Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 04/16 - 07.03.2016
DGB zum Internationalen Frauentag am 8. März:

Gewerkschaften fordern Recht auf befristete Teilzeit und auskömmliche Arbeit für Frauen

„In kaum einem anderen EU-Land ist die Arbeitszeit zwischen den Geschlechtern so ungleich verteilt wie in Deutschland. Jede zweite Frau arbeitet in Teilzeit, und das oft ihr gesamtes Leben lang“, sagt Doro Zinke, Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg. „Das ist mit handfesten Nachteilen bei Einkommen, beruflichen Möglichkeiten und der sozialen Absicherung verbunden.“ Der DGB Berlin-Brandenburg stellt deshalb das Thema Arbeitszeit in den Mittelpunkt seiner Veranstaltung zum Internationalen Frauentag am 8. März.

Frauen gingen oft in Teilzeit, weil sie unbezahlte Arbeit in Kindererziehung und Pflege leisten, betont Zinke. Dabei hätten sie meistens nicht die Chance, ihre Stunden wieder aufzustocken, wenn die Lebensumstände das zulassen. „Absolut überfällig ist ein Recht auf befristete Teilzeit und das Recht, wieder in Vollzeit zurückzukehren“, sagt die DGB-Bezirksvorsitzende.

Dabei zeigt sich die ungleiche Verteilung der Sorgearbeit in Berlin und Brandenburg sehr deutlich: Jede dritte Familie in Berlin und jede vierte in Brandenburg ist alleinerziehend, 90 Prozent der alleinerziehenden Eltern sind Frauen. Während Ehegattensplitting und Minijobs ungleiche Einkommen der Partner subventionieren, werden Frauen nach einer Scheidung mit einem vermeintlich modernen Unterhaltsrecht bestraft, das für sie ein Armutsrisiko bedeutet.

Die DGB-Vorsitzende warnt auch für Berlin und Brandenburg vor zunehmender weiblicher Altersarmut: „Niedriges Einkommen heißt später niedrige Rente.“ In Berlin seien bezogen auf die Einpersonenhaushalte schon zwei Drittel der Menschen, die Grundsicherung im Alter beziehen müssen, Frauen. Auch das sinkende gesetzliche Rentenniveau treffe Frauen besonders hart, weil sie seltener Betriebsrenten und private Alterseinkommen hätten.

Damit Frauen in allen Lebensphasen ihre wirtschaftliche Existenz sichern können, fordert der DGB zum Internationalen Frauentag 2016:

das im Teilzeit- und Befristungsgesetz verankerte Recht auf Teilzeit auf alle Beschäftigten auszuweiten unabhängig davon, wie groß der Betrieb ist, in dem sie arbeiten;

ein Recht auf befristete Teilzeit. Damit Beschäftigte ihre Arbeitszeit nach Bedarf auch wieder aufstocken können und auch Männer sich trauen, in bestimmten Lebensphasen ihre Arbeitszeit zu reduzieren;

ein Recht, aus der Teilzeit wieder zurückzukehren. Wer raus will aus der Teilzeitfalle, soll auch einen gesetzlichen Anspruch darauf haben;

eine qualitativ hochwertige, bedarfsgerechte und flächendeckende Betreuung für Kinder und Pflegebedürftige, die eine Erhöhung der Arbeitszeit von Beschäftigten mit Fürsorgeverantwortung möglich macht;

Anreize für eine partnerschaftliche Arbeitszeitverteilung, damit Pflege-, Erziehungs- und Hausarbeit nicht allein in der Verantwortung der Frauen liegt;

öffentlich geförderte haushaltsnahe und personenbezogene Dienstleistungen, die Entlastung im Haushalt und damit Zeitressourcen schaffen.

 


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Ansprechpartnerin Presse

Nina Lepsius

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