Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 45/15 - 08.12.2015
Mängel in der Berufsausbildung sind immer noch Alltag in der Region

Azubi oder billige Arbeitskraft? DGB-Jugend stellt Ausbildungsreport 2015 vor

Unbezahlte Überstunden, ausbildungsfremde Tätigkeiten, Nacharbeiten von Berufsschultagen: Solche Mängel in der Berufsausbildung gehören nach wie vor zum Alltag, wie der aktuelle Ausbildungsreport Berlin-Brandenburg feststellt. „Qualitätsprobleme in der Ausbildung sind ein hausgemachter Beitrag zum Fachkräftemangel“, erklärt dazu die DGB-Vorsitzende für Berlin und Brandenburg, Doro Zinke. „Wenn Lehrstellen frei bleiben, dann oft in Branchen mit meist schlechten Ausbildungsbedingungen. Auch dass in Berlin und Brandenburg jeder dritte Azubi den Ausbildungsvertrag vorzeitig löst, weist auf Probleme in der Ausbildung hin.“ Für den 10. Ausbildungsreport der DGB-Jugend Berlin-Brandenburg wurden 1805 junge Menschen in der Region zu ihren Ausbildungsbedingungen befragt.

Der Ausbildungsmarkt ist nach Ansicht des DGB nach wie vor schwierig – in Berlin wie in Brandenburg. „Fachkräfte werden gesucht, die Beschäftigung steigt – aber die Ausbildungszahlen halten nicht Schritt“, kritisiert Zinke. Berlin habe bundesweit die die rote Laterne bei der Ausbildungsbeteiligung der Betriebe, auch in Brandenburg bildeten immer noch zu wenige Betriebe aus. „Die Betriebe müssen den jungen Leuten eine Perspektive in der Region geben und Ihnen eine gute Ausbildung mit der Chance auf Übernahme bieten“, fordert Zinke.

Die DGB-Vorsitzende weist darauf hin, dass die vorzeitige Lösung von Ausbildungsverträgen nicht mit Ausbildungsabbruch gleichzusetzen sei, weil Azubis die Ausbildung oft in einem anderem Betrieb fortsetzten. „Die ständigen Vorhaltungen gegenüber den angeblich nicht ausbildungsreifen Jugendlichen gehören in die Mottenkiste“, erklärt Zinke deshalb. Eine aktuelle Studie belege, dass für den Ausbildungsabbruch die Qualität eine entscheidende Rolle spielt. Verfolgt das Unternehmen einen „investiven“ Ansatz, bei dem viel für die Ausbildung getan wird, gibt es weniger Abbrüche. Werden die Azubis hingegen als billige Arbeitskräfte verstanden, ist das Risiko einer vorzeitigen Vertragslösung hoch. „Für die Kontrolle der Ausbildungsqualität sind die Kammern zuständig, die ihrer Aufgabe gerecht werden müssen. Gerade, wenn die duale Ausbildung gestärkt werden soll, dürfen sich die Kammern nicht vor die schwarzen Schafe stellen, sondern müssen auf gute Ausbildung pochen.“

Ausbildungsreport 2015

 

 

 


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