Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 20/2016 - 06.10.2016
Welttag für menschenwürdige Arbeit am 7. Oktober

„Halbtagsmaurer“, Lohnbetrug und 24-Stunden-Pflege: Auch in Berlin und Brandenburg sind unwürdige Arbeitsbedingungen ein Problem

„Ausbeutung und schlechte Arbeitsbedingungen sind auch in Berlin und Brandenburg ein Problem“, sagt Doro Zinke, Vorsitzende der Deutschen Gewerkschaftsbundes Berlin-Brandenburg, zum Welttag für menschenwürdige Arbeit. Diese Probleme fielen vor allem in der Baubranche, in der Gastronomie, Gebäudereinigung und Pflege auf. Aus Brandenburg seien den Gewerkschaften und gewerkschaftsnahen Beratungsstellen auch Fälle von Arbeitsausbeutung in der Landwirtschaft bekannt.

Die zeitlichen und personellen Ressourcen der Ermittlungsbehörden reichen nach Einschätzung des DGB oft nicht aus, Verstöße gegen arbeitsrechtliche Standards wie den Mindestlohn und Fälle von Menschenhandel zur Arbeitsausbeutung wirksam zu verfolgen. „Arbeitsrechte, die nicht durchgesetzt werden, helfen den Menschen nicht“, sagt Zinke. Auch bei den Gewerbeanmeldungen muss nach Auffassung des Gewerkschaftsbundes systematisch auf unfreiwillige Scheinselbständigkeit geachtet werden, wie sie auf dem Bau häufig vorkommt.

„Angebliche Halbtagsmaurer, die den halben Lohn ohne soziale Absicherung und Vertrag bekommen, Pflegerinnen in Privathaushalten, die rund um die Uhr im Einsatz sind, Lohnbetrug und ‚Arbeit auf Abruf‘ – vor unserer Haustür gibt es viele Beispiele für Arbeitsbedingungen, die unwürdig sind“, erklärt die DGB-Bezirksvorsitzende.

Verstöße gegen Gesetze, Tarifverträge und Arbeitsverträge müssten Beschäftigte nicht hinnehmen, rät Zinke. „Gewerkschaftsmitglieder können sich bei ihrer Gewerkschaft beraten lassen und bekommen kostenlosen Rechtsschutz. Verstöße gegen Gesetze kann man auch Behörden wie etwa dem Zoll für das Thema Mindestlohn melden“, sagt Zinke. Gerade für Migrantinnen und Migranten, die oft schlechte Erfahrungen auf dem Arbeitsmarkt machen, sei auch die Arbeit kompetenter Beratungsstellen mit muttersprachlichen Angeboten wichtig, die dauerhaft finanziert werden müsse.


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Porträt Annika Klose, Bild: DGB/Nina Lepsius

Annika Klose

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