Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 23/15 - 16.06.2015
„Es muss Schluss sein mit den Vorhaltungen gegenüber angeblich nicht ausbildungsreifen Jugendlichen“

Doro Zinke (DGB) fordert vor Beginn des Ausbildungsjahrs eine bessere Qualität der Berufsausbildung

Knapp sieben Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahrs weist die DGB-Vorsitzende für Berlin und Brandenburg, Doro Zinke, darauf hin, dass sich die Qualität der dualen Berufsausbildung in vielen Bereichen deutlich verbessern muss. Fast ein Viertel der Ausbildungsverträge wird vorzeitig aufgelöst – auch weil die fachliche Qualität nicht stimmt oder die Arbeitsbedingungen schlecht sind. „Es muss Schluss sein mit den ständigen Vorhaltungen gegenüber den angeblich nicht ausbildungsreifen Jugendlichen“, erklärt Zinke deshalb. Eine aktuelle Studie belegt, dass für den Ausbildungsabbruch die Qualität eine entscheidende Rolle spielt. Verfolgt das Unternehmen einen „investiven“ Ansatz, bei dem viel für die Ausbildung getan wird, gibt es weniger Abbrüche. Werden die Azubis hingegen als billige Arbeitskräfte verstanden, ist das Risiko einer vorzeitigen Vertragslösung hoch. Auch wenn es einen Betriebs- oder Personalrat gibt, der die Interessen der Beschäftigten vertritt, gibt es weniger Ausbildungsabbrüche.

„Betriebe müssen auf die Qualität der Ausbildung achten, wenn sie Auszubildende gewinnen und auch halten wollen“, sagt Zinke. Sie erinnert daran, dass der aktuelle Ausbildungsreport der DGB-Jugend Berlin-Brandenburg ermittelt hatte, dass 27,9 Prozent der Azubis regelmäßig Überstunden machen. Vor allem angehende Handwerker, Hotelfachleute und Köche fühlten sich zudem oft nicht „korrekt behandelt“. Betriebe und Branchen mit Nachwuchssorgen müssten sich auch fragen, ob sie den Jugendlichen eine gute Ausbildung böten, erklärt die DGB-Chefin.

 

Quelle: „Wenn der Betrieb nicht ausbildungsreif ist“, in: Böcklerimpuls 10/2015 v. 11. Juni 2015, http://www.boeckler.de/54379_54394.htm, zur Studie „Determinanten vorzeitiger Lösungen von Ausbildungsverträgen und berufliche Segmentierung im dualen System“ von Daniela Rohrbach-Schmidt/Alexandra Uhly, in: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 1/2015, http://link.springer.com/article/10.1007/s11577-014-0297-y


Nach oben

Bezirks-Newsticker

Themenverwandte Beiträge

Pressemeldung
DGB-Jugend Ausbildungsreport 2017 für Berlin-Brandenburg
Der 12. Ausbildungsreport (2017) der DGB-Jugend Berlin-Brandenburg wurde veröffentlicht und steht zum Download bereit. In diesem Jahr greift der Report das Sonderthema „Qualität der Berufsschulausbildung“auf. 27 Prozent der Befragten bewerten die fachliche Qualität des Berufsschulunterrichts bestenfalls mit „befriedigend“, 15 Prozent sogar nur mit „ausreichend“ oder gar „mangelhaft“. Die Klassengröße der Berufsschulen liegt im Durchschnitt bei 21,8 Schülerinnen und Schülern und damit im Vergleich zur Befragung aus dem Jahr 2012 um 0,8 höher. Zur Pressemeldung
Pressemeldung
Frauenberufe? Männerberufe? Voll von gestern!
Der 18. Girls‘ Day am 26. April bietet Schülerinnen einen Einblick in die Arbeitswelt und leistet einen wichtigen Beitrag zur Berufsorientierung. Entscheidend für die Berufswahl sollten individuelle Fähigkeiten und Neigungen sein, nicht vorgefertigte Rollenbilder, sagt die stellvertretende Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, Sonja Staack. Zur Pressemeldung
Pressemeldung
Tag der Arbeit in Berlin und Brandenburg: mehr als 33.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei DGB-Veranstaltungen für Solidarität, Vielfalt und Gerechtigkeit
Unter dem Motto „Solidarität, Vielfalt, Gerechtigkeit“ sind am Tag der Arbeit über 33.000 Menschen in Berlin und Brandenburg auf die Straße gegangen. Allein im Bezirk Berlin-Brandenburg fanden rund um den 1. Mai gut 20 Gewerkschaftsveranstaltungen und Kundgebungen statt. In Berlin gingen rund 14.000 und in Brandenburg gut 19.000 Menschen auf die Straße. Bei der größten Kundgebung in Berlin stellte der DGB-Bezirksvorsitzende Christian Hoßbach vor 14.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern den Kampf für gute Einkommen und Tarifbindung in den Mittelpunkt seiner Rede. Zur Pressemeldung

Zuletzt besuchte Seiten