Deutscher Gewerkschaftsbund

05.07.2016
Preisverleihung

Band für Mut und Verständigung würdigt Engagement für Integration vor Ort

Mit dem "Band für Mut und Verständigung" sind am Montag in Potsdam zwei Initiativen aus Brandenburg ausgezeichnet worden, die sich für die Integration von geflüchteten Menschen vor Ort einsetzen und Ausgrenzung entgegentreten. Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke und die Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Doro Zinke, übergaben den Preis an das Netzwerk für Demokratie und Menschlichkeit aus Zossen (Teltow-Fläming) und das kommunalpolitisch engagierte Gewerkschaftsmitglied Lars Wendland aus Brieskow-Finkenheerd (Landkreis Oder-Spree). Das Band für Mut und Verständigung zeichnet seit 1993 beispielhaftes Engagement gegen rassistische Gewalt und für interkulturelle Verständigung aus.

Die Jury würdigte den Einsatz von Lars Wendland, der trotz Einschüchterungsversuchen aus dem rechten politischen Spektrum einen entscheidenden Beitrag zur Integration dreier geflüchteter Familien aus Syrien in Brieskow-Finkenheerd geleistet hat. Durch seine prägenden Erfahrungen in der zivilen Seenotrettung von Flüchtenden mit der „Sea Watch“ e.V. im Mittelmeer baute er ein Vertrauensverhältnis zu den Geflüchteten in seinem Ort auf und schaffte es dadurch, anderen die Erfahrungen der geflüchteten Menschen näher zu bringen. Gemeinsam mit Mitstreitern konnte er Kontakte stiften und die Integration der neuen Einwohner in den 2300-Einwohner-Ort erleichtern. Der GdP-Kollege ist Bundespolizist und ehrenamtliches Mitglied des Gemeinderats von Brieskow-Finkenheerd.

Das Netzwerk Demokratie und Menschlichkeit wurde im Oktober 2015 in Zossen von Mitgliedern in Parteien, Initiativen, Gemeinden und Kirchen sowie Bürgerinnen und Bürger der Stadt gegründet. Die Jury hob in ihrer Entscheidung hervor, dass das Netzwerk den Dialog zwischen eingesessenen Bürgern und Geflüchteten gefördert hat, um gegenseitige Vorbehalte und Berührungsängste abzubauen. Das Netzwerk organisiert Bürgerstammtische und unterstützt zahlreiche andere Aktivitäten im Landkreis Teltow-Fläming - wie Sprachkurse, Kulturveranstaltungen, Nähkurse und Marktstände. Es übernimmt eine politische Rolle, in dem es Einwohner mit politischen Entscheidungsträgern zusammenbringt, um auf eine bürgernahe Flüchtlingspolitik hinzuwirken.

Ministerpräsident Dietmar Woidke betonte in seiner Laudatio: „Die Ausgezeichneten geben ihre Zeit, ihre Kraft und oft auch ihre finanziellen Ressourcen, um Anderen in Not beizustehen. Sie setzen sich dafür ein, dass Menschen anderer Kultur bei uns in Brandenburg gut aufgenommen und nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung gesehen werden.“ Toleranz und der Einsatz für ein friedliches Miteinander hätten in Brandenburg Tradition, so Woidke. "Ich bin froh, dass es in unserem Land viele Initiativen und mutige Menschen gibt, die sich dafür stark machen."

Die DGB-Bezirksvorsitzende Doro Zinke erklärte zur Preisverleihung: „Dass nationalistische Kundgebungen Zulauf bekommen und Gewalt gegen Flüchtlinge in Berlin und Brandenburg wächst, erschreckt mich. Ich bin eine besorgte Bürgerin, besorgt über die Verrohung der Sitten in unserer Gesellschaft. Rechte Gruppierungen versuchen, diese Verrohung als ‚normal‘ durchzusetzen. Solidarität und Respekt vor der Würde jedes Menschen – das ist Thema der Stunde. Die Preisträgerinnen und Preisträger engagieren sich dafür in ihrem Umfeld: Indem sie anderen beistehen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten und neu in unsere Region gekommen sind, indem sie versuchen, Vorurteile abzubauen und vor Ort Gesicht zeigen.“

 


Das „Band für Mut und Verständigung“ wird seit 1993 vom Bündnis für Mut und Verständigung verliehen (bis 2014: Bündnis der Vernunft gegen Gewalt und Ausländerfeindlichkeit), das der DGB nach den gewaltsamen Übergriffen auf Ausländer Anfang der 1990er Jahre initiiert hatte. Dem Bündnis gehören neben Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Woidke unter anderem der Flüchtlingsrat Berlin, die großen Wohlfahrtsverbände, die evangelische und die katholische Kirche und die Jüdische Gemeinde zu Berlin an.
Link zum Bündnis für Mut und Verständigung: http://berlin-brandenburg.dgb.de/++co++3464200a-09f1-11e1-5c79-00188b4dc422.
Bisherige Preisträger: http://berlin-brandenburg.dgb.de/themen/++co++b9405b38-0a1c-11e1-715b-00188b4dc422.


 

Filme und Bilder:

Filme zu den Preisträgern stehen unten zum Download.

Für die Gestaltung des Rahmenprogramms der diesjährigen Preisverleihung hat der Ministerpräsident knapp 2.800 Euro aus Lottomitteln zur Verfügung gestellt. Im Vorfeld waren dafür zwei Kurzfilme über die Preisträger gedreht worden.

Das Presseamt des Landes Brandenburg stellt Bilder der Veranstaltung zur Verfügung, die unter Nennung der Quelle brandenburg.de kostenfrei auf www.brandenburg.de heruntergeladen werden können.

 

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Lars Wendland aus Brieskow-Finkenheerd -
ausgezeichnet mit dem Band für Mut und Verständigung 2016

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Netzwerk für Demokratie und Menschlichkeit aus Zossen -
ausgezeichnet mit dem Band für Mut und Verständigung 2016

Gruppenbild Band für Mut und Verständigung 2016

brandenburg.de


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