die keine Abschlüsse aufweisen, bringen berufliche Fähigkeiten und Fertigkeiten mit. Aber darüber wissen wir bislang viel zu wenig. Außerdem sind die bürokratischen Hürden für Betriebe, die Flüchtlinge beschäftigen wollen, noch viel zu hoch.“ 

Die Betriebsrätekonferenz wurde 2011 initiiert und ist ein fester Bestandteil der Aktivitäten zur Stärkung der Sozialpartnerschaft im Land Brandenburg. Diana Golze betonte: „Wir werden die Betriebsrätekonferenz und den Sozialpartnerdialog auch in Zukunft fortführen. Angesichts der demografischen Entwicklung und zunehmenden Digitalisierung der Arbeitswelt gibt es noch viel zu tun. Arbeitgeber sind gut beraten, ihre Beschäftigten an der Unternehmensentwicklung aktiv zu beteiligen. Die betriebliche Mitbestimmung muss weiter gestärkt werden. Zudem sind die Tarifparteien gefordert, mit zukunftsfähigen und innovativen Tarifverträgen den Wandel aktiv mitzugestalten.“

Bericht: Andrea Weingart, IG Metall 

http://www.igmetall-bbs.de/aktuelles/meldung/sozialpartnerschaft-staerken-digitaler-wandel-braucht-aktive-mitbestimmung/


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