Deutscher Gewerkschaftsbund

PM 47/14 - 14.11.2014
Warteschleife oder Übergangsjob

19.000 Jugendliche suchen noch einen Ausbildungsplatz

In keiner anderen deutschen Stadt bilden so wenige Betriebe aus wie in Berlin: lediglich 12,5 Prozent (Bund: 20,8 %). Denn die Zahl der Ausbildungsbetriebe geht in den vergangenen vier Jahren kontinuierlich zurück, dem angeblichen Fachkräftemangel zum Trotz. Die Situation junger Menschen, die eine Ausbildung suchten, sehe nicht rosig aus, erklärte Doro Zinke, Vorsitzende des DGB, Bezirk Berlin und Brandenburg heute zum Auftakt der Bildungspolitischen Tagung des DGB unter dem Motto „Gute Ausbildung in Schule und Betrieb“ im Schöneberger DGB-Haus.

Mehr als 11.000 junge Menschen befänden sich in Berlin in sog. Warteschleifen der Arbeitsagentur (4600) bzw. hätten einen Job angenommen, qualifizierten sich in Kursen weiter oder machten ein Freiwilliges soziales Jahr. In Brandenburg kämen auf 4.845 Jugendliche in Fördermaßnahmen weitere 2.700 junge Menschen, die ohne Angabe von Gründen die Suche nach einem Ausbildungsplatz aufgegeben hätten. Diese Zahlen belegten nach Auffassung der DGBV-Vorsitzende ein Ausbildungsdesaster, das sich eine Dienstleistungs- und Industrieregion Berlin-Brandenburg nicht leisten könne: „Das Lamento um die angeblich fehlenden Fachkräfte ist scheinheilig. Tatsache ist, immer mehr Unternehmen stehlen sich aus der gesellschaftlichen Verantwortung und der Verantwortung für ihre eigene Existenz, weil sie nicht ausbilden. Eine verheerende Entwicklung für junge Menschen, die hier in der Region eine Lebens- und Arbeitsperspektive suchen.“

Zinke erinnerte an die Initiative des DGB in NRW, der für eine Ausbildungsumlage auf Länderebene streite. Im DGB-Gutachten werde überzeugend dargelegt, dass man sowohl in der Baubranche als auch in der Altenpflege mit einer Umlagefinanzierung gute Erfahrungen gemacht habe.


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