Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 36/17 - 06.12.2017
Veröffentlichung

DGB-Jugend Ausbildungsreport 2017 für Berlin-Brandenburg

Stillstand trotz Fachkräftemangel - nötige Verbesserung der Berufsschulqualität wurde verschlafen

 

27 Prozent der Befragten bewerten die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts bestenfalls mit „befriedigend“, 15 Prozent sogar nur mit „ausreichend“ oder gar „mangelhaft“. Die Klassengröße der Berufsschulen liegt im Durchschnitt bei 21,8 Schülerinnen und Schülern und damit im Vergleich zur Befragung aus dem Jahr 2012 um 0,8 höher. Auch die Bewertung der Ausstattung der Berufsschulen fällt im Vergleich zum Jahr 2012 negativer aus.

Zu den zentralen Befunden des DGB-Jugend Ausbildungsreports 2017 mit dem Sonderthema „Qualität der Berufsschulausbildung“ erklärt die Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Doro Zinke:

„Es ist kein Wunder, dass sich jede_r fünfte Befragte nicht gut genug auf die theoretische Prüfung vorbereitet fühlt. Die nötigen Anpassungen zur Verbesserung der Berufsschulqualität wurden in den letzten fünf Jahren verschlafen. Die Berufsschulen in Berlin und Brandenburg benötigen mehr finanzielle Unterstützung, eine Stärkung der personellen Ausstattung, eine Verbesserung der baulichen Zustände sowie der sanitären Einrichtungen und Räumlichkeiten und eine bessere technische Ausstattung.“

Die Befragung von rund 1800 Auszubildenden ergab, dass 63 Prozent der Auszubildenden in Berlin und Brandenburg ausbildungsfremde Tätigkeiten verrichten müssen. Deutlich mehr als ein Viertel der Azubis leistet regelmäßig Überstunden. Nur ein knappes Drittel der Auszubildenden wird wahrscheinlich vom Ausbildungsbetrieb übernommen. Dies kommentiert Doro Zinke:

„Trotz Fachkräftemangel herrscht Stillstand. Jedes Jahr halten wir Politik und Unternehmen den Spiegel vor und prangern an, dass die Regelungen des Berufsbildungsgesetzes nicht eingehalten werden und stoßen damit auf taube Ohren. Die Berufsperspektiven sind für die Auszubildenden von großer Bedeutung. Eine Übernahme in ein befristetes Teilzeitarbeitsverhältnis genügt den Anforderungen der jungen Menschen nicht und stellt auch keinen guten Einstieg in die Erwerbsbiografie dar. Die Schaffung guter Ausbildungsbedingungen und unbefristeter tarifierter Vollzeitstellen ist unabdingbar.“

Zum Hintergrund des DGB-Jugend Ausbildungsreports ergänzt die DGB-Bezirksjugendsekretärin Christin Richter:

„Wir können zwar eine hohe allgemeine Zufriedenheit mit der Ausbildung feststellen, aber mit Problemen bleiben die Auszubildenden meistens allein. Viele Auszubildende reden im Rahmen unserer Berufsschultour zum ersten Mal über ihre Probleme innerhalb der Ausbildung. Deshalb fordern wir immer noch die Entwicklung eines für Auszubildende leicht zugänglichen und niedrigschwelligen Beschwerdemanagements bei auftretenden Problemen im Betrieb und eine Stärkung der Schüler_innenvertretungen in den Berufsschulen. Unternehmen und Politik sind gefordert, die Beschwerden der Auszubildenden ernst zu nehmen und endlich spürbare Verbesserungen zu schaffen!“

 

Den gesamten Ausbildungsreport sowie eine kurze Zusammenfassung der wichtigsten Fakten finden Sie hier zum Download:

 


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Ansprechpartnerin Presse

Porträt Annika Klose, Bild: DGB/Nina Lepsius

Annika Klose

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