Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 27/09 - 25.03.2009

Gläsernen Arbeitnehmer verhindern - Datenschutz stärken

Fachtagung zu „Überwachung im Betrieb“

Die Bespitzelung bei der Telekom, die Videoüberwachung bei Lidl und die selbstherrliche Überwachungspraxis bei der Bahn haben in dramatischer Weise belegt, wie notwendig ein spezielles Datenschutzgesetz für Arbeitnehmer ist.

Betrieblicher Datenmissbrauch muss verhindert werden, Arbeitgeber dürfen nicht länger Technologien missbrauchen, um Beschäftigte auszuspähen oder etwa Leistungskontrolle ungehindert zu betreiben.

Auf der Fachtagung „Überwachung im Betrieb“ forderte Dieter Scholz, Vorsitzender des DGB, Bezirk Berlin-Brandenburg vor Betriebsräten, Datenschutzexperten sowie Unternehmensvertretern, endlich die Möglichkeiten der Rasterfahndung im Betrieb einzudämmen und die Angriffe auf die Menschenwürde abzuwehren.

Der DGB setzt sich für ein Arbeitnehmer-Datenschutzgesetz ein, das u.a. die Weitergabe medizinischer Daten verbietet und die Kontrollrechte des Betriebsrates stärken will. Der gläserne Arbeitnehmer solle verhindert werden, so Scholz. Die Fachtagung wird u.a. von ver.di, der IG Metall sowie den norddeutschen DGB-Technologieberatungs-stellen organisiert.

Bei den Beschäftigten wachse die Furcht vor der herrschenden Überwachungspraxis, so Scholz. Häufig gehe es auch darum, Arbeitnehmer zu bespitzeln, die sich gewerkschaftlich engagierten. Die Unternehmensleitungen hätten oft kein Unrechtsbewusstsein und betrieben ihre Ausspähungen unter dem Mantel der Korruptions- oder Diebstahlsbekämpfung.

Der DGB-Vorsitzende unterstrich, es seien klare betriebliche Regelungen notwendig, für die auch externer Sachverstand erforderlich sei. Eine Erweiterung des vorhandenen Bundesdatenschutzgesetzes bleibe Flickwerk.

Der DGB fordert u.a., die gezielte Beobachtung am Arbeitsplatz zu verbieten; ferner sollte bei Unternehmen wie Banken sichergestellt sein, dass Kundendaten und Beschäftigtendaten gesondert geführt und geschützt würden.

Die Position des betrieblichen Datenschutzbeauftragten müsse gestärkt werden. Arbeitnehmer sollten besonderen Schutz vor Repressalien genießen, wenn sie bspw. Skandale im Betrieb aufdeckten (Fleisch- und Schwarzgeldskandal).


Nach oben

Bezirks-Newsticker

Themenverwandte Beiträge

Pressemeldung
Europa-Abgeordnete der Region müssen sich für Verkehrssicherheit und gegen Dumpinglöhne einsetzen
Aktuell wird im Europaparlament das sogenannte Mobilitätspaket beraten. "Die vorgesehenen Regeln klingen wie eine Horrorstory aus dem Mittelalter: 16-Stunden-Tage, zwölftägiger Dauereinsatz am Steuer", warnt Christian Hoßbach, Vorsitzender des DGB Berlin-Brandenburg. Zur Pressemeldung
Pressemeldung
DGB Berlin-Brandenburg: Die Jobcenter in Berlin sind unterfinanziert und benötigen Unterstützung!
Wir fordern die Berliner Bundestagsabgeordneten dazu auf, sich in den Haushaltsverhandlungen für eine bessere finanzielle Ausstattung der Jobcenter einzusetzen. Trotz der vergleichsweise guten Situation am Arbeitsmarkt sind in Berlin nach wie vor 44.000 Menschen langzeitarbeitslos. Zur Pressemeldung
Pressemeldung
DGB Berlin-Brandenburg begrüßt Dialog für Gute Arbeit im Handwerk unter Schirmherrschaft von Dietmar Woidke
Aus Sicht der Gewerkschaften ist die Erhöhung der Tarifbindung das Herzstück zur Fachkräftesicherung und Stärkung des Handwerks. Tarifverträge sind entscheidend für eine anständige Bezahlung, sichere Arbeitsplätze, die Vereinbarkeit von Job und Familie, altersgerechte Arbeitsbedingungen, ein betriebliches Gesundheitsmanagement und hohe Standards beim Arbeitsschutz. Da laut Handwerksordnung die Innungen mit dem Abschluss von Tarifverträgen beauftragt sind, müssen diese gestärkt werden. Mehr Handwerksbetriebe müssen Mitglieder der Innungen werden. Zur Pressemeldung

Zuletzt besuchte Seiten