Deutscher Gewerkschaftsbund

14.06.2017
Konferenz "Frauen bestimmen mit"

DGB-Frauen fordern Einschränkung der Ladenöffnung am Sonntag

Delegierte setzen sich für mehr Frauen in verantwortlichen Funktionen ein

„Frauen bestimmen mit. Mitbestimmung und gute Arbeit in Berlin und Brandenburg“: Unter diesem Motto fand die Bezirksfrauenkonferenz Berlin-Brandenburg am 16. Mai 2017 in Berlin statt, die unter anderem eine Einschränkung der Ladenöffnung an Sonntagen und höhere Vergabemindestlöhne forderte. 40 Delegierten der Gewerkschaften aus beiden Bundesländern beschäftigten sich mit Fragen der Mitbestimmung in Betrieben und Dienststellen, der Arbeit von Frauen als Interessenvertreterinnen und den Gestaltungsmöglichkeiten für gleichstellungsrelevante Fragen wie etwa Arbeitszeit, Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Der stellvertretende Bezirksvorsitzende Christian Hoßbach erinnerte in seiner Begrüßung daran, dass bei der Bundestagswahl im September viele Fragen eine Rolle spielten, die mit den Interessenlagen von Frauen zu tun haben. Das wichtigste Thema sei und bleibe die Rente. Er verwies darauf, dass Rentnerinnen und Rentner in der Region real mehr als 100 Euro weniger in der Tasche haben als vor 15 Jahren. „Gerade Frauen sollten sagen, dass es nicht so geht mit der Absenkung des Rentenniveaus“, rief er den Delegierten zu.

Die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack sprach als Hauptrednerin zum Thema „Arbeitszeit für Männer und Frauen gestalten: Anforderungen an gesetzliche Vorgaben und betriebliches Handeln“. Hannack kritisierte die 2 Milliarden Überstunden die jährlich in Deutschland anfielen, die Hälfte davon unbezahlt. Ständige Verfügbarkeit gelte vielfach als Leistungskriterium.

Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende

Elke Hannack, stellvertretende DGB-Vorsitzende DGB/Marvin Kroisl

Auch unerfüllte Arbeitszeitwünsche seien kein Randphänomen, Minijobbende wollten im Schnitt 21 Wochenstunden arbeiten, Teilzeitbeschäftigte 27 Stunden, so Hannack. „90 Prozent befürworten ein Rückkehrrecht in Vollzeit“, betonte sie mit Bezug auf die im Koalitionsausschuss gescheiterte Reform des Teilzeitrechts. Nötig seien aber nicht nur gesetzliche und tarifliche Veränderungen, sondern auch eine Umverteilung unbezahlter Arbeit zwischen den Geschlechtern. Die stellvertretende DGB-Vorsitzende plädierte zum Schluss ihrer Rede gegen Einschnitte in Arbeitsschutzrechte: „Arbeit muss so gestaltet sein, dass nicht krank macht.“ Es dürfe keine vollständige Entgrenzung geben. Vielmehr brauchten alle ein Recht auf Feierabend, ein Recht auf Erholung. „Keine Experimente bei den Ruhezeiten und beim 8-Stundentag!“, forderte sie. 

Prof. Martina Sproll von der Hochschule für Wirtschaft und Recht berichtete aus Fallstudien, dass in innovativen Unternehmen der Pharma- und Biotechbranche Maßnahmen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht die Gleichstellung befördert hatten, sondern im Gegenteil traditionelle Rollenverteilungen stabilisierten. Obwohl das Geschlecht scheinbar keine Rolle spielte, verdienten in den untersuchten Betrieben auch Frauen in Spitzenpositionen weniger als gleichrangige Männer, und Teilzeitbeschäftigung war fast ausschließlich weiblich. Es sei ein Problem, wenn Leistungspolitik und Industriepolitik nicht als Feld für Geschlechterpolitik erkannt würden, folgerte Sproll.

Die Berliner Gleichstellungssenatorin Dilek Kolat bezeichnete in ihrem Grußwort die hohe Teilzeitquote auf dem Arbeitsmarkt als ein Riesenproblem und sagte ihren Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen in der Pflege zu.

In einer Diskussionsrunde unter dem Titel „Wie bestimmen Frauen mit?“ erzählten Gewerkschafterinnen aus der Praxis. Karina Thieme (ver.di), Betriebsratsvorsitzende des AWO-Bezirksverbands Potsdam berichtete von ihrem Einstieg in die Betriebsratsarbeit und der Herausforderung, in einem in 44 zerstreute Teilbetriebe zerklüfteten Betrieb mit 179 Beschäftigten Kommunikation und Interessenvertretung zu organisieren. , schon eine Betriebsversammlung ist schwer zu organisieren. Bärbel Lange (GEW), Frauenvertreterin der Lehrerinnen und Erzieherinnen im Bezirk Berlin-Reinickendorf, stellte die Handlungsmöglichkeiten der Frauenvertreterinnen aus dem Landesgleichstellungsgesetz dar, um etwa für Teilzeitbeschäftigte auch eine entsprechende Reduzierung außerunterrichtlicher Aufgaben wie Konferenzen und Besprechungen durchzusetzen. Brigitte Dinkelaker, Leiterin des DGB-Projekts "Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestalten" trug Beispiele aus ihrer langjährigen Beratungserfahrung bei. Vereinbarkeit und Gleichstellung gehörten zusammen, betonte sie. Nele Heß berichtete von der Arbeitszeitkampagne der IG Metall, dass die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben für alle Beschäftigten auf der Tagesordnung stehe. Dies bestätigten auch die Ergebnisse der Beschäftigtenbefragung der Industriegewerkschaft, an der sich 681 000 Menschen aus den Branchen Metall/Elektro, Holz/Kunststoff und Textil-Bekleidung beteiligten.


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